die Digitalisierung der Gesundheitsdaten hätte einiges erleichtert. Das hat die Corona-Pandemie noch einmal gezeigt.
Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) berichtete etwa von telefonischen Abfragen der tagesaktuellen Bettenbelegung in Österreichs Spitälern bis Mai 2022. Das soll sich ändern: Bis Ende 2023 soll für die Digitalisierung im Gesundheitswesen ein Fahrplan stehen. Im Mittelpunkt steht der Patient, betonten Rauch sowie Staatssekretär Florian Tursky (ÖVP).
Digitalisierung der Patientendaten: Das soll sich 2023 ändern
Die beiden Politiker waren am Dienstag nach Helsinki gereist, um sich den digitalen Umgang im finnischen Gesundheitswesen anzusehen. "Wir haben die Reise angetreten, um ein Best-Practice-Beispiel zum Thema E-Health anzusehen", sagte der Staatssekretär für Digitalisierung am Ende des Besuches im APA-Gespräch. Und da haben sich schon einige Unterschiede zwischen Finnland und Österreich gezeigt. "Es gibt ein unheimliches Vertrauen in Staat und Institutionen. Und damit ein unglaubliches Vertrauen, was den Umgang mit Daten betrifft", sagte Tursky. Das beweisen auch Zahlen im Rahmen eines Besuches von FinData, die die Gesundheitsdaten zusammenträgt. Nur 211 Menschen der 5,5 Millionen starken Bevölkerung hatten sich laut Zahlen aus 2020 von dem System abgemeldet. In Österreich lehnten drei Prozent die Elektronische Gesundheitsakte ELGA ab, was rund 270.000 Personen sind.
ELGA wurde vor zehn Jahren in Österreich eingeführt
Die ELGA,
die vor zehn Jahren eingeführt wurde und als Schnittstelle zwischen
Ärztinnen und Ärzten sowie Patientinnen und Patienten dienen sollte, sei
lediglich eine Anordnung von PDF-Dateien, sagte Rauch. Die Datensuche
wird zu einem Spießrutenlauf und zur Ernüchterung für jeden Anwender.
Von einer Interaktion ist die ELGA weit entfernt. In Finnland ist die
Situation eine völlig andere. Das nordeuropäische Land ist dünn
besiedelt, da nutzen die Menschen gerne den digitalen Fortschritt. Wenn
Arzt und Patient in die Gesundheitsakten einsehen können, ist es auch
leichter, für eine Erstdiagnose mit dem Mediziner zu chatten, ohne dass
kilometerweit in eine Gesundheitseinrichtung gefahren werden muss.
Terminvereinbarungen und Einholungen für Rezepte werden ebenfalls online
gemacht.
Finnische Sozialversicherung Kela verzeichnete 76,4 Mio. Online-Einstiege
Die finnische Sozialversicherung Kela verzeichnete im
Jahr 2022 76,4 Millionen Online-Einstiege für ihr Service, während es
nur noch 2,2 Millionen Telefongespräche und 600.000 persönliche Termine
gab. Die Daten von 6,5 Millionen Finnen - wobei u.a. auch jene im
Ausland lebenden Finnen hinzugerechnet werden - sind bei Kanta (ein
ähnliches System wie ELGA, Anm.) registriert. Das bedeutet eine
Abdeckung der Gesundheitsdaten von 100 Prozent.
"Das Sammeln der Daten ist wichtig"
"Das Sammeln der
Daten ist wichtig, damit die Dinge von verschiedenen Seiten betrachtet
werden können", sagte etwa Markku Tervahauta, Direktor von THL, dem
finnischen Institut für Gesundheit und Wohlfahrt, vergleichbar mit der
Gesundheit Österreich GmbH (GÖG). "Es ist alles eine Frage des
Vertrauens", fügte Johanna Seppänen, Direktorin von FinData, hinzu. "Und
darauf müssen wir acht geben." Denn der Gesundheitssektor ist der von
Cybercrime meist attackierte Sektor, betonte Nina Nissilä, Direktor für
den Datenschutz bei Kela. Bei der Sozialversicherung arbeiten hunderte
Menschen für die IT-Sicherheit.
Verordnugnsvorschlag für Gesundheitsdaten von EU-Kommission
Im vergangenen Mai hat die
Europäische Kommission einen Verordnungsvorschlag für Gesundheitsdaten
vorgelegt, der darauf abzielt, das Potenzial dieser Daten umfassend zu
erschließen. Dort soll laut Rauch auch der grenzüberschreitende
Austausch dieser Daten sichergestellt werden. "Früher bin ich mit dem
Auslandskrankenschein auf Reisen gegangen", sagte der österreichische
Gesundheitsminister im APA-Gespräch. In Zukunft soll dann über die
Digitalisierung auf diese Daten auch im Ausland zugegriffen werden
könne. Eine eventuelle Behandlung in einem anderen Land soll dann auch
die persönliche Akte eingespeist werden. Ob es sich dann um eine zu
umzusetzende Verordnung handeln werde, wisse man noch nicht. "Aber die
Europäische Kommission tendiert schon dazu, das in einen Rechtsakt zu
gießen", meinte Rauch.
Rauch und Tursky streben Fahrplan für Digitalisierung an
Bis Ende des Jahres streben Rauch und Tursky einen ersten Fahrplan für die zukünftige Umsetzung der Digitalisierung an, um ein solches Problem, wie mit der Abfrage der Bettenbelegung in Österreichs Spitäler in der , nicht mehr zu haben. Der Grund war "die Zersplitterung der Zuständigkeiten", sagte Rauch. "Die Spitäler sind Landesangelegenheit und damit ist es deren Kompetenz. Und ich bin Bittsteller bei den Landesspitälern", erklärte der Gesundheitsminister. "Steuerung in einem Gesundheitssystem geht ja nur dann, wenn ich weiß, was passiert. Also wenn ich eine Transparenz habe. Wenn ich nicht weiß, was die Datengrundlage ist, kann ich nicht steuern." In Finnland wurde die Digitalisierung innerhalb von fünf Jahren umgesetzt. "Das ist ambitioniert", sagte Rauch auf die Frage, ob diese Zeitvorgabe auch in Österreich möglich wäre. "Aber wir sollten das Zeitfenster nützen, weil wir schon in einer Situation sind, jetzt auch ein paar Dinge beschleunigen zu können." Bis zum Ende der Legislaturperiode (Herbst 2024, Anm.) möchte man so viel wie möglich umsetzen, sagte Tursky.
Resümee Rauchs und Turskys nach Finnland-Reise
Als Resümee für die Reise nach Finnland
sehen sich Rauch und Tursky weiterhin in ihrem Plan bestätigt, "den
Patientennutzen in den Mittelpunkt" zu stellen. Geringere Wartezeiten,
bessere Behandlungsmöglichkeiten, die Verwendung von Apps,
Chatmöglichkeiten mit medizinischem Personal, Rezeptabrufbarkeit oder
die Verfügbarkeit der persönlichen Gesundheitsakte sollen damit möglich
gemacht werden, sagte Rauch und fügte hinzu: "Patientennutzen first.
Weil mein Credo ist, Digitalisierung ist kein Selbstzweck und
Datensammeln ist auch kein Selbstzweck." Laut dem Gesundheitsminister
ist es der Plan, die E-Card und die ELGA auch aufs Handy zu bekommen.
"Wir müssen uns die Frage stellen, was wollen die Bürgerinnen und
Bürger, wenn sie es auch verwenden", sagte Tursky. Weil dann würden die
Menschen dem System auch vertrauen und es auch nützen. Potenzial sieht
Rauch auch in der Effizienz der Systeme. Durch das Zusammenführen der
Daten, könne man etwa viel stärker auf regionale Unterschiede reagieren.
In Finnland werden die Daten auch für wissenschaftliche Auswertungen
genutzt.
Vertrauen der Menschen in das Gesundheitssystem
Ein großer Brocken wird allerdings, Vertrauen der
Menschen in das System zu schaffen. In Finnland sei das Vertrauen
"verblüffend und eine kulturelle Frage", sagte Rauch. Dass mit den Daten
sorgsam umgegangen wird und der Datenschutz hergestellt ist, sei
Grundvoraussetzung. Auch die Möglichkeit eines sogenannten Opt-Out -
dass man das Verwenden der persönlichen Daten ablehnt - müsse garantiert
sein, sagte Rauch. "Die Finnen sind ja in einer unglaublichen Weise
transparent", befand der Gesundheitsminister. Man könne in viele Akten -
etwa die Einkommensdaten - Einsicht nehmen. "Diese Kultur der
Transparenz hat unmittelbar damit was zu tun, meine ich, dass es diesen
Vertrauensvorschuss gibt." Diese Transparenz in Verwaltung, Regierung
und staatlichen Organisationen, "das sollten wir uns auch überlegen", so
Rauch. "Ich glaube schon, dass je transparenter und nachvollziehbarer
Prozesse sind - kontrollierbarer auch -, desto höher das Vertrauen.
Insofern würde uns ein Informationsfreiheitsgesetz wahrscheinlich auch
nützen, um das Vertrauen in die Regierung zu stärken."
COMPLIANCE-HINWEIS: Diese Berichterstattung erfolgt im Rahmen einer Pressereise auf Einladung des Gesundheitsministeriums. Die Reisekosten werden vom Veranstalter getragen, die Berichterstattung erfolgt unter unabhängiger redaktioneller Verantwortung der APA-Redaktion