Von der EU-Kommission will Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) zwei Milliarden Euro zur Unterstützung für Bulgariens Grenzschutz einfordern.
Bei einem Besuch mit Präsident Rumen Radew in Elchowo an der bulgarisch-türkischen Grenze forderte Nehammer am Montag außerdem EU-Rechtsänderungen, wie eine Zurückweisungsrichtlinie. Radew nannte den Ausschluss seines Landes aus dem Schengenraum "nicht gerecht". Er zeigte sich dennoch von einer raschen Lösung überzeugt.
Nehammer fordert von EU 2 Mrd. Euro für Grenzschutz bei Bulgarien
Nehammer wurde von Radew auf dem Flughafen Plowdiw mit militärischen Ehren empfangen. Im Anschluss flogen Nehammer
und Innenminister Gerhard Karner per Helikopter gemeinsam mit Radew und
dem bulgarischen Innenminister Iwan Demerdschiew entlang der
bulgarisch-türkischen Grenze, um sich ein Bild von der Lage an der EU-Außengrenze zu machen.
Nehammer und Karner in Bulgarien
BULGARIA-AUSTRIA-BORDER-MIGRATION-DIPLOMACY-POLITICS
© APA/BUNDESKANZLERAMT/ANDY WENZEL/Nikolay DOYCHINOV / AFP
Nehammer forderte mehr EU-Unterstützung bei Grenzschutz
Im Vorfeld der Reise hatte Nehammer mehr EU-Unterstützung beim Schutz der Außengrenze gefordert. Dabei geht es insbesondere um EU-Mittel für einen soliden Grenzzaun auf bulgarischer Seite nach dem Vorbild Griechenlands. Bisher hat sich die EU-Kommission geweigert, Geld für Mauern, Zäune und Stacheldraht zu geben, sie will lediglich Infrastruktur an der Grenze unterstützen.
Veto gegen Schengen-Beitritt von Bulgarien und Rumänien
Österreich
hat wegen der illegalen Migration im Dezember ein Veto gegen den
Schengen-Beitritt Bulgariens und Rumäniens eingelegt. Vor seinem Besuch
betonte Nehammer, das Schengen-Veto Österreichs bleibe so lange aufrecht, "bis sich die Situation grundlegend ändert".
In Österreich wurden 2022 mehr als 100.000 Migranten aufgegriffen
Österreich
argumentiert, dass in Österreich 2022 mehr als 100.000 Migranten
aufgegriffen worden seien. Laut Innenministerium kamen 40 Prozent aus
der Türkei über Bulgarien, vor allem Menschen aus Afghanistan, Syrien,
Marokko, Ägypten und Somalia. Der bulgarische Migrationsforscher Tihomir
Bezlov bezweifelte dies und forderte,
sich die Zahlen der irregulären Migranten genauer anzuschauen. Das
österreichische Innenministerium weist die Vorwürfe zurück und verweist
auf die hohen Dunkelziffern.
Nehammer und Karner folgen mit Radew und Demerdschiew zur Grenze
Nehammer
und Karner flogen am Montag nach dem Empfang per Helikopter gemeinsam
mit Radew und Demerdschiew an die Grenze. Sie sollen dort laut Programm
das regionale Koordinationszentrum der Grenzpolizei nahe der Stadt
Elchowo besichtigen. Nach der Rückreise nach Sofia ist auch ein Treffen
des Kanzlers mit dem bulgarischen Premierminister Galab Donew
vorgesehen. Den Besuch in Bulgarien hatte Nehammer bereits beim Besuch des bulgarischen Präsidenten zum Neujahrskonzert in Wien angekündigt.
Nehammer und Karner von Leiter der Schleppereibekämpfung begleitet
Nehammer
und Karner werden unter anderem vom Leiter der Schleppereibekämpfung im
Bundeskriminalamt, Gerald Tatzgern, begleitet. Tatzgern erklärte im
Vorfeld, der bisherige Grenzzaun, von
den bulgarischen Behörden als "technisches Hindernis" bezeichnet, sei
zum größten Teil über 155 Kilometer einreihig ausgeführt und stelle für
kriminelle Schlepper kein ernst zunehmendes Hindernis dar. Lediglich 80
Kilometer seien zweireihig ausgebaut. Schlepper würden die
Schwachstellen des bestehenden Grenzzauns konsequent ausnutzen. Der
Migrationsdruck aus der Türkei nach Bulgarien sei nach wie vor sehr
hoch, deshalb sei der Ausbau der "technischen Sperren" von entscheidender Bedeutung zur Schleppereibekämpfung, sagte Tatzgern.
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