In knapp einem Monat wält Kärnten einen neuen Landtag. Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ), der seit zehn Jahren im Amt ist, tritt erneut an, um seinen Platz zu verteidigen.
FPÖ-Kandidat Erwin Angerer möchte ihm diesen gern streitig machen. Die ÖVP mit Martin Gruber startet als Koalitions-Juniorpartner und von Platz drei ins Rennen. Die kleinste Fraktion im derzeitigen Landtag ist das Team Kärnten von Gerhard Köfer. Grüne und NEOS kämpfen um den (Wieder-)Einzug.
In vier Wochen wählt Kärnten einen neuen Landtag
Die ablaufende Legislaturperiode war die erste nach Abschaffung des Proporzes, bei dem die Sitze in der Landesregierung auf alle Parteien ab einer gewissen Stärke aufgeteilt wurden. Die SPÖ, die 2018 beinahe eine Absolute erreichte (47,9 Prozent) und die Hälfte der 36 Sitze im Landesparlament besetzte, konnte sich den Partner aussuchen. Die zweitstärkste Partei FPÖ (23 Prozent) bot sich deutlich an, die Wahl fiel aber auf die ÖVP, die mit ihren sechs Mandataren (Wahlergebnis 2018: 15,5 Prozent) die Zweidrittelmehrheit brachte. FPÖ und Team Kärnten (5,7 Prozent) bildeten die Opposition und waren anders als zuvor nicht in der Landesregierung sondern nur im Landtag vertreten. Umfragen zur aktuellen Stimmungslage im Land wurden bisher keine veröffentlicht.
SPÖ erstarkte mit Kaiser nach Jahren von FPÖ-Prägung
Mit Kaiser erstarkte die SPÖ nach
Jahren freiheitlicher Prägung des Bundeslandes unter Jörg Haider und
seinen Getreuen wieder zu alter Größe. Bei der Landtagswahl 2013
verloren die Orangen bzw. Blauen nach zahlreichen Skandalen zwei Drittel
ihrer Wähler, die SPÖ profitierte davon, es reichte jedenfalls aus, um
mit 37 Prozent der Stimmen wieder stärkste Kraft im Land zu werden. 2018
gelang den Roten dann der zweite starke Wählerzuwachs, man gewann unter
anderem Stimmen vom kleinen Koalitionspartner, den Grünen, die nach
internen Querelen von 12,1 auf 3,1 Prozent hinunterrasselten.
Vorzeichen bei der Kärntner Landtagswahl für SPÖ weniger gut
Die
Vorzeichen bei dieser Landtagswahl stehen für die SPÖ weniger günstig.
Die Partei startet von einem hohen Niveau, die Bundespolitik und zuletzt
die NÖ-Wahl sorgen nicht für Rückenwind, ebenso wenig die vielen
herrschenden Krisen mit Pandemie und Ukrainekrieg. Die Partei versucht
mit einem Wohlfühl-Wahlkampf zu punkten, inklusive Herzerl im Logo.
Kaiser absolviert einen Wahlkampf-"Marathon" mit zahlreichen
Veranstaltungen in allen Regionen, bei denen er über alle möglichen
Themen von Kinderbetreuung bis Beschäftigungszahlen spricht.
Kärntner FPÖ startet mit Neuling Angerer in als Spitzenkanidat
Die
Kärntner FPÖ möchte mit Erwin Angerer, einem Neuling in der
Landespolitik, als Spitzenkandidat zulegen. Während die
Rahmenbedingungen und der Bundestrend den Blauen zupass kommen, wirkt
die Partei bei Landesthemen wenig inspiriert. Man positioniert sich vor
allem mit Dringlichkeitsanträgen gegen Asyl und Teuerung im Landtag. Ob
der Versuch, mit einem Untersuchungsausschuss die Hypo-Causa zu drehen
und als Versagen vor allem der SPÖ bei den Verhandlungen mit dem Bund
hinzustellen, von den Wählern goutiert wird, bleibt abzuwarten.
ÖVP geht mit Martin Gruber in die Kärntner Landtagswahl 2023
Die
ÖVP geht erstmals mit Martin Gruber in eine Landtagswahl. Als
Juniorpartner in der Landesregierung und Landesrat dürfte er in den
vergangenen fünf Jahren zumindest eine gewisse Bekanntheit erlangt
haben. Positioniert hat sich Gruber vor allem für Abschüsse von Wölfen
und in der Causa Flughafen, wo er sich deutlich von der SPÖ abgrenzt und
diese mit ihrer Haltung für einen Investor, der bisher wenige seiner
großen Versprechen umgesetzt hat und eher mit seinem Interesse an der
Verwertung von Flughafengrundstücken auffiel, an eine eher unangenehme
Stelle manövriert hat. Die bundespolitische Stimmungslage und die
Wahlschlappe im schwarzen Kernland Niederösterreich bedeuten für die Landes-ÖVP jedenfalls nichts Gutes.
Team Kärnten mit Gerhard Köfer an der Spitze
Das
Team Kärnten des früheren SPÖ- und Stronach-Politikers Gerhard Köfer
setzt auch in diesem Wahlkampf auf Kritik an den Regierenden und wenig
eigene Inhalte. Parteienförderung halbieren und Politikergehälter
einfrieren, hieß es beim Wahlkampfauftakt. Dazu kommen wird wohl noch
"Kein E-Auto-Zwang", ein entsprechendes Volksbegehren wurde initiiert.
NEOS und Grüne bei der Landtagswahl in Kärnten
Die
öffentlich sehr präsent gewordene Klimakrise dürfte den Grünen den
Wiedereinzug in den Kärntner Landtag erleichtern. Die NEOS kämpfen mit
den Themen Bildung und Leistung um einen erstmaligen Einzug. Ihr Glück
versuchen auch mehrere Kleinparteien.