Zum Jahrestag von Russlands Einmarsch in die Ukraine hat Justizministerin Alma Zadic (Grüne) gefordert, dass die Täter der Kriegsverbrechen in der Ukraine zur Rechenschaft gezogen werden.
"Gerechtigkeit für die Menschen in der Ukraine ist eine der Grundvoraussetzungen für eine Zukunft in Frieden und Sicherheit", so Zadic am Freitag bei einer Veranstaltung der EU-Kommission in Wien. Experten zeigten sich zuversichtlich, dass rasch ein Sondertribunal eingerichtet werden könne.
Zadic sieht "Gerechtigkeit für die Menschen in der Ukraine" als Voraussetzung für Frieden
Die Verantwortlichen der Kriegsverbrechen müssten ausfindig gemacht und so rasch wie möglich vor Gericht gestellt werden, so die Justizministerin vor europäischen Botschaftern im Haus der Europäischen Union. Dazu müssten bestehende Strafbarkeitslücken geschlossen werden. "Wir müssen sicherstellen, dass nicht das Recht des Stärkeren siegt, sondern die Rechtsstaatlichkeit", daher werde Österreich auch weiterhin die Ukraine und den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) dabei unterstützen, eine Strafverfolgung zu ermöglichen.
Menschenrechtsexperte denkt, dass Kreigsverbrechen geahndet werden
Der Menschenrechtsexperte Manfred Nowak zeigte sich
zuversichtlich, dass die Kriegsverbrechen in der Ukraine geahndet werden
und auch die russische Führung zur Rechenschaft gezogen wird. Zwar sei
es im Fall von Kriegsverbrechen extrem schwierig nachzuweisen, dass
diese von oben angeordnet wurden. Anders sei dies beim Verbrechen der
Aggression - also des militärischen Angriffs auf einen anderen
souveränen Staat - "da liegen alle Beweise auf dem Tisch", sagte Nowak.
Internationales Sondertribunal könnte Präsident Putin anklagen
Ein
internationales Sondertribunal, das auch Präsident Wladimir Putin
anklagen könne, könnte rasch eingerichtet werden, meinte Nowak. Dazu sei
nur der politische Wille nötig, um in der UNO-Vollversammlung die
nötige Unterstützung zu finden. Laut dem Experten wäre auch eine
einfache Mehrheit in der UNO-Vollversammlung ausreichend. Das
eingesetzte Sondertribunal könnte daraufhin Ermittlungen aufnehmen,
Beweise sammeln und Haftbefehle ausstellen. "Ich sage nicht, dass Putin
im nächsten Jahr verhaftet wird, aber es gibt eine Zeit danach", so
Nowak. Auch im Falle der Verfolgung der Kriegsverbrechen in
Ex-Jugoslawien habe es zwar sehr lange gedauert, aber schließlich seien
die Hauptverantwortlichen in Den Haag gelandet.
Beweise für das Verbrechen der Aggression gebe es ausreichend
Beweise für das
Verbrechen der Aggression gebe es ausreichend, erklärte auch Astrid
Reisinger Coracini, internationale Strafrechtsexpertin der Universität Wien.
Daneben müssten aber auch die einzelnen von Russland begangenen
Kriegsverbrechen in der Ukraine verfolgt werden, betonte der Grazer
Völkerrechtler Wolfgang Benedek, der für die OSZE eine Fact Finding
Mission in der Ukraine geleitet hat.
Ukraine habe bisher 68.000 Kriegsverbrechen dokumentiert
Die Ukraine habe bisher mehr
als 68.000 Kriegsverbrechen dokumentiert, berichtete die aus Kiew per
Video zugeschaltete ukrainische Vize-Justizministerin Iryna Mudra. Um
dieses zu ahnden, brauche es Ermittlungen der ukrainischen Justiz und
des Internationalen Strafgerichtshofs, ein Sondertribunal und auch die
Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen in der Europäischen Union,
um die Konfiszierung des in der EU eingefrorenen russischen Vermögens
für Schadenersatzzahlungen an die Opfer zu ermöglichen.
Der EU-Kommissionsvertreter in Wien,
Martin Selmayr, sagte der Ukraine weitere Unterstützung zu, solange es
nötig sei. Die beste Antwort auf die russische Aggression sei die
Einigkeit der Europäischen Union, so Selmayr, diese habe Putin
unterschätzt.