Laut einem Reuters-Bericht plant die Europäische Kommission, aus dem umstrittenen Energiecharta-Vertrag, der Investitionen in Kraftwerke schützt, auszutreten. Österreich prüft derzeit weiter.
Demnach sei ein Austritt der Europäischen Union für die Erreichung der Klimaziele "unausweichlich". In Österreich laufen seit November Prüfungen über einen möglichen Rückzug, spruchreif ist dazu aber weiter nichts, wie aus Stellungnahmen des Umweltministeriums und des Wirtschaftsministeriums hervorgeht.
"Wir
sind mit dem Wirtschaftsministerium in engem Austausch und prüfen den
Ausstieg aus dem Vertrag. Aufgrund seiner Komplexität soll und muss
diese Prüfung sehr genau erfolgen, weshalb ein Vertragsausstieg
naturgemäß nicht einfach von heute auf morgen erfolgen kann. Auch
Deutschland und andere EU-Länder haben bis jetzt nur angekündigt,
auszutreten, sind aber formal noch Vertragsparteien", hieß es am
Donnerstag aus dem Büro von Klimaschutzministerin Leonore Gewessler
(Grüne) gegenüber der APA. Die Prüfung laufe unter Einbeziehung der
Entwicklungen auf europäischer Ebene, verlautete indes aus dem
Wirtschaftsministerium.
Zuletzt kündigten mehrere EU-Staaten,
darunter Frankreich, die Niederlande, Polen und Spanien an, sich aus der
Charta zu verabschieden. Ein von Österreich befürworteter Anlauf zur
Modernisierung des Vertrags, der wegen Bedenken im Hinblick auf die
Energiewende immer wieder in der Kritik stand, scheiterte im Dezember.
Der Energiecharta-Vertrag ist ein multilateraler Vertrag, der 1994 durch die SPÖ/ÖVP-Regierung unter Bundeskanzler Franz Vranitzky (SPÖ) unterzeichnet wurde. Mit der Ratifizierung ist Österreich seit 1998 Mitglied des Energiecharta-Vertrags. Dabei handelt es sich um einen völkerrechtlichen Vertrag mit über 50 Mitgliedsstaaten.