Die türkis-grüne Regierung hat am Mittwoch, im Rahmen der Regierungsklausur, die Abschaffung der geblockten Altersteilzeit angekündigt. Die Gewerkschaft kritisiert das.
Laut Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) sei diese Variante "nicht mehr zeitgemäß" und wirke nicht positiv auf den Arbeitsmarkt. Die Ankündigung rief zahlreiche Reaktionen hervor, der Gewerkschaftsbund (ÖGB) zeigte sich empört und sprach von einem "Anschlag der Regierung auf ältere ArbeitnehmerInnen".
Die Gewerkschaft ist gegen das Ende der geblockten Altersteilzeit
Derzeit kann man die geblockte Variante, mit der man zunächst voll und dann gar nicht mehr arbeitet, ab 60 in Anspruch nehmen. Künftig soll es längere Übergangszeiträume geben. Ab dem kommenden Jahr steigt die Möglichkeit zum Antritt der Variante pro Jahr um sechs Monate.
ÖGB sprach sich klar gegen Abschaffung der Altersteilzeit aus
Der
ÖGB sprach sich heute klar gegen die Abschaffung aus. Die geblockte
Altersteilzeit sei eine "wichtige und notwendige Unterstützung" für
ältere Arbeitnehmer - insbesondere für solche in einem psychisch oder
körperlich anstrengenden Job. "Angesichts der Tatsache das ältere
Arbeitslose es immer noch schwer haben einen neuen Job zu bekommen, ist
es kontraproduktiv die geblockte Variante der Altersteilzeit
abzuschaffen", so Ingrid Reischl, Leitende Sekretärin des ÖGB.
Auf
Twitter schrieb zudem ÖGB-Chef Wolfgang Katzian: "Menschen länger im
Berufsleben zu halten wird nicht funktionieren, indem man ihnen die
geblockte Altersteilzeit verwehrt. Es funktioniert mit fairen
Arbeitsbedingungen und besserer Bezahlung."
Die Gewerkschaft GPA sieht die Angelegenheit wie Katzian
So sieht das auch die
Gewerkschaft GPA. Die Abschaffung der geblockten Altersteilzeit hätte
"kaum einen beschäftigungsfördernden Effekt". "Viel wichtiger wäre, dass
Beschäftigte gesund bis zu Pension arbeiten können," so GPA-Vorsitzende
Barbara Teiber. Dazu gehören gute Arbeitsbedingungen, präventive
Gesundheitsförderung, ausreichend Personalausstattung, altersgerechte
Lösungen, flächendeckende Kinderbetreuung - Stichwort Enkel - sowie die
Bekämpfung von Langzeitarbeitslosigkeit."
NEOS begrüßen Abschaffung der geblockten Altersteilzeit
Begrüßt wurde die
Maßnahme dagegen von den NEOS. Für Sozialsprecher Gerald Loacker ist die
geblockte Altersteilzeit ein "Frühpensionierungsprogramm für Betriebe".
Die Unternehmen würden mit Steuergeld dafür bezahlt, dass sie ihre
Mitarbeiter früher in die Pension schicken, so Loacker in einem
Statement an die APA.
Für Arbeitgeber ist die geblockte
Altersteilzeit weniger attraktiv als andere Formen der Altersteilzeit,
unter anderem weil für die Zeit der Abwesenheit des Arbeitnehmers eine
neue Arbeitskraft eingestellt werden muss. In vielen Unternehmen wird
die Variante daher schon jetzt nur ungern angeboten.
Kocher kündigte Arbeitsgruppe zu Arbeitskräftemangel an
In Hinblick
auf den Arbeitskräftemangel kündigte Kocher heute zudem eine
Arbeitsgruppe mit Arbeits-, Sozial- und Finanzminister unter Einbindung
der Parlamentsklubs an. Diese soll Anreize vorschlagen, wie Ältere
verstärkt in der Beschäftigung gehalten werden können. Bis Ende des
ersten Quartals soll die Reformgruppe Vorschläge liefern.
Für Christine Mayrhuber, Pensionsexpertin des
Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) ist der Ansatz, den
Arbeitskräftemangel über ältere Beschäftigte abzufedern, durchaus
sinnvoll. "Es ist tatsächlich so, dass wir ein großes Potenzial haben,
was die Älteren betrifft", so Mayrhuber zur APA. Vor allem in der Gruppe
der über 55-jährigen Arbeitslosen liege ein "unglaubliches Potenzial
brach". Wie viele Arbeitskräfte man mit den richtigen Anreizen heben
könne, sei allerdings schwer zu beziffern.
Einige Anreize für ältere Arbeitnehmer seien vorhanden
Derzeit gebe es bereits
einige Anreize für ältere Arbeitnehmer, länger im Beruf zu bleiben -
beispielsweise der Wegfall von Unfallversicherungs- und
Arbeitslosenbeiträgen ab dem 60. Lebensjahr. Die Arbeitsgruppe müsse
sich laut Mayrhuber in erster Linie ansehen, ob die derzeit vorhandenen
Anreize in die richtige Richtung gehen. Erst dann könnten weitere
Justierungen vorgenommen werden.
Die Wirtschaftskammer (WKÖ)
begrüßte die von Kocher angekündigte Arbeitsgruppe. "Wir wissen, dass es
ein enormes Potenzial an Menschen gibt, die das Regelpensionsalter
erreicht haben, aber dem Arbeitsmarkt weiter zur Verfügung stehen
wollen. Diesen Leistungswilligen müssen wir die richtigen Anreize
geben", so WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf.
"Statt besserer Bezahlung sollen die Menschen länger arbeiten müssen"
Anders sieht das
die SPÖ. "Statt besserer Bezahlung und besserer Arbeitsbedingungen
sollen die Menschen länger arbeiten müssen", monierte SPÖ-Sozialsprecher
Josef Muchitsch.
Enttäuscht über die Ergebnisse der
Regierungsklausur zeigte sich der Österreichische Seniorenverband. Vor
allem bei der Abschaffung der Pensionsbeiträge für arbeitende
Pensionistinnen und Pensionisten hätte man sich eine Einigung gewünscht.
Diese sei "eine rasch umsetzbare und effektive Maßnahme, um Arbeiten in
der Pension attraktiver zu machen", so Seniorenbund-Präsidentin Ingrid
Korosec.