Russlands diktierte Kreditstundungen für im Ukraine-Krieg kämpfende Soldaten sorgen für zunehmenden Druck auf europäische Banken, ihr Geschäft in Russland zu beenden.
Neben der Ukraine, die in den vergangenen Wochen immer wieder an die Institute - unter anderem an die in Russland tätige Raiffeisen Bank International (RBI) - appelliert hat, aus Russland auszusteigen, mehren sich nun auch Zurufe von Investoren, die sich Sorgen um ihre Reputation machen.
Kredite an Soldaten: Rufe nach Russland-Ausstieg von Banken
Besonders beäugt werden dabei die RBI und die italienische Bank-Austria-Mutter UniCredit, die beide nach wie vor Geld in Russland verdienen. Die beiden Institute sind außerdem die einzigen ausländischen Banken auf der Liste der 13 "systemrelevanten Kreditinstitute" der russischen Zentralbank. Das unterstreicht ihre Bedeutung für die russische Wirtschaft.
"Unternehmen sollten sehr vorsichtig sein"
"Unternehmen sollten sehr vorsichtig sein", sagte beispielsweise Kiran Aziz vom norwegischen Pensionsfonds KLP und warnte vor dem großen Risiko, dass die Banken dazu benutzt werden könnten, "den Krieg auf andere Weise zu finanzieren". Die KLP-Fonds halten sowohl Anteile an Raiffeisen als auch an UniCredit.
Sorgen über russische Präsenz von Raiffeisen und UniCredit
Auch
Eric Christian Pederson von Nordea Asset Management sagte, er sei
besorgt über die russische Präsenz von Raiffeisen und UniCredit. Die
Anforderung, dass die Banken den Soldaten Zahlungserleichterungen
gewähren müssen, "zeigt die Gefahren, wenn man in Ländern tätig ist, in
denen Unternehmen zu Handlungen gezwungen werden können, die direkt
gegen ihre Unternehmenswerte verstoßen", so Pederson. "Wir halten es für
richtig, dass sich Unternehmen angesichts des unprovozierten Angriffs
auf die Ukraine aus Russland zurückziehen." Refinitiv-Daten zeigen, dass
Nordea Anteile an UniCredit besitzt.
"Jede Art von Profitmacherei aus dem Krieg ist nicht akzeptabel"
"Jede Art von Profitmacherei
aus dem laufenden Krieg ist nicht akzeptabel und steht nicht im
Einklang mit unserer Auffassung von verantwortungsvollen Investitionen",
sagte auch ein Sprecher der Swedbank Robur, einem der größten
Investoren in Skandinavien mit Beteiligungen an beiden Banken.
Einige
größere institutionelle Anleger, darunter die französische Amundi und
der norwegische Staatsfonds, der sich für verantwortungsbewusstes
Investieren einsetzt, lehnten eine Stellungnahme zu dem Thema ab.
Banken haben 167.600 Kredite für Militärangehörige umgeschuldet
Laut
Daten der russischen Zentralbank haben die Banken zwischen dem 21.
September und dem Ende des letzten Jahres insgesamt 167.600 Kredite für
Militärangehörige oder deren Familienangehörige im Wert von mehr als 800
Mio. Euro umgeschuldet.
Raiffeisen Bank vervierfachte ihren Gewinn in Russland
Nach Angaben der Raiffeisen seien nur 0,2
Prozent ihrer russischen Kredite von dem "staatlich verordneten
Kreditmoratorium" betroffen, die Summe sei "vernachlässigbar". Im
abgelaufenen Geschäftsjahr hat die Bank dennoch ihren Gewinn in Russland
mehr als vervierfacht, von 474 Mio. Euro im Jahr 2021 auf 2,058 Mrd.
Euro. Grund waren vor allem Währungseffekte und das Geschäft mit dem
Devisentausch.
Die Bank lässt sich nach wie vor alle Optionen
offen. CEO Johann Strobl betonte Anfang Februar bei der
Bilanzpressekonferenz erneut, dass man alle Möglichkeiten inklusive
eines völligen Ausstiegs untersuche. Ein solcher Prozess sei aber sehr
komplex.
UniCredit machte zu Krediten in Russland keine Angaben
Die UniCredit machte keine Angaben dazu, wie viele ihrer Kredite von dem Moratorium betroffen waren. Die italienische Bank sagte aber, dass sich ihr Geschäft in Russland auf Unternehmen und nicht auf Privatpersonen konzentriere. Von den Gesamteinnahmen der UniCredit in Höhe von mehr als 20 Milliarden Euro im vergangenen Jahr entfielen mehr als 1 Milliarde Euro auf Russland. Beide Banken wiesen darauf hin, dass man zu den Moratorien gesetzlich verpflichtet sei.
Auch wenn eine Bank den Ausstieg aus Russland plant, kommt erschwerend ein Dekret des russischen Präsidenten Wladimir Putin hinzu. Dieses verbietet Investoren aus sogenannten unfreundlichen Ländern den Verkauf von Bankanteilen, es sei denn, der russische Präsident selbst erteilt eine Ausnahmegenehmigung.