In der heurigen Wintersaison 2022/23 werden 2.000 bis 3.000 Rodelunfälle erwartet, die Helmquote stagniert beim Rodelb bei niedrigen 37 Prozent.
Empfindlichster Körperteil für tödliche Verletzungen ist eindeutig der Kopf. Erhebungen des KFV zeigen allerdings ein ernüchterndes Bild: Während die Helmtragequote auf Österreichs Skipisten bereits bei mehr als 90 Prozent liegt, pendelt sie auf Rodelpisten weiter unter 40 Prozent. Das KFV ruft daher zum Tragen von Helmen auf und gibt weitere nützliche Tipps für unbeschwerten Rodelspaß.
Die Rodelsaison 2022/23 ist erst vor Kurzem angelaufen, doch es hat in Österreich bereits etliche schwere Rodelfälle gegeben. Zugleich werden Erinnerungen an den Winter 2021/22 wach. Ein Elternteil saß damals hinter einem Kleinkind auf der Rodel, verlor beim Fahren die Kontrolle und prallte gegen ein Hindernis. Lebensgefährliche Verletzungen beim Kind waren die Folge. Auch zahlreiche andere Eltern gehorchen intuitiv ihrem Beschützerinstinkt und platzieren ihr Kleinkind vor sich sitzend auf der Rodel, damit sie es besser im Blick behalten. Im Fall eines Aufpralls auf ein Hindernis ist das Verletzungsrisiko für die Kinder allerdings deutlich geringer, wenn diese hinten sitzen. Das haben computersimulierte Crashtests von KFV und TU Graz ergeben. Hinten sitzende Kinder prallen nämlich nicht direkt auf die oft sehr harten Hindernisse, sondern auf den Rücken des Erwachsenen. Vorne sitzende Kinder würden hingegen durch die Wucht des Aufpralls vom Elternteil noch zusätzlich gegen das Hindernis gedrückt.
KFV-Tests haben zudem eindeutig ergeben, dass ein Helm das Verletzungsrisiko bei einem Aufprall mit dem Kopf deutlich reduziert. Allerdings ist die Helm-Disziplin in Österreich noch äußerst gering, wie Dr. Johanna Trauner-Karner, Leiterin der Abteilung Sport- und Freizeitsicherheit im KFV, weiß: „Wir führen regelmäßig auf den Ski- und Rodelpisten in ganz Österreich Standarderhebungen durch. Daher wissen wir, dass sich zwar die ohnehin schon hohe Helmtragequote auf den Skipisten in den vergangenen Jahren weiter verbessert hat. Auf den Rodelpisten stagniert allerdings der Anteil seit Jahren auf niedrigem Niveau“, warnt die Expertin. Demnach haben in den vergangenen sieben Jahren durchschnittlich mehr als 93 Prozent auf den Skipisten in Österreich einen Helm getragen, auf den Rodelpisten waren es nur 37 Prozent.
Knochenbrüche (65% der Befragten) sowie Sehnen- und Muskelverletzungen (14%) rangieren unter den Verletzungen beim Rodeln im 10-Jahresdurchschnitt an der Spitze. Rund jeder fünfte Rodelunfall basiert auf einem Zusammenprall mit Personen, Bäumen, Schneewänden oder anderen Hindernissen. Kollisionen sind sogar der Hauptgrund für besonders schwere Verletzungen.
Die Leiterin der Abteilung Sport- und Freizeitsicherheit im KFV appelliert daher angesichts der beginnenden Rodelsaison an die Erwachsenen, mit gutem Beispiel voranzugehen. „Bitte tragen Sie unbedingt einen Helm und achten Sie darauf, dass das auch Ihre Kinder tun. Rodeln ist zwar ein wunderbares Freizeitvergnügen im Winter, aber es ist entgegen dem Klischee keine ungefährliche Sportart. Unsere Tests haben gezeigt, dass bereits bei einem Aufprall mit einer Geschwindigkeit von 10 km/h ohne Helm schwerste Verletzungen entstehen können.“