Nach dem Veto Österreichs gegen Rumänien und Bulgarien erwartet EU-Budgetkommissar Johannes Hahn, dass "in relativ überschaubarer Zukunft beide Länder Mitglieder von Schengen werden können."
Hahn sagte am Sonntag in der ORF-Pressestunde, ein erster Schritt könnte im Flugbereich erfolgen. Mit dem Veto Österreichs sei er zwar "nicht glücklich", so Hahn. Er habe aber "ein gewisses Verständnis", wenn 80.000 nicht-registrierte Migranten nach Österreich kämen.
Eu-Kommissar Hahn erwartet künftig weitere Schengen-Beitritte
Der Druck von Österreich habe bereits zu einem
EU-Sondergipfel zur Migration im Februar geführt, sagte der
EU-Kommissar. Österreich habe hier zurecht auf etwas aufmerksam gemacht.
Er verstehe auch die Frustration kleinerer und mittlerer EU-Staaten,
wenn ihre Anliegen nicht sofort behandelt würden wie etwa im Falle
Italiens und Frankreichs.
EU-Kandidatenländer sollten bei Visumpolitik EU-Regeln entwickeln
In Zukunft müsse man sicherstellen, dass
EU-Kandidatenländer bei der Visumpolitik zu 100 Prozent dieselben
Regeln entwickeln wie die EU, sagte der ehemalige
EU-Erweiterungskommissar und ÖVP-Politiker in Hinblick auf die illegale
Migration über Serbien. Klarheit müsse es auch über die Zahlen geben,
hier gebe es Widersprüche zwischen den behördlichen österreichischen
Angaben und jenen auf europäischer Ebene. Einen Ansehensverlust
Österreichs in Rumänien und Bulgarien durch das Veto gebe es "definitiv,
aber das ist reparierbar".
Weitere Unterstützung der Ukraine durch die EU
Zur weiteren Unterstützung der Ukraine
durch die EU sagte Hahn, diese gelte "ohne Wenn und Aber". Eine baldige
Friedenslösung erwartet der EU-Kommissar offenbar nicht. "Es wird
leider Gottes nur eine Lösung auf militärischer Ebene geben." Die EU
habe den Anspruch und die Verpflichtung, der Ukraine zu helfen, beim
aktuellen Betrieb, dem Wiederaufbau und bei Waffenlieferungen.
Finanzierung des Ukraine-Wiederaufbaus sei nicht einfach
Eine
Finanzierung des Ukraine-Wiederaufbaus mit russischem Vermögen sei
nicht einfach, sagte Hahn. Die EU-Kommission arbeite an einem Gesetz,
"aber es ist juristisch keine einfache Übung". Zur Frage nach einem
ukrainischen EU-Beitritt sagte Hahn, er habe größtes Zutrauen, dass Kiew
in der Lage sei, die nötigen Voraussetzungen zu erfüllen. Für den
EU-Beitritt könne es aber keinen Rabatt geben.
Jeder Krieg sollte zur Neubewertung der Sicherheitslage führen
Zur
österreichischen Neutralität betonte Hahn, dass jeder Krieg zu einer
Neubewertung der Sicherheitslage führen sollte. Österreich solle sich
nicht der Illusion hingeben, eine "Insel der Seligen" zu sein. Es werde
schon erwartet, dass jedes Land einen Beitrag zur Verteidigung leiste.
Die Diskussion gehe zunehmend in die Richtung einer Komplementarität mit
der NATO.
Hahn bezeichnete niedrige Zustimmungswerte als "desaströs"
Die im EU-Vergleich niedrigen Zustimmungswerte zur
Union in Umfragen in Österreich bezeichnete Hahn als "desaströs". "Ich
erwarte nicht, dass jeder in der Früh aufsteht und die Europahymne auf
seinen Lippen hat". Man sollte sich aber bewusst sein, dass die
Mitgliedstaaten ohne EU auf sich allein zurückgeworfen wären und weitaus
weniger Souveränität hätten.
Vilimsky kritisierte die derzeitigen finanziellen Hilfen an die Ukraine
Der FPÖ-Delegationsleiter im
EU-Parlament, Harald Vilimsky, kritisierte die derzeitigen finanziellen
Hilfen an die Ukraine. "Ich frage mich, ob der Herr Kommissar
tatsächlich glaubt, ob die gigantischen Kredite an die Ukraine von
(Präsident Wolodymyr, Anm.) Selenskyi und Co jemals wieder zurückgezahlt
werden. Das ist gefährlich, naiv und kostet den Österreichern weitere
Milliarden" kritisierte Vilimsky. Des weiteren kritisierte Vilimsky auch
Hahns Unterstützung dafür, das Einstimmigkeitsprinzip in der EU
abschaffen zu wollen. "Hahn ist Zentralist und Bürokrat, der Brüssel im
Herzen trägt und seine Heimat Österreich dabei längst verraten hat", so
Vilimsky.