Bundeskanzler Karl Nehammer betonte vor seinem Bulgarien-Besuch, dass Österreich an seinem Schengen-Veto festhalten würde.
Nehammer sagte am Samstag: "Solange der Schengen-Raum nicht funktioniert, und beispielsweise Deutschland Grenzkontrollen zu anderen Schengen-Mitgliedsländern wie Österreich durchführt, genauso wie viele andere europäische Länder dies tun, können wir diesen Raum nicht erweitern. Das Schengen-Veto Österreichs bleibt daher aufrecht, bis sich die Situation grundlegend ändert."
Nehammer und Karner reisen nach Bulgarien
Nehammer und Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) reisen zu
einem Lokalaugenschein am Montag an die bulgarisch-türkische Grenze.
Österreich hat wegen der illegalen Migration im Dezember ein Veto gegen
den Schengen-Beitritt Bulgariens und Rumäniens eingelegt. Nur Kroatien
trat - wie von der EU-Kommission vorgeschlagen - dem grenzkontrollfreien
Schengen-Raum mit Jahresbeginn bei.
Nehammer forderte vor dem
Besuch laut Aussendung "volle Unterstützung für Bulgarien und Rumänien
und endlich konkrete Aktionen seitens der Europäischen Kommission, um
den Außengrenzschutz zu stärken. Bulgarien muss in die Lage versetzt
werden, einen ebenso robusten Grenzschutz wie Griechenland zu errichten.
Dafür müssen die notwendigen Mittel aus dem EU-Budget zur Verfügung
gestellt werden." Außerdem verlangte Nehammer: "Wir müssen noch stärker
auf die Asylbremse steigen - nicht nur in Österreich, sondern in ganz
Europa." Dies wolle er auch bei seinem Besuch in Bulgarien und in der
Grenzregion zwischen Bulgarien und der Türkei mit dem bulgarischen
Präsidenten Rumen Radew besprechen.
"Schengen-Veto bleibt aufrecht" laut Nehammer
Karner sagte laut Aussendung:
"Bulgarien braucht rasche und ordentliche Unterstützung beim Schutz der
Außengrenze zur Türkei. Der griechische Grenzzaun kann dabei als Vorbild
dienen." Die hohen Aufgriffszahlen in Österreich würden zeigen, "das
Schengen-System ist kaputt. Solange dieses System und der Schutz der
Außengrenzen nicht funktioniert, kann es auch keine Erweiterung geben."
Bisher
hat sich die EU-Kommission geweigert, Geld für Mauern, Zäune und
Stacheldraht zu geben, sie will lediglich Infrastruktur an der Grenze
unterstützen. Im Dezember hatte die EU-Behörde erklärt, es liege an
Bulgarien zu entscheiden, welche Mittel es brauche, um seine Grenzen zu
schützen. Zur Zeit sei etwa die EU-Grenzschutzagentur Frontex mit 137
Mitarbeitern und Ausrüstung in Bulgarien vertreten.
Nehammer und Karner planen Besuch von bulgarischem Premier
Der
Bundeskanzler und der Innenminister beklagen, dass Bulgarien beim Schutz
seiner rund 240 Kilometer langen EU-Außengrenze zur Türkei alleine
gelassen werden. Verwiesen wurde auch auf Videos in sozialen Netzwerken,
die zeigen, wie leicht die bestehenden Barrieren an der
bulgarisch-türkischen Grenze zu überwinden seien.
Nehammer und Karner reisen am Sonntagabend nach Bulgarien. Sie fahren am Montag gemeinsam mit Radew und dem bulgarischen Innenminister Iwan Demerdzhiew an die Grenze. Geplant ist eine Besichtigung des regionalen Koordinationszentrums der Grenzpolizei nahe der Stadt Elchowo sowie nach der Rückreise nach Sofia auch ein Treffen mit dem bulgarischen Premierminister Galab Donew.