Anlässlich des ersten Jahrestags des Ukraine-Krieges plädierten die SPÖ-Klubobfrau Pamela Rendi-Wagner und der ÖVP-Abgeordnete Reinhold Lopatka für "offene Gesprächskanäle".
Gerade jetzt müsse "es mehr denn je Anstrengungen zur Deeskalation geben", forderte Rendi-Wagner bei einer gemeinsamen Pressekonferenz im Parlament und verwies insbesondere auf die OSZE. Beide verteidigten die vielkritisierte russische Teilnahme an der OSZE-Tagung in Wien.
Rendi-Wagner und Lopatka äußerten sich vor einer gemeinsamen Aussprache des außenpolitischen Ausschusses und des EU-Unterausschusses des Nationalrats anlässlich des Jahrestags des Ukraine-Kriegs am Freitag als Vorsitzende der beiden Gremien. Auch der ukrainische Botschafter Wassyl Chymynez und der Russland-Experte Gerhard Mangott nahmen an der gemeinsamen Sitzung am Donnerstagnachmittag teil.
Nur durch offene
Gesprächskanäle könne man "zu einem politisch ernst zu nehmenden
Friedensprozess kommen", sagte die SPÖ-Vorsitzende. Klar sei aber, dass
die Bedingungen für diesen Frieden die Ukraine benennen müsse, betonte
Rendi-Wagner. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (OSZE) sei daher "in Zukunft als Gesprächsplattform ein ganz,
ganz wichtiger Ort". Es sei widersinnig, wenn eine Organisation, die ins
Leben gerufen worden sei, um Frieden zu schaffen und zu erhalten, in
diesem Krieg nicht genützt werde.
Darüber hinaus forderte die
SPÖ-Klubvorsitzende, dass sich Österreich als neutrales Land als
Gesprächsort anbieten solle. Österreich solle "gerade in diesem
europäischen Konflikt eine noch größere Rolle, auch was die aktive
Neutralität und die Vermittlerrolle betrifft, spielen", so Rendi-Wagner.
Auch
Lopatka verteidigte erneut die österreichische Visavergabe an die
russische Delegation für die am Donnerstag begonnene OSZE-Tagung. "Kein
Mensch kritisiert die USA, wenn der russische Außenminister Sergej
Lawrow vor der UNO in New York eine Rede hält", sagte der
OSZE-Sonderbeauftragte für die Ukraine und verwies einmal mehr auf die
Verpflichtungen Österreichs als Amtssitz der OSZE. In Bezug auf die
Terminwahl - die Tagung findet am Jahrestag des russischen Angriffs auf
die Ukraine statt - hätte die OSZE nach Ansicht des ÖVP-Politikers
"sensibler sein können" und die Tagung vorverlegen. Mit Österreich habe
dies absolut nichts zu tun, betonte er.
Rendi-Wagner und Lopatka sagten Kiew weitere Unterstützung für die ukrainische Souveränität und territoriale Integrität zu. Genauso wichtig sei, "die Bevölkerung mit humanitärer Hilfe zu unterstützen und jenen Menschen Schutz zu bieten, die aus der Ukraine nach Österreich geflohen sind", sagte Rendi-Wagner.