Laut Wifo-Chef Gabriel Felbermayr ist die wirtschaftliche Entkoppelung Europas von Russland in vollem Gange.
Doch einzelne Ausreißer zeigen sich doch - etwa beim heimischen Gasimport aus Russland sowie Austro-Exporten ins kriegsführende Land - aber auch beim EU-Außenhandel mit Weißrussland. Von Belarus, das sich in einer Zollunion mit Russland befindet, könnten etwa Fahrzeuge und Fahrzeugteile aus der EU weiter nach Russland gelangen, so Felbermayr.
Wirtschaftliche Entkoppelung von Russland laut Wifo-Chef in Gange
Während die Importe aus Belarus in die EU seit Kriegsbeginn auf etwa ein Drittel des zuvor gegebenen Niveaus eingebrochen sind, liegen die Ausfuhren aus der EU nun höher als vor dem Krieg. Es könnte sich um eine Umgehung der Russlandsanktionen handeln, gab der Wifo-Direktor zu bedenken. Zu Kriegsbeginn waren die Exporte um 40 Prozent eingebrochen, zuletzt lagen sie aber höher als in allen Quartalen seit 2014.
Belarus
befindet sich in einer Zollunion mit Russland. Die Diktatur in Minsk
ist der engste Verbündete des Kreml. "Wir beliefern über Weißrussland
den russischen Markt mit Fahrzeugen und Fahrzeugteilen", sagte
Felbermayr. Die Ausfuhren im dritten Quartal 2022 wuchsen im Vergleich
zum selben Vierteljahr 2021 um 321 Mio. Euro auf mehr als 2 Mrd. Euro,
Fahrzeuge und Zubehör alleine machten 564 Mio. Euro aus. Das ist laut
dem Wifo-Direktor viel, so klein und so arm Weißrussland sei. "Das ist
ein Hinweis, dass das Sanktionsregime Löcher hat."
Importe und Exporte brachen ein
Nachdem der
Außenhandel der EU mit Russland vor dem Einmarschbefehl Wladimir Putins
in die Ukraine hochgekocht war, brachen sowohl Importe als auch Exporte
ein. Das gilt mengen- und wertmäßig. Wertmäßig übersteigen die Importe
nach Europa die Exporte mit etwa 10 Mrd. Euro vs. 4 Mrd. Euro im
Dezember 2022 deutlich. Mengenmäßig sind die EU-Importe im fallen
begriffen, die -Exporte nach dem Einbruch nun in einer
Seitwärtsbewegung.
Felbermayr: "Bei Österreich ist das Bild etwas anders"
"Bei Österreich ist das Bild etwas anders",
sagte Felbermayr. "Österreich ist an der exportseitigen Entkoppelung
kaum beteiligt." Die heimischen Ausfuhren sind kaum rückläufig. Sie
machten je Vierteljahr auch zuletzt weiterhin rund eine halbe Milliarde
Euro aus. Die Einfuhren aus Russland - hauptsächlich Gas, das sich schon
vor dem russischen Überfall auf die Ukraine verteuerte und seither eine
Preis-Achterbahnfahrt verzeichnet -, bewegten sich zuletzt auch wieder
steil bergauf und liegen wertmäßig deutlich höher als vor der
Gaspreissteigerung ab 2021. Sie machten im letzten ausgewerteten Quartal
Ende 2022 laut Felbermayr fast wieder 2 Mrd. Euro aus. In Deutschland
sind hingegen Importe und Exporte nachhaltig gesunken.
Ausfuhren und Einfuhren auf Vorkrisenniveau eingependelt
Im dritten
Quartal des Vorjahres wurden wertmäßig um zwei Drittel (66 Prozent) mehr
Güter aus Russland nach Österreich eingeführt als im selben Quartal
2021. Ausgeführt wurde wertmäßig um 25 Prozent weniger (aus der EU um
etwa 50 Prozent weniger). Die deutschen Ausfuhren hingegen brachen im
selben Zeitraum um gut 50 Prozent ein, die Einfuhren um 26 Prozent.
"Deutschland ist in der Entkoppelung verblieben, das ist deutlich
sichtbar. Österreich ist in einer anderen Situation", sagte Felbermayr
am Donnerstag bei einem digitalen Pressegespräch.
Österreich war
im dritten Quartal 2022 beim Importplus im Vergleich zur
Vorjahresperiode aber auch nicht Spitzenreiter. Noch stärkere Anstiege
verzeichneten Slowenien (plus 232 Prozent), Griechenland (164), Ungarn
(154) und Bulgarien (88 Prozent).
Der Außenhandel der EU und Österreichs mit der Ukraine zeigt sich indes laut Felbermayr überraschend krisenfest. Ausfuhren und Einfuhren haben sich praktisch auf Vorkrisenniveau eingependelt. Die EU ersetzt Russland als Lieferant mineralischer Brennstoffe und Fahrzeugen. Die Importe lagen zuletzt bei knapp 8 Mrd. Euro je Vierteljahr, die Exporte bei fast 9 Mrd. Euro.