Zur Senkung der hohen Energiepreise spricht sich die Arbeiterkammer (AK) für eine rasche EU-weite Einführung des so genannten "iberischen Modells" aus.
Eine solche Preisobergrenze für Gas wie in Spanien und Portugal könne rasch umgesetzt werden. Das Gegenargument eines deutlich höheren Gasverbrauchs durch die Umsetzung des Modells sieht die AK widerlegt: Der Gasverbrauch werde nicht signifikant steigen, geht aus einer Studie der Energieagentur im Auftrag der AK hervor.
Bei einer EU-weiten Einführung des iberischen Modells nur für Gas würde der zusätzliche Gasverbrauch bei rund 74 Terawattstunden (TWh) liegen, das entspricht rund 1,7 Prozent des jährlichen Gasverbrauchs in der EU im Jahr 2021, geht aus der Studie im Auftrag hervor. Nimmt man noch Steinkohle dazu, läge der zusätzliche Gasverbrauch bei 90,4 TWh bzw. rund 2 Prozent des Jahresgasverbrauchs 2021.
Sichergestellt
werden müsse, dass nicht wegen der Einführung ein Merit-Order-Effekt in
der EU eintrete und Kohle- durch Gasverstromung ersetzt werde, so
Energieagentur-Experte Christian Furtwängler am Dienstag vor
Journalisten. Wichtig sei es einen sinnvollen Zielbrennstoffpreis zu
finden, der möglichst gering sei und gleichzeitig einen
Subventionsabfluss möglichst gering zu halten. Eine Möglichkeit sei die
Berechnung eines variablen Preises, über aktuelle Kohle- und
CO2-Notierungen. Wichtig sei, dass die Stromerzeugungskosten aus Gas
nicht unter jene aus Kohle fallen.
Die Einführung würde zu keinem massiven Anstieg der Stromexporte in Drittstaaten führen und bei rund 1,5 Prozent des
Jahresstromverbrauchs in der EU im Jahr 2021 liegen, geht aus der
Studie hervor. Zu einem spürbaren Zuwachs würde es vor allem an zwei
Grenzen - Großbritannien und Türkei - kommen. Sinnvoll könnten hier
politische Lösungen etwa über entsprechende Abkommen sein.
Aus Sicht der AK
sei es nach wie vor dringend notwendig, eine systemische Lösung zu
finden, so Arbeiterkammer-Energieexperte Josef Thoman. Die einzige, die rasch umgesetzt werden kann, um den Strompreis in der Europäischen Union zu senken, sei das iberische Modell. Das würde den Strompreis für
alle Verbraucherinnen und Verbraucher senken und hätte entsprechende
positive wirtschaftliche Auswirkungen. Als positive volkswirtschaftliche
Effekte nennt die AK
etwa eine Verringerung der Inflation, reduzierte negative Effekte auf
das BIP und einen nur halb so hohen Beschäftigungsrückgang. Der Anreiz für den Erneuerbaren-Ausbau bleibe bestehen. In Österreich hätten sich alle Sozialpartner und die Regierung für die Umsetzung des iberischen Modells
auf EU-Ebene ausgesprochen. Die EU-Kommission sei im Oktober vom Rat
aufgefordert worden, eine solche Maßnahme vorzulegen, habe bisher aber
kein Modell vorgelegt.