Die im Wahlkampf stehende Kärntner Volkspartei lud zum politischen Aschermittwoch nach Klagenfurt. Mit dabei in der Messearena waren Bundeskanzler Nehammer, Spitzenkandidat Martin Gruber und der ehemalige deutsche Bundespräsident Christian Wulff.
Die Kärntner ÖVP hat am Mittwochabend in Klagenfurt ihren politischen Aschermittwoch gefeiert. Spitzenkandidat Martin Gruber erhielt dabei Unterstützung von dem ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff (CDU) sowie Bundeskanzler und Parteichef Karl Nehammer. Mehr als 600 Personen wurden in der Messearena begrüßt
Politischer Aschermittwoch der ÖVP
Kärntner ÖVP vor Landtagswahl: "Stimmung besser als Umfragen"
Umfragen sagen der ÖVP für die Verluste vorher, sehen die Partei sogar auf Platz vier zurückfallen. Nicht zuletzt deswegen war man um gute Stimmung bemüht, die Zeit zwischen den Reden wurde von Moderator Peter L. Eppinger und Landesgeschäftsführerin Julia Löschnig mit Kurzinterviews aufgelockert. "Die Stimmung ist besser als die Umfragen", bekräftigte Klubobmann Markus Malle.
"Die Umfragen - naja, die Stimmung gut, die politische Situation nicht einfach", fasste Nehammer die aktuelle Situation für die Partei in Kärnten zusammen. In seiner Rede schwor er die Parteifunktionäre ein, in den wenigen Tagen vor den Wahlen noch fleißig wahlzukämpfen. Spitzenkandidat Gruber lobte er als "Mann mit einem starken Fundament der christlich-sozialen Werte und einer starken Haltung".
Krisen und Krieg: Nehammer will Menschen Zuversicht geben
Diese Werte seien für ihn auch in der Bundespolitik bedeutend. "Haltung zeigen heißt auch, sich zur Neutralität zu bekennen und zu zeigen, dass sie keine Last oder Bürde ist", brachte er den Konflikt in der Ukraine und die aktuellen Krisen zur Sprache. Es sei zu spüren, dass die Menschen von diesen Themen belastet sind. Die Angst vor Infektionen, Energieengpässen und Arbeitslosigkeit sei Grund für eine betrübte Stimmung im Land. Die ÖVP hätte jedoch Österreich in den letzten Jahren sicher durch die Krisen gebracht und nun wolle man das Land weiter krisenfest machen. In der Energieversorgungsfrage böten sich etwa neue Gelegenheiten, um von fossilen Energieträgern unabhängig zu werden. "Wir müssen den Menschen Zuversicht geben", erklärte Nehammer.
Wulff: "Kärnten ein wach zu küssender Bär"
Wulff
zog in seiner Rede immer wieder Parallelen zwischen Deutschland und
Österreich: "Für mich ist Kärnten ein wach zu küssender Bär", sagte er,
er fühle sich an Bayern erinnert: "Da hat die CSU Neues durchgesetzt und
das hat Bayern an die Spitze der Bundesländer gebracht. Mehr
Volkspartei täte auch Kärnten gut."
Überall höre man momentan: "Es
muss besser werden", dazu müsse man allerdings selber anpacken und mehr
dafür tun. Bereits vor Coronapandemie und Ukraine-Krieg hätte man ahnen
können, "dass da einiges komplizierter, schwieriger wird" - das sei
dann der Nährboden für Furcht und Hass geworden.
In seiner Rede verwies er auch auf die vergangenen 100 Jahre der Geschichte Europas und warnte: "Der Zusammenhalt Europas ist in hohem Maße gefährdet." Er erinnerte an das Jahr 2019, als der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko Gastredner am politischen Aschermittwoch in Klagenfurt war: "Er hat den Satz gesagt: Für seine Werte muss man kämpfen. Niemand hätte im Traum gedacht, wie real dieser Kampf werden könnte." Es gelte, wachsam zu sein gegenüber einem wieder aufkommenden Nationalismus. Und Wulf warnte: "Demokratien sterben leise." Es gelte also, sich besonders für die Demokratie zu engagieren.
ÖVP-Spitzenkandidat Gruber mit emotionaler Rede
Gruber positionierte seine
Partei - wie schon im gesamten Verlauf des Wahlkampfes - als "einzige
bürgerliche Kraft in diesem Land". Nach der Wahl würden zwei Blöcke
drohen: "Einer, der darauf wartet, dass Kärnten nach links abdriftet,
der nur schaut, was man verteilen kann. Und der andere, der Kärnten nach
rechts ziehen will, in eine Randposition, in der die Wutmacher unsere
Gesellschaft spalten."
In seiner durchwegs emotionalen Rede warnte
Gruber immer wieder vor "linkslinken" Umtrieben in der Bildung und vor
Umverteilungsvorhaben. Leistung müsse sich lohnen, so Gruber, der auch
betonte, in Sachen Migration ein eigene Linie fahren zu wollen: "Wer zu
uns kommt, hat etwas zu leisten, sich zu integrieren, hat Respekt vor
den Leuten zu haben. Zuwanderung für Leistungsträger und Arbeitspflicht
für Asylwerber, dafür steht die ÖVP."
Wenn die FPÖ nun fortführen
wolle, was sie in Kärnten angefangen habe, könne man es nur mit der
Angst zu tun bekommen, leitete Gruber zur nächsten Zielscheibe seiner
Aschermittwochsrede über: "Kärnten wurde auf Ramschniveau
herabgewirtschaftet, das wurde schon einmal abgewählt." Das Team Kärnten
hingegen sei das "Gut Aiderbichl der Politik", deren Chef Gerhard Köfer
betreibe Nilpferdpolitik: "Große Klappe, aber wenn es ums Arbeiten
geht, abtauchen." Und den Grünen gab Gruber mit: "Anpacken statt
anpicken."