Bei einer 24-stündigen Klausur in Mauerbach ist die Regierugn ins Jahr 2023 gestartet. Danach wurden geplante Projekte für das neue Jahr präsentiert.
Präsentiert wurde die schon länger in der Warteschleife befindliche Reform der Umweltverträglichkeitsprüfungen. Dazu kommt eine Photovoltaik-Offensive. Schrittweise abgeschafft wird die geblockte Variante der Altersteilzeit. Das Anti-Korruptionspaket soll am Donnerstag nachgeliefert werden.
Das plant die Regierung im Jahr 2023: Klausur in Mauerbach
Die Koalition hatte sich diesmal bei ihrer Klausur von Medien weitgehend abgeschottet, weil man bei der Arbeit quasi nicht gestört werden wollte. Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) berichtete, dass man bis vier Uhr früh noch an Details gefeilt habe und erkannte einen guten Start ins Jahr. Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) war "ganz sicher", dass nach dem vielen, was schon gelungen sei, noch viel mehr gelingen werde.
Differenzen um Beschleunigung der UVP-Verfahren beseitigt
Geschafft
hat man es immerhin, die Differenzen rund um die Beschleunigung der
UVP-Verfahren beizulegen, und das ohne am seit Monaten vorliegenden
Entwurf noch wesentliches zu ändern. Schon bald soll mit einfacher
Mehrheit die entsprechende Novelle durch den Nationalrat gehen. Ein
"Erneuerbaren-Turbo" bei den Kraftwerken soll die Folge sein, wie
Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) ausführte. Wenn manche
Bundesländer "auf der Bremse stehen wollen würden", würde das nun nichts
mehr helfen, prophezeite Kogler.
Doppelprüfung der UVP-Verfahren soll künftig wegfallen
Konkret ist vorgesehen:
Doppelprüfungen im Verfahren soll es nicht mehr geben. Wenn in einem
Bundesland keine entsprechende Energieraumplanung gemacht wurde, können
UVP-Verfahren in Zukunft begonnen werden, ohne dass eine Widmung durch
die Gemeinde vorliegt. Zudem hat die Energiewende im Verfahren
"besonderes öffentliches Interesse".
600 Millionen Euro sollen für Photovoltaik zur Verfügung stehen
Viel Geld frei gemacht wird
für die Photovoltaik. 600 Millionen sollen heuer dafür zur Verfügung
stehen, wie Gewessler berichtete. Das sind gut 200 Millionen mehr als im
vergangenen Jahr. Zudem hat man künftig mehr Zeit, die Anlagen fertig
zu stellen und kann auch nach Beginn der Arbeiten eine Förderung
beantragen. Auf bereits versiegelten Flächen wird es keine
Baugenehmigung mehr brauchen. Angekurbelt werden soll zudem die
österreichische Biogas-Produktion: "Der Misthaufen soll zum Kraftwerk
werden", lautete diesbezüglich Gewesslers Devise.
Arbeitskräfte-Mangel: Menschen sollen länger arbeiten
Ein anderer
Schwerpunkt der Klausur war, wie man Menschen angesichts des
Arbeitskräfte-Mangels länger in Beschäftigung halten kann. Mehr als eine
Arbeitsgruppe, die innerhalb von drei Monaten Ergebnisse liefern soll,
hat man bisher nicht zustande gebracht. Immerhin gibt es eine gewisse
Stoßrichtung: Geprüft werden sollen u.a. eine Attraktivierung der
Erwerbstätigkeit parallel zum Bezug einer Eigenpension ab dem
Regelpensionsalter, eine Erhöhung der Anreize für einen Verbleib im
Erwerbsleben über das gesetzliche Pensionsantrittsalter hinaus sowie die
Evaluierung weiterer bestehender Steuerbefreiungen von Lohn- und
Gehaltszulagen.
Abgeschafft werden soll die geblockte Altersteilzeit
Abgeschafft wird die geblockte Altersteilzeit,
also jenes Modell, bei dem man zunächst voll und dann gar nicht mehr
arbeitet. Für Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) ist diese Variante
nicht mehr zeitgemäß. Ab 2024 steigt das Antrittsalter zur geblockten
Variante jährlich um sechs Monate, bis sie dann eben gar nicht mehr zur
Verfügung steht. Als Frohbotschaft verkünden konnte Kocher, dass der
Bildungsbonus für Personen, die sich in der Arbeitslosigkeit umschulen,
verlängert wird.
Keinen Plan für Verschäfung der Anti-Korruptionsregelungen
Etwas eigen war, dass man - wie erwartet - zwar
die Verschärfung der Anti-Korruptionsregelungen vereinbarte und das auch
würdigte, aber nicht sagte, was nun genau kommt. Das lässt man am
Donnerstag die zuständigen Ministerinnen Karoline Edtstadler (ÖVP) und
Alma Zadic (Grüne) dann wohl in Wien präsentieren.
Begleitet
wurde der Klausurausklang von lautstarken Protesten von
Greenpeace-Aktivisten. Am ersten Tag hatte sich schon "Fridays for
Future" vor dem Tagungsort postiert.