ARA möchte mehr Menschen in Österreich dazu motivieren, Müll zu trennen. Das Potenzial an Menschen, die man zusätzlich dafür gewinnen könne, liege bei elf Prozent.
Seit 1. Jänner gibt es ein österreichweit einheitliches System zum Mülltrennen, auch in Wien dürfen nun alle Kunststoffverpackungen in die Gelbe Tonne - und die nächste steht im Schnitt nur 150 Meter entfernt, sagte Harald Hauke, Vorstand der Altstoff Recycling Austria (ARA), bei einem Pressegespräch in Wien. Bequem und einfach - das seien wichtige Motivatoren für Abfalltrennung.
Mülltrennung: ARA möchte mehr Menschen dazugewinnen
Die ARA hat fest vor, es auszuschöpfen, denn die EU-Vorgaben zur Kreislaufwirtschaft sehen ab 2025 höhere Recyclingquoten vor. Bei Papier und Glas etwa ist Österreich den Zielen voraus. Aber bei Kunststoff besteht Aufholbedarf, die Quote muss bis 2025 verdoppelt werden.
Integral Marktforschung hat im Auftrag der ARA
zum dritten Mal seit 2012 Verhalten und Einstellungen bei
Abfalltrennung untersucht. Quer durch alle Sinus-Milieus - Gruppen mit
ähnlichen Werten und sozialer Lage - sei ein gemeinsamer Nenner, dass
Klimaschutz eine immer größere Bedeutung habe. Er sei auch "der
wesentliche Treiber für Abfalltrennung". "Diese neue Einstellung müssen
wir nutzen, um noch mehr Menschen zu motivieren", meinte Hauke. Das
Zuwachspotenzial an Personen, die eine Bereitschaft zu "noch häufigerer
getrennter Sammlung und hoher Trenndisziplin aufweisen", mache elf Prozent aus.
Umfrage: Neun von zehn trennen laut eigenen Angaben Müll
Details aus der Befragung: Neun von zehn Menschen trennen laut eigenen Angaben ihren Abfall, insgesamt 30 Prozent mehr als noch vor vier Jahren - allen voran im Burgenland Lebende (43 Prozent)
und jüngere Menschen. Nur eine verschwindende Minderheit gab an, heute
weniger Müll zu trennen als früher, berichtete Bertram Barth,
Geschäftsführender Gesellschafter von Integral. Der wichtigste Grund ist die veränderte Einstellung zum Klimaschutz (52 Prozent). Auch einfachere Sammelsysteme (41 Prozent) und bessere Informationen (39 Prozent) motivieren. Am häufigsten werden von den Befragten Altpapier (89 Prozent), Glasflaschen (85 Prozent), alte Batterien (80 Prozent), defekte Elektronikgeräte (80 Prozent) und Kunststoffgetränkeflaschen (79 Prozent) getrennt gesammelt.
Größte Menge nicht getrennter Müll enfällt auf zwei Millieus
Die größten Mengen nicht getrennt gesammelten Abfalls entfallen auf zwei Milieus, die von der
Meinungsforschung als "Hedonistinnen und Hedonisten" bzw. als
"Adaptiv-Pragmatische Mitte" eingestuft werden. Die zweite Gruppe - der "neue Mainstream" - sei am ehesten zu motivieren. Sie umfasse 14 Prozent der Bevölkerung
bzw. fast 1,1 Millionen Menschen und sei geprägt von Nutzendenken und
Bequemlichkeit. Mülltrennung könne hier als einfacher Beitrag zum
Umweltschutz, als Vorsorge für die Zukunft der Kinder und als zeitgemäß und opportun funktionieren. Die Vereinheitlichung der Sammlung von Kunststoffverpackungen in der
Gelben Tonne bzw. dem Gelben Sack sei ein wichtiger Schritt zur
Vereinfachung und für mehr Convenience, betonte Hauke. Hedonisten
wiederum könnten mit Digitalisierung gewonnen werden. Die App
"Digi-Cycle" bietet nicht nur Informationen und Service, sie soll mit
Prämien auch den Spaßfaktor bedienen.
"Vielen Menschen ist es ein großes Bedürfnis, selbst etwas zum Klimaschutz beizutragen", sagte Barth. "Mülltrennung ist ein konkreter Beitrag."