Außenminister Alexander Schallenberg hat große Erwartungen in das neue G20-Vorsitzland Indien als möglichen Vermittler für Friedensverhandlungen im Ukraine-Krieg.
"Ich glaube, dass eine große Rolle auf Indien zukommt in diesem Zusammenhang", sagte Schallenberg am Montag bei einem Besuch des indischen Außenministers Subrahmanyam Jaishankar in Wien. Jaishankar forderte eine Rückkehr zu Dialog und Diplomatie. "Noch sind wir nicht so weit", schränkte Schallenberg ein.
Indien habe eine Tradition des Ausgleichs zwischen den Weltmächten, so Schallenberg. Der indische Premierminister Narendra Modi sei einer der wenigen, die regelmäßig mit Ukraine und Russland im Gespräch sind. Er habe auch ein deutliches Signal an Russlands Präsident Wladimir Putin gerichtet, wonach dies kein Zeitalter des Krieges sei. Schallenberg sagte, er habe auch hohe Erwartungen an den indischen G20-Vorsitz, "dass sie (Indien, Anm.) eine der Stimmen der Vernunft sein werden".
Noch
werde versucht, in der Ukraine am Schlachtfeld eine Entscheidung zu
finden, sagte Schallenberg. "Frieden wird immer am Verhandlungstisch
gemacht", auch dieser Krieg werde diesbezüglich keine Ausnahme sein.
Indien
mache starken Druck für Verhandlungen und Gespräche, sagte Jaishankar
in Hinblick auf den Krieg in der Ukraine. "Es gibt heute eine sehr
starke globale Stimmung für die Beendigung dieses Konflikts und für die
Rückkehr zu Verhandlungen." Ein Großteil der Entwicklungsländer leide
unter den gestiegenen Preisen für Energie, Nahrungsmittel und Dünger.
Als G20-Vorsitzender habe Indien eine spezielle Verantwortung, dies zu
thematisieren.
Modi habe vor kurzem nicht nur mit dem ukrainischen
Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, sondern auch mit Putin gesprochen. Er
selbst stehe in einem regelmäßigen Austausch mit Russlands Außenminister
Sergej Lawrow und dem ukrainischen Chefdiplomaten Dmytro Kuleba, so
Jaishankar. Einige Probleme seien vordringlich zu lösen. Als Beispiele
nannte der indische Außenminister den Export von Agrargütern und die
Sicherheit des ukrainischen AKW Saporischschja. Jaishankar will den
IAEA-Chef Rafael Grossi morgen in Wien treffen.
Der indische Außenminister war im Rahmen seines Arbeitsbesuchs in Wien bereits am Sonntag mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) zusammengetroffen. Er besuchte gemeinsam mit der Regierungsspitze das Neujahrskonzert.