16,14 Prozent der in Österreich lebenden Frauen, die in einer intimen Partnerschaft sind oder waren, sind Opfer einer Form von körperlicher und/oder sexueller Gewalt in einer Partnerschaft geworden.
Das geht aus einer Studie von Statistik Austria hervor, die soeben veröffentlicht wurde. Außerhalb von intimen Partnerschaften hat mehr als jede vierte Frau (26,61 Prozent) nach ihrem 15. Geburtstag eine Form von sexueller und/oder körperlicher Gewalt erfahren.
Über 16 Prozent der Frauen erleben Gewalt in der Beziehung
Die Studie "Geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen in Österreich 2021" wurde von Eurostat und dem Bundeskanzleramt in Auftrag gegeben. Es geht darin speziell um Gewalt, die Frauen erfahren bzw. um Gewalt, die sie überproportional häufig betrifft, in und außerhalb von Partnerschaften, durch Stalking, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und Gewalt in der Kindheit. Die Daten sollen erstmals Ergebnisse zu den Opfern liefern und eine wichtige Ergänzung zur amtlichen "Polizeilichen Kriminalstatistik" darstellen, die polizeilich gemeldete Fälle erfasst, sowie zur "Gerichtlichen Kriminalstatistik", die verurteilte Fälle abbildet.
8,7 Prozent aller Frauen wurden von ihrem Partner vergewaltigt
Detailergebnisse aus der Erhebung: 8,70 Prozent aller
Frauen in Österreich sind (seit ihrem 15. Geburtstag) in einer intimen
Beziehung und/oder von einer anderen Person vergewaltigt worden. 20,92
Prozent waren von einer anderen Form von sexueller Gewalt betroffen.
21,88 Prozent haben Stalking erlebt. 26,59 Prozent der Frauen, die
erwerbstätig sind oder es einmal waren, haben sexuelle Belästigung am
Arbeitsplatz erfahren. Von sexueller Gewalt (inklusive Vergewaltigung)
in der Kindheit, das heißt Mädchen jünger als 15 Jahre, waren 7,05
Prozent betroffen, 1,85 Prozent sind Opfer einer Vergewaltigung
geworden.
Rund 24 Prozent der Frauen erlebten körperliche Gewalt
Zur Gewaltprävalenz gegen Frauen generell halten die
Studienautorinnen und -autoren fest: "23,47 Prozent der Frauen zwischen
18 und 74 Jahren in Österreich haben ab dem Alter von 15 Jahren
körperliche Gewalt innerhalb oder außerhalb von intimen Partnerschaften
erlebt." Das bedeutet in Zahlen: Von den mehr als 3.245.160 Frauen
zwischen 18 und 74 Jahren waren zum Untersuchungszeitraum 761.786
Betroffene. Fast jede sechste Frau sei mit Gewaltdrohungen konfrontiert
gewesen (15,25 Prozent). Täter und Täterinnen wurden für beide Formen -
körperliche Gewalt und deren Androhung - erfasst: 83,67 Prozent haben
diese Übergriffe durch eine männliche, 33 Prozent durch eine weibliche
Person erfahren. 67,42 Prozent wurden von einer oder mehreren ihnen
bekannten Personen angegriffen oder bedroht, 42,80 Prozent durch
Unbekannte (es konnten mehrere Vorfälle angegeben werden, Anm.).
Körperliche
Gewalt in intimen Beziehungen haben 14,07 Prozent der Frauen, die sich
schon zumindest einmal in einer intimen Beziehung befunden haben, erlebt
- am häufigsten durch Stoßen, Schubsen oder an den Haaren ziehen (11,14
Prozent), gefolgt vom absichtlichen Bewerfen mit Sachen oder dem
Verabreichen von Ohrfeigen (8,23 Prozent).
Sieben Prozent von Frauen waren Opfer von sexueller Gewalt
Opfer von sexueller
Gewalt in Partnerschaften waren sieben Prozent der Frauen. Eine
vollendete Vergewaltigung in einer intimen Partnerschaft mussten 6,08
Prozent erleiden, während 2,18 Prozent von einer versuchten
Vergewaltigung betroffen waren. 36,92 Prozent haben psychische Gewalt
durch ihren Partner oder ihre Partnerin erfahren. Am häufigsten sind
laut Statistik Austria verbale Erniedrigungen und Beschimpfungen (28,55
Prozent), gefolgt von "grundloser oder übermäßiger Eifersucht" (19,43
Prozent).
Gewalttaten in der Partnerschaft sind oft keine Einzelfälle
Gewalttaten in Partnerschaften sind oft keine Einzelfälle: 81,27 Prozent der Frauen, die Gewaltdrohungen in einer früheren Partnerschaft erlebt hatten, haben dies laut einer Studie von Statistik Austria in der zuletzt zurückliegenden gewaltvollen Beziehung wiederholt erlebt. In Bezug auf körperliche Gewalt zeichnen die Daten ein ähnliches Bild: 60,57 Prozent gaben an, dass sie in der letzten gewalttätigen Partnerschaft mehr als einmal Opfer von körperlicher Gewalt wurden.
Oft Wiederholungstaten bei Vergewaltigung
Bei rund der Hälfte der Fälle von Vergewaltigungen oder versuchten Vergewaltigungen habe es sich ebenfalls um Wiederholungstaten gehandelt. Und 7,72 Prozent der Frauen, die mindestens in einer früheren Partnerschaft Gewalt erlebt haben - von Drohungen über physische Angriffe bis zu sexueller Gewalt -, haben diese Erfahrungen in mehr als einer Partnerschaft gemacht, geht aus der Studie "Geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen in Österreich 2021" hervor.
Körperliche und psychische Folgen von Gewalttaten an Frauen
Häufig haben
solche Taten für die Betroffenen körperliche und psychische Folgen. Von
den Frauen, die in einer früheren Beziehung körperliche oder sexuelle
Gewalt erfahren haben, haben 54,63 Prozent Verletzungen davongetragen.
Dabei hatten 30,87 Prozent bei mindestens einem Vorfall das Gefühl, ihr
Leben sei in Gefahr gewesen.
Schwere Belastung auch durch Stalking
Eine schwere Belastung stellt auch
Stalking dar. Jede vierte Betroffene berichtete, über einen Zeitraum von
mehr als einem Jahr beharrlich verfolgt worden zu sein, nur 13,67
Prozent weniger als zwei Wochen. Viele Frauen ergreifen Maßnahmen zu
ihrem Schutz, die große Einschränkungen für ihren Alltag bedeuten
können. Fast jede Fünfte änderte ihre Telefonnummer oder E-Mail-Adresse
oder löschte ihr Nutzerprofil auf Sozialen Medien. 15,19 Prozent tragen
eine Schere, ein Messer oder Pfefferspray mit sich.
27 % von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz betroffen
Von sexueller
Belästigung am Arbeitsplatz berichteten hochgerechnet 27 Prozent der
rund 2.770.700 Frauen, die bereits erwerbstätig waren. Zu den häufigsten
Formen zählen unangemessenes Anstarren oder anzügliche Blicke - 20,26
Prozent haben dies erfahren, sexuelle Witze oder übergriffige
Bemerkungen über ihren Körper oder ihr Privatleben (16,21 Prozent) oder
unerwünschter Körperkontakt (14,60 Prozent). 96,83 Prozent wurden von
einem männlichen Täter sexuell belästigt. 44,14 Prozent berichteten über
Belästigungen von Kollegen und Kolleginnen, eine ähnlich große Gruppe
durch Kunden und Kundinnen. 76,74 Prozent gaben an, dass sexuelle
Belästigung an ihrem derzeitigen (bzw. ihrem letzten) Arbeitsplatz
überhaupt nicht verbreitet sei.
Zur Studie "Geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen in Österreich 2021": Anhand einer repräsentativen Stichprobe aus dem Zentralen Melderegister wurde die Erhebung laut Statistik Austria als Kombination aus persönlichen und Online-Befragungen durchgeführt. 6.240 Frauen im Alter von 18 bis 74 Jahren wurden befragt.