Bei der Sondersitzung des Nationalrats anlässlich des Jahrestags der russischen Invasion in der Ukraine hat die Neutralität Österreichs eine zentrale Rolle gespielt.
Während die NEOS, die das Plenum erwirkt hatten, eine Abkehr von der bisherigen österreichischen Haltung bewarben, pochte Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) auf die Beibehaltung der Neutralität. Der Sitzung wohnten etwa die ukrainische Delegation der OSZE und die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja bei.
Neutralität spielte bei Debatte zum Jahrestag des Krieges große Rolle
NEOS-Klubobfrau
Beate Meinl-Reisinger, die eine gelb-blaue Schleife angelegt hatte,
verurteilte in der Begründung ihrer "Dringlichen Anfrage" einmal mehr
die russische Aggression. Sie sprach von einem "ungeheuerlichen Krieg"
und betonte: "Putin muss in der Ukraine gestoppt werden, um nachhaltig
Freiheit und Frieden zu sichern."
Sondersitzung im Nationalrat
Meinl-Reisinger betonte, dass man nur in einem Verbund geschützt sei
Aus österreichischer Sicht
betonte Meinl-Reisinger, dass man nur in einem Verbund geschützt sei.
Finnland und Schweden hätten bereits erkannt, dass die Neutralität
alleine nicht helfe. Die NEOS-Klubobfrau verlangte ein Bekenntnis zu
einer europäischen Sicherheitssäule und die Erarbeitung einer neuen
Sicherheitsstrategie, stelle die geltende doch Russland noch auf die
selbe Stufe wie die USA: "Das ist doch fahrlässig."
Kanzler Nehammer bekannte sich in seiner Replik zur Neutralität
Nehammer bekannte sich in seiner Replik klar zur Neutralität, die in vielen Bereichen gar nicht hoch genug einzuschätzen sei. Der Kanzler verwies auf die vielen internationalen Organisationen von der UNO abwärts, die sich gerade deswegen in Österreich angesiedelt hätten und so die Möglichkeit böten, Gesprächskanäle offen zu halten. Nehammer sieht Österreich als Brückenbauer: "Österreichs Neutralität ist gelebte Friedenspolitik." Auch in der EU habe mit ihr niemand Probleme.
Energieversorgung war zweites Konfliktthema im Nationalrat
Zweites
Konfliktthema war die Energieversorgung. Während Meinl-Reisinger die
Abhängigkeit von russischem Gas mit über 70 Prozent schilderte, liegt
sie laut Nehammer im Jahresdurchschnitt nur noch bei 50 Prozent nach 80
Prozent vor dem Krieg. Klar ist für den Kanzler, dass ein Ausstieg nicht
von einem Tag auf den anderen erfolgen könne. Dabei verwies er auf sehr
langfristige Lieferverträge, die abgeschlossen seien, und die Kosten,
die bereits durch die Schaffung der strategischen Gasreserve entstanden
seien.
Meinl-Reisinger sieht in Österreich eine Gas-Kolonie Russlands
Meinl-Reisinger sah hingegen Österreich als eine
Gas-Kolonie der imperialistischen Politik Russlands. Während Österreich
der Ukraine mit 600 Millionen geholfen habe, seien in den vergangenen
Jahren sieben Milliarden nach Moskau gelaufen.