Beim EU-Sondergipfel wollen Österreich und die Niederlande gemeinsam Lösungen im Kampf gegen die illegale Migration einfordern.
Der niederländische Premier Mark Rutte sagte am Donnerstag bei einem Besuch bei Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP), er sehe, dass sich in der EU "ein Konsens bildet". Nehammer bekräftigte die Forderung nach finanzieller EU-Unterstützung für Bulgarien und Griechenland für den EU-Außengrenzschutz.
Nehammer und Rutte wollen bei Migration an einem Strang ziehen
Allerdings werde es mehrere EU-Gipfel für
eine Lösung dieser Fragen brauchen, sagte Rutte. Als 2016 der
EU-Türkei-Flüchtlingsdeal beschlossen wurde, sei es einfacher gewesen,
so der niederländische Premier. Nunmehr habe die EU eine Fülle von
Problemen, darunter Schengen, Frontex, das Dublin-System und
Rückführungen. "Wir müssen uns wieder an die Dublin-Regeln halten",
forderte Rutte, ansonsten "wird Schengen nicht überleben".
"Wenn wir die EU als sicheren Hafen für Flüchtlinge erhalten wollen, müssen wir auch sicherstellen, dass die Zahlen zu bewältigen sind", so Rutte. Es sei klar, dass es mehr Maßnahmen zum Außengrenzschutz brauche. Allerdings plädierte Rutte dafür, man solle der EU-Kommission nicht vorschreiben, was sie zu finanzieren habe.
Österreich und Niederlande mit gleichen Problemen bei Rücküberstellungen
Nehammer sagte,
Österreich habe ebenso wie die Niederlande dieselben Probleme bei der
Rücküberstellung von Dublin-Fällen. Der EU-Kommission, die keine Zäune
finanzieren will, warf Nehammer einen "ideologischen Zugang" in dieser
Frage vor. In den Vorgaben zum EU-Außengrenzschutz seien auch bauliche
Maßnahmen enthalten. Es sei "nicht korrekt, wenn Bulgarien mit den
Kosten allein gelassen wird". Der bulgarische Grenzschutz schütze in
Wahrheit auch die Grenzen Österreichs und der Niederlande. "Das ist
keine ideologische, sondern eine pragmatische Frage", so Nehammer. Man
müsse flexibel und kreativ sein. So gelte es auch, technisches
Equipment, Personal und Drohnen zu finanzieren. Entscheidend sei, dass
Länder wie Bulgarien und Rumänien Unterstützung erhalten. "Ein Zaun, der
nicht überwacht ist, ist keine Barriere."
Nehammer bezeichnete es als wichtig, dass der EU-Sondergipfel überhaupt stattfindet. "Es wurde viel zu lange damit zugewartet."
Länderchefs betonten bei Treffen enge Verbundenheit
Der
Kanzler und Rutte betonten die enge Verbundenheit zwischen Österreich
und den Niederlanden. "Wir sind geeint in unserem Bedenken gegen eine
Schengen-Erweiterung zum jetzigen Zeitpunkt", sagte Nehammer.
Österreich
hat wegen der illegalen Migration im Dezember den Schengen-Beitritt von
Bulgarien und Rumänien blockiert. Gegen Bulgarien hatten auch die
Niederlande Bedenken angemeldet. Nehammer forderte am Montag bei einem
Besuch an der bulgarisch-türkischen Grenze EU-Mittel um Umfang von zwei
Milliarden Euro zum Ausbau des bulgarischen Grenzzauns.
Nach dem
Dublin-System wäre das Land der Erstaufnahme für Asylverfahren
zuständig, in der Praxis hat das System allerdings in der EU
unzureichend funktioniert.