Die durchgesickerten Pläne für eine Erdgasförderung in der Nationalparkgemeinde Molln sorgen in Oberösterreich und darüber hinaus für Aufregung.
Der Nationalpark hat Bedenken um mögliche Auswirkungen auf Ökosysteme. Allerdings kennt man die Pläne zu wenig. Auch die Landespolitik scheint kaum Informationen zu haben. Die SPÖ kündigte indes eine parlamentarische Anfrage an Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) an, zu dessen Ressort die zuständige Montanbehörde gehört.
Pläne für Erdgasförderung aus dem Nationalpark sorgen für Aufregung
Der sozialdemokratische oberösterreichische Abgeordnete Alois Stöger will mit der Anfrage "Licht ins Dunkel bringen". Man wolle wissen, "wie es überhaupt dazu kommt, dass diese Lizenz an einen ausländischen Konzern vergeben wurde", so der oberösterreichische Parteichef Michael Lindner. Weitere Fragen: "Wer ist hier verantwortlich? Besteht hier das Risiko eines Ausverkaufs ins Ausland? Wie kann ausgeschlossen werden, dass rot-weiß-rotes Erdgas am Ende überteuert von Österreich zurückgekauft werden muss?". Die Bevölkerung, die lokale Politik und die Naturschutzorganisationen hätten ein Recht auf volle Transparenz.
In
ein ähnliches Horn stößt Umweltlandesrat Stefan Kaineder (Grüne): "Die
Vorgehensweise des Unternehmens aber auch des Finanzministeriums mutet
für uns in Oberösterreich dann doch etwas befremdlich an. Ein Projekt
dieser Dimension - mit all den Auswirkungen auf Umwelt und Natur sowie
auch auf das Klima - ohne Beteiligung der Bevölkerung vorzubereiten,
stößt sauer auf", verlangt er offene Kommunikation und, dass die
oberösterreichische Landesregierung "umgehend" über die Projektdetails
informiert werde.
Direktor des Nationalparks Kalkalpen: Ringen um Informationen
An Informationen zu kommen versucht auch Josef
Forstinger, Direktor des Nationalparks Kalkalpen. Das Bohrvorhaben soll
nach derzeitigem Kenntnisstand etwa zwei Kilometer vom Nationalpark
entfernt im Jaidhaustal umgesetzt werden. "Wir gehen davon aus, dass der
Nationalpark in weitere Verfahren entsprechend eingebunden und angehört
wird, um die Interessen des Nationalparks bestmöglich zu wahren", hofft
Forstinger. Befürchtet wird am ehesten, dass die Gasförderung
Auswirkungen auf das Grundwasser haben könnte, was wiederum Ökosysteme
beeinträchtigen würde. Insbesondere hinsichtlich der Quelllebensräume,
die im Karst sehr sensibel reagieren, müsse größte Sorgfalt an den Tag
gelegt werden, hieß es aus dem Nationalpark.
Erich Frommwald,
Obmann der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Oberösterreich,
drängte am Dienstag auf eine "sachliche und strategische Prüfung" des
Projekts und eine rasche Entscheidung. Die Stromproduktion und die
Industrie "sind noch viele Jahre auf Erdgas angewiesen", meint er.
ADX Vie GmbH will in Molln nach Gas suchen
Das in Österreich ansässige Unternehmen ADX Vie GmbH, eine 100-prozentige Tochter der in Australien börsennotierten ADX Energy Ltd mit Hauptsitz in Perth, will in Molln (Bezirk Kirchdorf) nach Gas suchen. Die Firma ist nach eigenen Angaben seit April 2022 im Besitz der für das Projekt nötigen Aufsuchungslizenz, hat bisher aber keine Bohr- und Förderlizenz. ADX Energy Ltd rechnet mit einer Gasfeldgröße von 22 Mrd. Kubikmetern, geht aus einer auf deren Website veröffentlichten Mitteilung hervor. Das wäre gut der zweieinhalbfache Jahresverbrauch Österreichs. Offen ist aber, ob wirklich ein großes Gasvorkommen vorhanden ist, ob das Gas der europäischen Versorgungssicherheit zugutekommen würde und wie lange es überhaupt dauern würde, mit der Förderung zu beginnen. Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) hatte betont, dass es in den 2030er-Jahren keinen Sinn mehr mache, weil man ohnehin aus fossilen Energieträgern aussteigen müsse.