Gastkommentar von Johannes Huber. Mit seinen Attacken auf Bundespräsident Van der Bellen bringt der FPÖ-Chef seine Gesinnung zum Ausdruck.
Es ist nachvollziehbar, dass FPÖ-Chef Herbert Kickl nicht
gut zu sprechen ist auf Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Immerhin hat
dieser (sinngemäß) mitgeteilt, dass er kaum mit einem Regierungsbildungsauftrag
rechnen kann; selbst dann, wenn seine Partei Erste werden sollte bei der
nächsten Nationalratswahl.
Er ist auch nachvollziehbar, dass sich der FPÖ-Chef beim
politischen Aschermittwoch mit einem Bier neben sich etwas heftiger ausdrückt.
Das hat Tradition. Es lässt jedoch tief blicken, wenn er Van der Bellen als
„größten Demokratie- und Staatsgefährder“ bezeichnet, der des Amtes enthoben
gehöre.
Der Grund tut hier nichts zur Sache. Kickl stößt sich dran,
dass Van der Bellen immer wieder sehr deutlich den russischen Angriffskrieg in
der Ukraine verurteilt; dass er sich mit der Ukraine nicht-militärisch
solidarisiert; und dass er zum Ausdruck bringt, dass dieser Krieg auch gegen
Frieden und Freiheit im Westen insgesamt gerichtet ist. Selbst wenn man das
nicht teilt, ist es so: Van der Bellen hat keine Pflicht verletzt, er hat
keinen Verfassungsbruch begangen.
Kickls Attacken an diesem Aschermittwoch, die laut einer
„Standard“-Reportage aus der Rieder Jahnturnhalle auch Bezeichnungen wie „diese
Mumie in der Hofburg“ umfassten, mögen dazu dienen, die eigene Anhängerschaft
bei Laune zu halten und mit Blick auf einen kommenden Urnengang zu
mobilisieren.
Die Angriffe sind vor allem aber auch eine demokratische
Respektlosigkeit: Bei niemandem in dieser Republik kommt der Wille des
Souveräns stärker zum Ausdruck als beim Bundespräsidenten. Er ist direkt
gewählt. Von einer absoluten Mehrheit. Van der Bellen jüngst sogar von 56,7
Prozent bzw. mit 2,9 Millionen Stimmen. Seine Gegner relativieren das gerne und
berichten, dass die Wahlbeteiligung ja nur 65,2 Prozent betragen habe, von
einer so großen Mehrheit also keine Rede sein könne. Insofern hätte
FPÖ-Kandidat Walter Rosenkranz aber nicht einmal 17,7, sondern kaum mehr als
elf Prozent erreicht. Und konsequent weitergedacht müsste Kickl nach einem
Triumpf bei der kommenden Nationalratswahl mit Bedauern feststellen, dass es
unter Berücksichtigung der Wahlbeteiligung keinen Grund gebe, zu feiern. Was er
natürlich nicht tun wird.
Das Spiel ist durchschaubar: Van der Bellen ist allen Regeln
entsprechend von einer deutlichen Mehrheit gewählter Bundespräsident. Man kann
und muss ihn kritisieren, wenn man findet, dass es einen Anlass dafür gibt.
Wenn man ihn aber derartig unflätig angeht wie Kickl und ihn als Demokratie-
und Staatsgefährder bezeichnet sowie seine Ablöse fordert, stellt man sich
gegen den Souverän, der Van der Bellen legitimiert hat. Das kann nur ein Feind
der Demokratie tun.
Johannes Huber betreibt den Blog – Analysen und Hintergründe
zur Politik