Wifo-Chef zeigt sich zuversichtlich, dass Österreichs Konjunktur im neuen Jahr wieder anspringe. Seine Zuversicht begründete er mit höheren Realeinkommen der Bevölkerung in den kommenden zwei Jahren.
Der Chef des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) führt dies auf die hohen Lohnabschlüssen, die Auswirkungen der ökosozialen Steuerreform sowie die Abschaffung der kalten Progression zurück, die den Konsum unterstützen würden, sagte Gabriel Felbermayr in der Ö1-Reihe "Im Journal zu Gast".
Wifo-Chef für Österreichs Konjunktur 2023 zuversichtlich
Ein Problem sieht der Ökonom darin, dass die Erwartungen der Bevölkerung enttäuscht werden. Dies könne zu einer politischen Polarisierung führen. Bisher hätten die Maßnahmen der Regierung jedoch gegriffen. So wurden die Belastungen durch die hohe Inflation für rund 20 Prozent der schwächsten Einkommen durch Unterstützungen kompensiert oder sogar leicht überkompensiert, verweist der Ökonom auf Berechnungen der Nationalbank und des Budgetdienstes des Parlaments.
Tarifpartner hätten "einen guten Job gemacht"
Die
Maßnahmen der Regierung hätten also gegriffen. Aber auch die
Tarifpartner hätten "einen guten Job gemacht", sagte Felbermayr im
Interview. Als nächstes stünden noch die Kollektivvertragsverhandlungen
für die Elektrobranche im Frühjahr an. Die Inflationsrate werde im
Februar/ März bei 9,2 bis 9,3 Prozent liegen. Doch dann brauche es keine
großen Transferzahlungen mehr, da die Inflation bereits abgegolten
wurde.
Felbermayr: Es bleibt für den Staat weiterhin teuer
Allerdings werde es für den Staat weiterhin teuer werden.
Felbermayr geht davon aus, dass der Energiekostenschuss 2 etwa 1 bis 1,5
Prozent des BIP kosten werde. Weiters werde die eine oder andere
Maßnahme auf Grund des politischen Drucks verlängert werden. Aber der
Staat könne es sich nicht auf Dauer leisten, die Maastricht-Kriterien
zur Neuverschuldung zu verfehlen. "Die nächste Krise wird hoffentlich
spät kommen, aber sie wird kommen. Und da braucht man fiskalpolitischen
Spielraum", so der Wifo-Chef. Vorerst sinke jedoch trotz der
Neuverschuldung die Schuldenquote. Die hohe Inflation entwerte die
Schulden. Allerdings sei dies ein gefährliches Spiel, da damit auch die
Ausgaben steigen würden. Daher brauche es eine fiskalische
Zurückhaltung.
Wifo-Chef verweist auf klimaschädliche Subventionen
Bei den Ausgaben verweist der Wifo-Chef etwa auf
klimaschädliche Subventionen, die sich auf 5 bis 6 Mrd. Euro jährlich
belaufen. Bei der Steuer bedürfe es einer Änderung, wobei die Steuerlast
nicht erhöht werden müsse. Dadurch sollten etwa Anreize geschaffen
werden, länger zu arbeiten. Und im Steuersystem gäbe es
Doppelgleisigeiten. Weiters müssten Steuer-Schlupflöcher geschlossen
werden. Aber auch über eine Vermögens- und Erbschaftssteuer müsse
nachgedacht werden.
Lohnnebenkosten müssten laut Felbermayr gesenkt werden
Außerdem müssten, so Felbermayr, die Lohnnebenkosten gesenkt werden. "Hier sind wir fast Weltmeister", merkt der Ökonom an.
Die
Politik müsse klarer kommunizieren, dass künftig mit höheren
Energiepreisen zu rechnen sei. Dies werde sich erst ändern, wenn
genügend erneuerbare Energie zur Verfügung stehe. Man müsse der
Bevölkerung erklären, dass Klimapolitik auch anstrengend sei. Österreich
habe durch die Wasserkraft einen großen Vorteil. Aber bei den
Klimazielen müsse man entschiedener vorgehen, wie es Deutschland im
Bereich LNG gezeigt habe. Die Politik tue sich jedoch mit der
Genehmigung neuer Projekte schwer, da sie den Widerstand der Bevölkerung
fürchte, sagte Felbermayr. Aber auch die Dekarbonisierung sowie die
Bewältigung des Ukraine-Krieges koste Geld.
Umdenken bei der Zuwanderung sei notwendig
Ein Umdenken sei auch
bei der Zuwanderung notwendig. Zwar müsse Europa die Grenzen sichern und
bestimmen, wer nach Europa komme. Aber es brauche ein klares
Einwanderungskonzept wie etwa das kanadische Modell und eine
entsprechende Zuwanderungskultur.