FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker fordert einen Untersuchungsausschuss zur Coronapandemie.
"Der ganze Themenkomplex wäre aus unserer Sicht sehr wichtig", sagt er im APA-Interview. Generell wünscht sich der Fraktionsführer im ÖVP-Ausschuss künftig die Liveübertragung von Befragungen, zumindest bei Personen öffentlichen Interesses. Auch höhere, vermögensorientierte Beugestrafen sind für den Fraktionsführer im ÖVP-Untersuchungsausschuss vorstellbar.
Hafenecker: Viele Grundlagen für Corona-Untersuchungsausschuss
Grundlagen für einen parlamentarischen -Untersuchungsausschuss gibt es für Hafenecker viele. Da wäre zum einen der Rechnungshofbericht zur COFAG, in dem von einem "beträchtlichem Überförderungspotenzial" die Rede ist. Aber auch die "Beschaffungskriminalität" bei Schutzmasken, Impfungen und Tests gehöre beleuchtet - und nicht zuletzt ortet der FPÖ-Generalsekretär eine Art Zensur von sozialen Medien vonseiten der Regierung.
Mit der SPÖ-Fraktion habe man bereits unverbindlich
über einen möglichen Corona-U-Ausschuss gesprochen, berichtet
Hafenecker. Diese habe signalisiert, dass natürlich alles, was mögliche
Korruption betrifft, für sie interessant sei. Man habe sich aber erst
einmal darauf verständigt, dass man zunächst die Berichte zum de facto
beendeten ÖVP-Untersuchungsausschuss schreibt. Erst dann werde man
darüber nachdenken, womit man sich in Zukunft beschäftigen wird.
Corona-U-Ausschuss: Umgang mit der Geschäftsordnung
Beschäftigen
will sich Hafenecker vor einem neuen U-Ausschuss auch mit dem Umgang
mit der Geschäftsordnung. Dass eine Handhabe zur Ablehnung eines
Vorsitzenden wichtig wäre, habe die Debatte rund um
Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) gezeigt. "Ich hätte
grundsätzlich kein Problem damit, wenn sich - so wie es früher üblich
war - die Abgeordneten auf einen Vorsitzenden aus ihrer Mitte einigen
müssten."
Die wichtigste Geschäftsordnungsänderung wäre für den
Freiheitlichen aber die Ermöglichung von Live-Übertragungen von
Befragungen etwa hoher Politiker oder bekannter Großunternehmer. "Wenn
man sich anschaut, wie Politiker teilweise vor dem
Untersuchungsausschuss agiert haben, dann wäre es wichtig, dass man auch
zeigt, wie die dort agieren und was sie machen, was sie alles nicht
wissen", findet Hafenecker. Das würde die Befragungen ergiebiger machen.
Hafenecker sieht elektronische Abstimmung kritisch
Auch
"Störaktionen" wie jene der ÖVP wären bei Live-Übertragungen von
Ausschusssitzungen nicht mehr möglich, glaubt Hafenecker. Beugestrafen
im U-Ausschuss, etwa gegen Auskunftspersonen, die unentschuldigt ihrer
Befragung fernbleiben, könnte man künftig am Gehalt orientieren, schlägt
Hafenecker außerdem vor. Auch dazu brauche es aber eine
parlamentarische Debatte.
Eher skeptisch ist Hafencker, was die
Einführung der elektronischen Abstimmung bei Nationalratssitzungen
betrifft. "Ich sehe jetzt einmal die Notwendigkeit dafür nicht", meint
er. "Wir haben uns jetzt einmal dagegen ausgesprochen, weil die
elektronische Abstimmung nicht davor bewahrt, dass dann andere Leute für
die Abgeordneten abstimmen. Wir glauben, dass ein Abstimmungsprozess
schon wichtig genug ist, dass man das persönlich durchführen sollte."
Hafenecker sieht Verbesserungsbedarf im Parlamentsgebäude in Wien
"Verbesserungsbedarf"
sieht Hafenecker aber an anderen Ecken im neu gestalteten und wieder
eröffneten Parlamentsgebäude. "Ich glaube, dass die Sicherheitsmaßnahmen
überdurchschnittlich hoch ausgefallen sind", kritisiert er die vielen
erst freischaltbaren Türen im Haus, die einen flüssigen Verlauf von
Sitzungsabläufen störten.
Besonders im Finale des Parlamentsumbau
habe sich Sobotka "bei sehr vielen Dingen im Alleingang verewigt",
kritisiert Hafenecker. So habe man im Empfangssalon des Präsidenten alle
Präsidentengemälde abgenommen und "durch irgendwelche Farbkleckse"
ersetzt. Eine "furchtbare Provokation" sei eine Marmortafel, wo Sobotkas
Name und seiner SPÖ-Vorgängerinnen Barbara Prammer und Doris Bures bzw.
Kurzzeitvorsitzende Elisabeth Köstinger verewigt worden sei.
Kritik an der Gastronomie im Parlament in Wien
Kritik
gibt es von blauer Seite auch an der Gastronomie im neu eröffneten
Hohen Haus. So kosten kleine Snacks etwa durchgehend 5,30 Euro. "Man
brüstet sich zwar damit, das offenste Haus überhaupt zu haben, aber es
nutzt nichts, wenn man sich einen Kredit aufnehmen muss, wenn man einmal
essen gehen möchte. Schülergruppen werden wohl nicht geneigt sein, sich
dort eine Wurtsemmel zu kaufen."
Seit Mitte Jänner ist Hafenecker
nicht nur mehr Abgeordneter, sondern auch wieder Generalsekretär seiner
Partei neben Michael Schnedlitz. "Wir haben festgestellt, dass uns
jederzeit Neuwahlen treffen können und dass wir unsere Kommunikation
weiter ausbauen wollen", begründet er den Schritt. Schnedlitz habe
jedenfalls "ausgezeichnete Arbeit geleistet", die er auch fortsetzen
werde.
Hafenecker sieht Partei im Süden gut aufgestellt
Auch in den Bundesländern und stehen Wahlen an, wobei Hafenecker im Süden seine Partei gut aufgestellt sieht. In Kärnten würde er nicht ausschließen, die SPÖ zumindest mittelfristig zu überholen und dabei die stärkste Kraft zu werden. "Das kann durchaus passieren. Wenn nicht jetzt, dann zumindest beim nächsten Mal."
"Keine
Freude" hat der FPÖ-Generalsekretär mit dem "Slowenisierung"-Posting
der Freiheitlichen Jugend im Kärntner Landtags-Wahlkampf. Er spricht von
einer ungeschickten Formulierung vor dem Hintergrund, dass weitere
Bezirksgerichte zweisprachig werden sollen. "Ich glaube, das sind
berechtigte Ängste, die es dort gibt", meint der FPÖ-Generalsekretär.
"Nichtsdestotrotz ist dieses Posting aber nicht unbedingt eine
Visitenkarte."
Vor allem aber gebe es in Kärnten einen fairen Umgang zwischen den Volksgruppen, den man nicht durch "permanente Nachforderungen" hintertreiben sollte. Hier wäre auch einmal eine klare Positionierung von Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) nötig, der dazu bisher geschwiegen habe.