FPÖ-Mediensprecher Christian Hafenecker fordert eine Kommission zur Untersuchung etwaiger politischer Einflussnahme für alle ORF-Landesstudios.
In Niederösterreich hat bereits eine Evaluierungskommission ihre Arbeit aufgenommen. Diese müsse "sofort" nach Vorliegen von Ergebnissen die "Fakten auf den Tisch legen" und nicht erst wie angekündigt frühestens nach der NÖ-Landtagswahl. Auch die SPNÖ forderte Tempo.
Hafenecker: ORF NÖ ist "erweiterte Pressestelle der ÖVP"
Hafenecker bezeichnete den ORF Niederösterreich am Dienstag bei einer Pressekonferenz als "erweiterte Pressestelle der ÖVP" und "Selbstinszenierungsplattform" für Mikl-Leitner. "Wenn irgendwo in Niederösterreich ein Baum gepflanzt wird, ist Mikl-Leitner vor Ort und der ORF muss auf Zuruf berichten", behauptete Hafenecker. Das sei nicht im Sinne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Auch hätten sich das die dort arbeitenden ORF-Journalistinnen und -journalisten nicht verdient.
Laut internen Chats und E-Mails aus dem ORF-Landesstudio Niederösterreich, die Mitte Dezember publik wurden, soll sich Ziegler immer wieder massiv für
TV-Präsenz von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) eingesetzt
und eine Art Message Control zugunsten der Volkspartei betrieben haben.
Auch soll er landesnahe Unternehmen in ein positives Licht setzen lassen
haben. Ziegler bestreitet das.
Der FPÖ-Mediensprecher
forderte eine "schonungslose Aufklärung". Die Erkenntnisse der
Evaluierungskommission, die etwa 80 Personen zu den Vorgängen im
ORF-NÖ-Landesstudio befragt und prüft, ob Ziegler gegen das ORF-Gesetz,
das Redaktionsstatut oder Programmrichtlinien verstoßen hat, dürften
nicht "im Sinne der ÖVP vertuscht" und auf nach der Landtagswahl
verschoben werden. "Das wäre absolut falsch. Damit prolongiert man die
Negativpunzierung des ORF Niederösterreich", meinte Hafenecker. Die
Wählerinnen und Wähler sollten sich ein Bild über "das System in
Niederösterreich" machen können.
FPÖ will Prüfung politischer Einflussnahme in ORF-Landesstudios
Auch fragte sich der FPÖ-Mediensprecher,
warum Ziegler weiterhin als ORF-NÖ-Landesdirektor agieren könne. Eine
Beurlaubung wäre angesichts der Vorwürfe "ein erster Schritt", so
Hafenecker. ORF-Chef Roland Weißmann kam der Forderung des
ORF-Redaktionsrats, Ziegler zu suspendieren, nicht nach.
"Die Einflussnahme von Politikern auf den ORF sollte uns erschrocken machen", sagte Hafenecker. Aber auch FPÖ-Spitzenpolitiker
tauschten sich in der Vergangenheit wiederholt mit formell
weisungsfreien und unabhängigen ORF-Stiftungsräten darüber aus, wie der
ORF personell und inhaltlich auf Linie gebracht werden könne. Auch
führten u.a. Chats zwischen Ex-FPÖ-Chef
Heinz-Christian Strache und ORF-TV-News-Chefredakteur Matthias Schrom
zum Rücktritt von Letzterem. Ob man von dieser Praxis mittlerweile
abgekommen sei? Strache sei nicht mehr bei der FPÖ und auch bei Schrom habe es Konsequenzen gegeben, so Hafenecker. In Niederösterreich werde dagegen "alles zugedeckt" und die politische Einflussnahme "fortgeschrieben", meinte der FPÖ-Mediensprecher. Auch Udo Landbauer, Chef der FPÖ NÖ, forderte in einer Aussendung: "Es braucht jetzt schonungslose Transparenz."
SPÖ
NÖ-Landesgeschäftsführer Wolfgang Kocevar bezeichnete es in einer
Aussendung als "absolut inakzeptabel", dass Ergebnisse der
Evaluierungskommission erst nach der Landtagswahl am 29. Jänner in
Aussicht gestellt wurden. "Der ORF muss alles
tun, um seine Unabhängigkeit sicher zu stellen. Wenn die ÖVP diese in
den Grundfesten erschüttert hat, haben die Wähler:innen auch ein Recht
das zu erfahren", sagte der Parteimanager. Zuständigkeiten hinsichtlich
der aktuellen Berichterstattung abzugeben, sei zu wenig. Kocevar
verlangte Aufklärung, Kontrolle und Transparenz.