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Radio-Symphonieorchester kämpft gegen drohendes Aus

20-02-2023, 16:22

Das Radio-Symphonieorchester befindet sich auf der Liste mit Einsparungen, die ORF-Generaldirektor Roland Weißmann auf Wunsch der Bundesregierung für sein Haus erstellt hat.

"Es geht hier wirklich um eine Einstellung", bestätigte Angelika Möser, künstlerische Leiterin des RSO der APA und stellte zugleich klar: "Es ist noch keine Entscheidung gefallen." Bis zum 23. März, der Zusammenkunft des ORF-Stiftungsrates, wolle sie nun um den Fortbestand kämpfen.

Radio-Symphonieorchester kämpft gegen sein drohendes Aus

"Ich fände es grundfalsch, wenn das Orchester eingestellt würde", unterstrich Möser im APA-Gespräch. In Europa habe praktisch jedes Land zumindest ein Radio-Symphonieorchester. "Wenn man im Musikland Österreich meint, auf das ORF Radio-Symphonieorchester verzichten zu können, dann wäre das ein fatales Signal für die gesamte europäische Musiklandschaft."

Kulturministerin bekennt sich für Fortbestand des RSO

Sie sehe nun vor allem das Kunst- und Kulturministerium gefordert, sich klar zu einem Fortbestand des RSO zu bekennen. "Die Regierung hat das Heft des Handelns hier in der Hand", machte die RSO-Leiterin deutlich. Schließlich sei das RSO ein wesentlicher Baustein, der helfe, den Kulturauftrag des ORF zu erfüllen. Das kulturelle Erbe des Landes allgemein und zahllose zeitgenössische Musikschaffende im Speziellen würden ohne das ORF Radio-Symphonieorchester Wien ihre künstlerische Plattform verlieren.

RSO sei wesentlicher Lieferant von Content für den ORF

Nicht zuletzt sei man ein wesentlicher Lieferant von Content für den ORF. "Diese Leistungen werden aber oftmals nicht betrachtet, sondern lediglich auf die Kosten geschaut." Dabei habe man eine Strahlkraft als Musikbotschafter des Landes weit über die Grenzen Österreichs hinaus. Ihre Konsequenz bis zum 23. März ist deshalb für Angelika Möser klar: "Wir werden kämpfen!"

Wiener Philharmoniker zeigten sich bestürzt über die Nachricht

In einem der APA vorliegenden Statement zeigten sich Wiener Philharmoniker bestürzt über die Nachricht: "Das RSO stellt für Österreich und auch weit über die Grenzen des Landes hinaus ein unersetzbares und wichtiges Kulturgut dar, das das Musikleben weltweit seit seinen Anfängen maßgeblich geprägt hat. Ein einzigartiger Schwerpunkt unserer Musikerkolleg*innen vom RSO ist vor allem auch die Hinwendung zu Neuer Musik, wie kaum ein anderes österreichisches Orchester hat es soviel zeitgenössische Musik aufgeführt. Das Fehlen des RSO in der vielfältigen Musiklandschaft Österreichs würde eine große Lücke aufreißen. Wir appellieren daher an die Kulturpolitik unseres Landes, alles daran zu setzen, die kulturelle Vielfalt zu fördern und all jene Institutionen zu erhalten, die zur Identität unseres Kulturlandes maßgeblich beitragen. Ein Orchester wie das RSO muss weiterbestehen!"

Aus des RSO ein Schlag für die zeitgenössische Musik

Vor einem Schlag für die zeitgenössische Musik bei einem Aus des RSO warnte gegenüber der APA auch Jan Nast, Intendant der Wiener Symphoniker: "Das RSO ist mit der Pflege der zeitgenössischen Musik in der Programmatik der Stadt fest verankert." Das RSO könne sich in dieser Position ungeschützter auf dem Markt bewegen als die Philharmoniker oder Symphoniker, die stärker darauf achten müssten für ihre eigene Institution oder die Konzerthäuser Einnahmen zu generieren. "Wir könnten diese Funktion nicht 1:1 übernehmen", macht Nast deutlich: "Ein Aus für das RSO wäre ein Bruch in der Welthauptstadt der Musik." Die Rolle des RSO als Opernorchester bei Produktionen im Theater an der Wien lasse sich ebenfalls zumindest nicht mittelfristig von den Symphonikern substituieren. Man komme jetzt bereits auf drei Inszenierungen, die man musikalisch mitgestalte, eine vierte sei organisatorisch für die Wiener Symphoniker nicht machbar.

Intendant des Theaters an der Wien sprang RSO zur Seite

Auch Stefan Herheim, Intendant des Theaters an der Wien, sprang dem RSO gegenüber der APA zur Seite: "Seit 2007 gehört das ORF Radio-Symphonieorchester Wien durch seine kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem Theater an der Wien auch zu den weltweit anerkannten Opernorchestern. Es genießt im Inland und Ausland höchste Reputation und sein Bestehen ist maßgebend für den Erfolg des Opernhauses der Stadt Wien. Ein Ende des Orchesters würde das MusikTheater an der Wien künstlerisch und finanziell in ernsthafte Schwierigkeiten bringen und wäre ein kulturpolitisch fatales Signal in einem Land, dessen weltweit anerkanntes, kulturelles Erbe von Institutionen wie der unseren getragen und erhalten wird."

"Der ORF sollte stolz sein auf sein Radio-Symphonieorchester"

Ins selbe Horn stieß Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) in einer Stellungnahme: "Der ORF sollte stolz sein auf sein Radio-Symphonieorchester: Es ist eine tragende Säule des österreichischen und Wiener Musiklebens und muss als solche weiter bestehen. Das RSO ist aus der Musikstadt Wien nicht wegzudenken." Nicht zuletzt sei das Orchester ein Botschafter der Wiener Klangkultur in der Welt. "Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat einen Kulturauftrag, und ich appelliere an die Verantwortlichen, diesen nicht mit Füßen zu treten, in dem sie das Fortbestehen des RSO in Frage stellen. Hier ein rein wirtschaftliches Denken als Maßstab für Entscheidungen anzulegen, deren Auswirkungen weit über den ORF hinausreichen, halte ich für die falsche Herangehensweise."

(APA/Red)

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