Die EU-Kommission lehnte einen Einspruch von Nichtregierungsorganisationen gegen die EU-Taxonomie ab. Greenpeace will nun klagen.
Das teilten die Umweltschutzgruppen Greenpeace und WWF am Donnerstag mit. Sie kritisierten die Entscheidung. Greenpeace kündigte an, dass im April vor dem Gerichtshof der Europäischen Union eine Klage eingebracht werde. Mehrere NGOs hatten im Vorjahr das vermeintliche Nachhaltigkeitslabel bei der EU-Kommission beeinsprucht.
Lisa Panhuber, Sprecherin von
Greenpeace Österreich, kritisierte am Donnerstag: "Seit Anfang des
Jahres werden Investitionen in Atom und Gas als grün gelabelt." Das sei
ein "Skandal". Weiters wurde in der Mitteilung betont: "Die
EU-Kommission will Atom und Gas weiter ein grünes Mascherl verleihen.
Das ist ein fatales Signal für den europäischen Finanzsektor und wird
die Klimaziele massiv untergraben."
Juristisch vertreten werde die
Umweltschutzorganisation von Roda Verheyen, die bereits 2021 eine von
Greenpeace mitinitiierte Klimaklage vor dem Bundesverfassungsgericht in
Deutschland gewonnen hat, hieß es. Die renommierte Klima-Anwältin sieht
zahlreiche Mängel bei der Einschätzung zu Atomkraft und fossilem Gas.
Zudem
könne sie der EU-Kommission eine Reihe von Verfahrensfehlern und
-mängeln nachweisen, wurde seitens Greenpeace betont. "Der delegierte
Rechtsakt zu Gas und Atom verstößt nicht nur gegen die
Taxonomie-Verordnung selbst, sondern auch gegen das europäische
Klimagesetz und die Verpflichtungen der EU aus dem Pariser
Klimaabkommen", wurde Verheyen zitiert.
Der WWF (World Wild Fund
for Nature) bemängelte das "Erdgas-Greenwashing" durch die EU-Kommission
als "völlig falsches Signal". Die Kennzeichnung von Strom und Wärme aus
fossilem Gas als "nachhaltig" müsse beendet werden. "Fossiles Gas ist
weder nachhaltig noch zukunftsfähig und daher die völlig falsche Antwort
auf die Klima- und Biodiversitätskrise. Europa muss vor allem in
Energiesparprogramme und naturverträgliche erneuerbare Energieträger
investieren, anstatt neue fossile Abhängigkeiten zu schaffen", betonte
Jakob Mayr vom WWF Österreich. Gemeinsam mit Erdöl und Kohle gehöre
fossiles Gas weltweit zu den größten Klimakillern und sei allein in
Österreich für 20 Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich.
Österreich hat bereits im Herbst beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) eine Klage gegen die sogenannte Taxonomie-Verordnung eingereicht. Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) räumt der Klage Österreichs wegen der umstrittenen EU-Einstufung von Gas und Atomkraft als klimafreundliche Investitionen gute Chancen ein. "Wir werden nicht zusehen, dass sich die Union und die Kommission vor den Karren der fossilen und nuklearen Lobby spannen lassen und damit auch unser aller Zukunft gefährden", sagte sie im vergangenen Oktober bei einer Pressekonferenz in Wien.