2021/22 haben Lehrer an österreichischen Schulen insgesamt mehr als 6,1 Mio. bezahlte Überstunden geleistet.
Das entspricht einem deutlichen Anstieg gegenüber den Jahren davor, in denen jeweils etwas mehr als fünf Mio. Überstunden anfielen, zeigt die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der NEOS durch Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) Insgesamt wurden dafür rund 350 Mio. Euro ausbezahlt (Vorjahr: 310 Mio. Euro).
Die Lehrkräfte an den Pflichtschulen (v.a. Volksschulen, Mittelschulen, Berufsschulen) kamen demnach auf knapp 3,3 Mio. Überstunden, jene an den Bundesschulen (v.a. AHS, BMHS) auf rund 2,8 Mio. Damit sind die Überstunden an den Pflichtschulen deutlich angestiegen (Vorjahr: 2,5 Mio.), während sie im Bundesschulbereich sogar leicht rückgängig sind (Vorjahr: 2,9 Mio.).
Die Überstunden umfassen dabei sowohl Dauer-
als auch Einzelmehrdienstleistungen (Supplierungen). Supplierungen
fallen vor allem an, wenn ein anderer Lehrer kurzfristig ausfällt.
Dauer-Mehrdienstleistungen werden etwa dann geleistet, wenn an der
Schule dauerhaft sonst nicht ausreichend Fachlehrer zu finden sind.
Nicht in den Zahlen enthalten sind unentgeltliche Supplierungen, die die
Lehrer laut Dienstrecht in einem bestimmten Ausmaß leisten müssen.
Das
Bildungsministerium begründet die starke Zunahme der Überstunden
einerseits mit dem Lehrermangel. Außerdem habe es zusätzliche
Förderstunden aufgrund der Corona-Pandemie gegeben.
Für die NEOS
zeigt der deutliche Anstieg im Pflichtschulbereich, wie dramatisch der
Lehrermangel dort sei. "Wir müssen dafür Sorge tragen, dass jene
engagierten Lehrkräfte, die das Schulsystem am Laufen halten, nicht
ausbrennen, sondern für ihr Engagement belohnt werden. Und zwar
einerseits mit mehr Unterstützung, andererseits auch mit
Aufstiegsmöglichkeiten, wie es sie in englischsprachigen Ländern in den
Schulen bereits gibt", so Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre zur
APA. Werbekampagnen würden nicht ausreichen. Es brauche auch einen
Bürokratieabbau durch echte Schulautonomie, mehr Investitionen in die
Chancengerechtigkeit und bessere Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz
Schule. Außerdem werde auch für die Volksschulen ein
Quereinstiegs-Modell nötig sein.
Genauer als in den vergangenen Jahren haben die Länder 2021/22 die Stellenpläne an den Pflichtschulen eingehalten. Insgesamt wurden die rund 63.800 Planstellen aber noch immer um rund 1.100 Posten überzogen. Das ist weniger als in den Jahren davor, als es bis zu 2.000 Stellen waren. Insgesamt fielen durch den Überzug Kosten von 74 Mio. Euro an - davon trugen die Länder rund zwei Drittel selbst, ein Drittel der Zusatzkosten übernahm der Bund.