Mehr als 150 Frauen aus allen gesellschaftlichen Bereichen in Österreich haben in einem offenen Brief konkrete Aufnahmeprogramme für Frauen aus Afghanistan verlangt.
"Wir fordern Außenminister Schallenberg und Innenminister Karner auf, wieder hinzuschauen, in dieses Land, in dem sich eine Menschenrechtskatastrophe abspielt", heißt es in dem Appell vom Donnerstag. Die Unterdrückung und Entrechtung von Frauen in Afghanistan sei "beispiellos".
Die Unterzeichnerinnen fordern von den beiden ÖVP-Ministern für die am meisten gefährdeten Menschen - darunter Frauen, Mädchen und Kinder - legale Möglichkeiten, Afghanistan zu verlassen und Asyl zu erhalten. "Nirgends auf der Welt werden Frauen so schlecht behandelt und ihrer Rechte beraubt wie in Afghanistan", teilte Amnesty International-Österreich Geschäftsführerin Annemarie Schlack am Donnerstag in einer Aussendung dazu mit. Das System der Taliban, die im August 2021 die Macht übernahmen, sei eine "einzige Hierarchie der Frauenunterdrückung".
Den meisten Frauen und Mädchen werde der
Zugang zu Bildung und Arbeit sowie die Teilnahme am öffentlichen Leben
verweigert. Der Verlust der Arbeit bedeute für viele Familien eine
enorme wirtschaftliche Belastung. Dramatisch sei auch die Situation für
Opfer von häuslicher Gewalt und die Zahl der Kinder-, Früh- und
Zwangsverheiratungen sei wieder stark angestiegen, heißt es in dem
Offenen Brief.
Zu den Unterzeichnerinnen gehören etwa die Botschafterin Afghanistans in Wien, Manizha Bakhtari, die Rektorin der Wirtschaftsuniversität Wien,
Elfriede Hanappi-Egger, die Direktorin der Diakonie Österreich, Maria
Katharina Moser, und die Geschäftsführerin der Volkshilfe Wien,
Tanja Wehsely, die Journalistin und ehemalige Kriegsberichterstatterin
Antonia Rados sowie Volksopern-Direktorin Lotte de Beer, die ehemalige
ORF-Programmdirektorin Kathrin Zechner und Schauspielerin Adele
Neuhauser.
"Vor mehr als einem Jahr sprach Außenminister (Alexander, Anm.) Schallenberg davon, die Taliban an ihren Taten zu messen. Nun ist es an der Zeit, Österreich an seinen Taten zu messen", forderte Schlack.