Derzeit fehlen im Tourismus rund 30.000 Arbeitskräfte. Die Pensionierung der Babyboomer-Generation und der Wandel hin zu mehr Work-Life-Balance schlagen durch.
"Der Mitarbeitermangel betrifft aber alle Branchen", betonte Walter Osztovics von Kovar & Partner bei der Präsentation einer Umfeldanalyse am Hotelierskongress in Salzburg. "Die Tourismusbranche muss bessere Bedingungen schaffen", so Osztovics. Denn es herrscht ein Wettbewerb um Personal.
Mitarbeitermangel trifft alle Branchen
An den hausgemachten Problemen sei nur zum die Teil die Politik schuld, sagte der Studienautor mit Blick auf das Pensionsantrittsalter und nicht ausreichende qualifizierte Zuwanderung. "Die Branche muss sich als Ziel setzen, als Arbeitgeber geschätzt zu werden", betonte der Unternehmensberater. "Es sind nicht nur insgesamt zu wenig Mitarbeiter." Man stehe auch im Wettbewerb zu anderen Betrieben.
"Jobs
in der Gastronomie und Hotellerie gelten als unbeliebt", hielt
Osztovics fest. Das gehe aus Absolventenbefragungen hervor. Kritisiert
würden fehlende Wertschätzung, schlechte Arbeitszeiten, schlechte
Bezahlung, der Saisonbetrieb samt Trennung von der Familie und mangelnde
Entwicklungsmöglichkeiten.
Toursmus: 30.000 Arbeitskräfte fehlen derzeit
Der Tourismus sollte sich seiner
Meinung nach viel stärker mit positiven Aspekten wie schöne Arbeitsorte,
glückliche Menschen, weltweite Mobilität bzw. Internationalität und
Karrierechancen positionieren und an seinem Wertekanon arbeiten. "Junge
Menschen suchen sinnstiftende Tätigkeiten, sie wollen keine
kapitalistischen Arbeitgeber", so der Berater. Sie arbeiten auch gerne
für nachhaltige Unternehmen.
Betreffend Attraktivität als
Arbeitgeber hätten auch die Betriebe "viele Hebel, die man angreifen
muss", räumte der Generalsekretär der Österreichischen
Hoteliervereinigung (ÖHV), Markus Gratzer, ein. "Mitarbeiter sind nun
mal die wichtigste Stütze des Betriebes und wenn sich die Zeiten ändern,
müssen sich auch die Betriebe ändern", sagte Tourismus-Staatssekretärin
Susanne Kraus-Winkler vor rund 700 Kongressteilnehmerinnen und
-teilnehmern aus der Branche.
Verbesserung der Rahmenbedingungen: Politik gefordert
Laut Gratzer ist auch die Politik gefordert, die Rahmenbedingungen zu
verbessern - mit einer Senkung der Lohnnebenkosten, generell weniger
Steuern für Vollzeitarbeit, Pensionisten und Überstunden, mehr
Mobilitätsbeihilfen und Umzugsboni sowie längere Durchrechnungszeiten
für Saisonbetriebe. Die mittlerweile verbesserten Saisonnierregeln und
Tourismusberufe auf der bundesweiten Mangelberufsliste würden "nicht
reichen, um den Bedarf zu decken". Aufgrund der Situation muss laut Kraus-Winkler auch "mit mehr angeleiteten Hilfskräften gearbeitet werden".
In
puncto Nachhaltigkeit hat sich der Tourismus laut Kraus-Winkler bereits
deutlich verbessert. Der Anteil erneuerbarer Energien in der Branche
habe sich in den elf Jahren ab 2008 von 36 auf 54 Prozent erhöht. Die
Tourismus sei 2021 nur für 1,6 Prozent des hierzulande gesamten
Energieverbrauchs verantwortlich gewesen. "Der österreichische Tourismus
ist sich seiner Verantwortung betreffend Nachhaltigkeit bewusst", so
die Staatssekretärin.
Bedarf an Mitarbeitern im Toursmus ist gestiegen
"Der Tourismus ist keine Fluchtbranche, wir
haben gerade im vergangenen Jahr gesehen, das wir fast jedes Monat
gleich viele bis mehr Beschäftigte hatten als 2019", strich die
Staatssekretärin hervor. "Der Bedarf an Mitarbeitern ist gestiegen und
wird auch weiter steigen - der Tourismus ist eine Wachstumsbranche." Zur
Verbesserung der Lage müsse man auf drei Ebenen ansetzen - auf der
Betriebsebene, in der Ausbildung und in der Politik.
Für die "Arena Analyse" des Beratungsunternehmens Kovar & Partner wurden 41 Branchenexperten, darunter Oliver Fritz vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) und auch ÖHV-Generalsekretär Gratzer, befragt. Die ÖHV leitete aus dem Input ihr Positionspapier 2023 ab.