Am Dienstag beschließt der Nationalrat einen weiteren Ausbau der Energiehilfen für Unternehmen. Dieser Umstand sorgte für hitzige Debatten.
Die Energiehilfen werden 2023 zusätzlich 3,5 Milliarden zur Dämpfung der hohen Kosten erhalten. Das Thema war aber schon davor hochgekocht, hatte die SPÖ doch die Situation am Gasmarkt zum Inhalt der "Aktuellen Europastunde" gemacht. Vize-Klubchef Jörg Leichtfried forderte dabei einmal mehr einen Gaspreis-Deckel. Die anderen Fraktionen kritisierten die SPÖ aus unterschiedlichen Gründen.
Erhitzte Debatte im Nationalrat zu neuen Energiehilfen
Leichtfried verwies auf Beispiele in Spanien, Portugal und Frankreich, wo die Energiepreise durch staatliche Eingriffe gesenkt worden seien. Speziell der ÖVP warf er vor, aus "blinder Ideologie" solche Maßnahmen in Österreich zu verhindern.
Unternehmen würden wieder viele Millionen zur Verfügung gestellt
Stattdessen würden jetzt den
Unternehmen wieder viele Millionen zur Verfügung gestellt: "Der Staat
investiert in Unternehmensgewinne." Denn die einen würden weiter
aufgrund der Energiekosten gegen die Insolvenz kämpfen müssen, während
die anderen die Preise trotz Zuschüssen hoch hielten. Gewinner seien
Konzerne und Spekulanten.
Gewessler prangert Fehler der Vergangenheit an
Klimaschutzministerin Leonore Gewessler
(Grüne) meinte in ihrer Replik, Fehler der Vergangenheit hätten zur
jetzigen Situation geführt, nämlich die Abhängigkeit von Moskau:
"Russland hat uns an die Gasleine genommen." Umweltsprecher Lukas Hammer
ergänzte später, dass es sich anders als von der SPÖ dargestellt nicht
um ein Marktversagen halte, sondern um eine Verknappung, die zu den
hohen Preisen führe.
Gewessler führte diverse Hilfsmaßnahmen der
Regierung aus, gestand aber zu, dass auf europäischer Ebene noch einiges
geschehen müsse. Der Strompreis müsse von fossiler Energie entkoppelt
werden und es gelte ein Investitionssignal für erneuerbare Energien zu
schaffen.
Tanja Graf ortete auf europäischer Ebene noch Nachholbedarf
Dass es in letzterem Bereich auf europäischer Ebene noch
Nachholbedarf gebe, sah auch VP-Energiesprecherin Tanja Graf so. Sie
betonte aber besonders die Leistungen der Regierung auf nationaler
Ebene. So habe man die Abhängigkeit von russischem Gas stark reduziert
und die Gasspeicher seien auch jetzt noch zu 80 Prozent gefüllt.
FPÖ sprach gegen "irrationalen Klimafanatismus"
Die
FPÖ blieb indes ihrer Linie treu und sprach in Person von Petra Steger
gegen "irrationalen Klimafanatismus" an und forderte ein Ende der
Sanktionspolitik gegen Russland, die nach dem Überfall Moskaus auf die
Ukraine beschlossen worden war. Den größeren Teil ihrer Rede widmete
Steger aber überraschenderweise der SPÖ, der sie Scheinheiligkeit
vorwarf, seien doch die Energiepreise im rot regierten Wien höher als im Rest Europas.
NEOS-EU-Abgeordnete Gamon mit Seitenhieb gegen FPÖ
NEOS-EU-Abgeordnete
Claudia Gamon richtete der FPÖ aus, dass sie nach Moskau schauen solle,
wenn sie den Verursacher der hohen Energiepreise suchen wolle.
Inhaltlich beklagte sie, dass die Genehmigungsverfahren für Erneuerbare
in Österreich noch immer zu langsam liefen. Auf europäischer Ebene habe
man aber bereits einen Turbo für ein rascheres Vorgehen in diesem
Bereich gezündet. Auch die Abschöpfung von Zufallsgewinnen sei von der
EU aus gestartet worden.