Die 2015/16 in Kraft getretene neue Lehrerausbildung hat sich positiv auf den Beruf ausgewirkt, es gibt aber noch Bedarf nach Weiterentwicklung, beispielsweise bei der Verbindung von Theorie und Praxis.
Das zeigt ein Evaluierungsbericht des Qualitätssicherungsrats für die Pädagogenbildung (QSR) und der Pädagogischen Hochschulen (PH) Luzern und St. Gallen, der Mittwochabend mit der Industriellenvereinigung (IV) vorgestellt wurde. QSR-Chef Andreas Schnider plädiert gegenüber der APA für eine "bessere Verzahnung von Theorie und Praxis".
Polaschek kündigte Reform der Lehrerausbildung an
Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) hat zuletzt als Reaktion auf den zunehmenden Personalmangel eine Reform der Lehrerausbildung angekündigt. Das Bachelorstudium soll ab dem Studienjahr 2024/25 nur noch drei anstelle von bisher vier Jahre dauern. Für die Primarstufe (v.a. Volksschule) soll die Gesamtdauer für Bachelor- und Masterstudium mit fünf Jahren gleich bleiben. Für Lehrer der Sekundarstufe (v.a. Mittelschule, AHS, BMHS) beträgt die Gesamtdauer künftig ebenfalls nur noch fünf Jahre und sinkt damit für diese Gruppe um ein Jahr. Die bestehenden Studieninhalte müssen dadurch neu auf Bachelor- und Masterstudium verteilt bzw. bei den Sekundarstufenlehrern auch Inhalte gekürzt werden.
Bessere Verbindung von Theorie und Praxis bei Lehrerausbildung gefordert
Für Schnider kommt die Reform zum rechten
Zeitpunkt, zeige die Evaluierung doch auf, wo es genau Handlungsbedarf
gebe. So müssten die Inhalte in den Bachelor- und Masterstudien noch
besser auf das jeweilige Semester abgestimmt werden. "Dabei geht es
nicht bloß um mehr Praxis in der Lehramtsausbildung, es braucht in
erster Linie eine bessere Verzahnung von Theorie und Praxis", so
Schnider in einer schriftlichen Stellungnahme. Werde das bei der
geplanten Weiterentwicklung der Lehrerausbildung berücksichtigt, biete
der Master optimale Unterstützung und Begleitung in den ersten
Berufsjahren.
In der Evaluierungsstudie wird zudem u.a. empfohlen,
sich die Zusammenarbeit zwischen Schulen, PHs und Unis genauer
anzuschauen. Außerdem sollten die Hochschulen prüfen, in welchen
Studienphasen künftig welche Studieninhalte vermittelt werden sollen und
für welche Inhalte welcher Praxisbezug unerlässlich ist. Außerdem wäre
zu überlegen, inwiefern Fragestellungen, die sich aus den
Praxiserfahrungen in den Praktika ergeben, auch in Lehrveranstaltungen
behandelt werden könnten.
Schwierige strukturelle Rahmenbedigungen für Junglehrer
Teil des fast 700 Seiten dicken Bandes
ist auch eine Evaluierungsstudie zur Induktionsphase, der
Berufseinführung von Junglehrern im ersten Jahr. Darin beklagt "eine
substanzielle Anzahl" von Junglehrern schwierige strukturelle
Rahmenbedingungen wie eine hohe Unterrichtsverpflichtung, Unterstützung
durch Mentorinnen und Mentoren mit anderen Unterrichtsfächern, sowie
Unterrichten in verschiedenen Klassen, Schulstufen, Schulen bzw. Einsatz
in Fächern, für die die jungen Pädagogen nicht ausgebildet wurden.
Zeitknappheit als Problem bei der Betreuung und Zusammenarbeit
Durch Zeitknappheit blieben kaum gemeinsame Zeitfenster, um die eigentlich angestrebte Betreuung und Zusammenarbeit adäquat umzusetzen. 20 Prozent der Mentoren waren für zwei oder mehr Berufseinsteiger verantwortlich, ebenso viele betreuten Junglehrer, die nicht einmal am eigenen Schulstandort tätig waren. In der Sekundarstufe hatte die Hälfte der Mentoren eine andere Ausbildung bzw. ein anderes Unterrichtsfach als ihr Schützling. In einigen Punkten gab es zwar mittlerweile gesetzliche Änderungen, wie die Studienautoren Manfred Prenzel und Marko Lüftenegger einräumen, aber "es bleibt noch viel zu tun". "Höchst problematisch" sei etwa die Tendenz in Zeiten des Personalmangels, Studierende vor dem Bachelorabschluss für selbstständiges Unterrichten anzustellen und zugleich in die Induktionsphase aufzunehmen. Das sei eine Belastung und "eigentlich eine Überforderung".