Ob die Rauchentwöhnung funktioniert, hängt hauptsächlich davon ab, ob genug Wille vorhanden ist. Laut Psychologen sei der kalte Entzug dabei am effektivsten.
Jedes Jahr zu Silvester ist man überzeugt, nicht nur das alte Jahr, sondern auch schlechte Gewohnheiten hinter sich zu lassen. Von einem altbekannten Spitzenreiter bei den Neujahrsvorsätzen - mit dem Rauchen aufzuhören - bleibt wenige Tage nach dem Jahreswechsel oft nur ein leeres Versprechen und der stille Wunsch, man wäre konsequenter gewesen. Wie man dieses hehre Ziel auch in die Tat umsetzen kann, erläutern Psychologinnen und Psychologen des BÖP und der Rauchfrei-Hotline.
Rauchen abgewöhnen als beliebter Neujahrsvorsatz
Grundsätzlich ist das Konzept der Neujahrsvorsätze nicht unbedingt die optimale Voraussetzung zu deren eigener Erfüllung. Schließlich bringe ein neues Jahr nicht automatisch ein "neues Ich". Der wichtigste Faktor, um einen Vorsatz zu Ende zu bringen, sei die eigene Motivation - man müsse selbst von dessen Wichtig- und Richtigkeit überzeugt sein, weiß der Psychologe Cornel Binder-Krieglstein vom BÖP (Bund Österreichischer Psychologen).
Oftmals findet man sich als Raucher oder anderweitig Abhängiger in einem Zustand der Selbstverleugnung wieder, und redet sich ein, ohnehin jederzeit aufhören zu können. Gewissheit schaffen könne man Binder-Krieglstein zufolge ganz einfach, indem man überprüft, wie lange man ohne Zigarette durchhält und wie es einem dabei geht. Selbst wenn man nach einiger Zeit doch wieder zum Glimmstängel greift, wächst trotzdem mit jedem Mal die Gewissheit und die Bereitschaft, sich sein Problem einzugestehen.
Kalter Entzug effektiver als langsames Aufhören
Wenn diese Hürde erst einmal genommen
ist, sei wissenschaftlich gut geprüft, dass der kalte Entzug die bei
weitem effektivste Art des Aufhörens sei, so Binder-Krieglstein.
Schrittweise reduzieren und ähnliche langsame Abgewöhnungsverfahren
mögen zwar stressfreier und angenehmer sein, wären im Gegenzug aber auch
weniger wirkungsvoll und nachhaltig.
Das Suchtpotenzial der Volksdroge Nikotin wird gemeinhin oft unterschätzt. Wissenschafterinnen und Wissenschafter vergleichen die Stärke der Abhängigkeit jedoch oft mit harten Drogen wie Kokain oder gar Heroin. Daher solle man laut Binder-Krieglstein nicht davor zurückschrecken, sich professionelle Hilfe zu holen. "Schließlich pickt man ein gebrochenes Bein auch nicht mit einem Tixo-Band wieder zusammen", veranschaulicht der Psychologe.
Breites Unterstützungsangebot für Betroffene in Österreich
Unterstützung
bieten hierzulande unter anderem die Österreichische Gesundheitskassa
mit dem Rauchfrei-Telefon. Seit 2006 stehen bei dieser Hotline werktags
von 10.00 bis 18.00 Uhr speziell auf Tabakentwöhnung spezialisierte
Psychologinnen und Psychologen für Gespräche, persönliche Beratungen
oder Motivation ohne Terminvereinbarung zur Verfügung. Im Jahr 2021
verzeichnete die Beratungsstelle rund 7.600 Anrufe. Ergänzend dazu gibt
es auch eine Homepage (www.rauchfrei.at), wo viele weiterleitende
Ressourcen und Beratungsangebote aufgeführt sind.
Auch eine eigene Rauchfrei-App gibt es mittlerweile, die speziell bei jungen Menschen gut ankommt. "Bei akutem Verlangen zum Telefon anstatt zur Zigarette zu greifen", rät Melanie Stulik, Gesundheitspsychologin und stellvertretende Leiterin vom Rauchfrei-Telefon, denn nach dem Gespräch sei der Drang meist wieder vorüber.
Auch Hypnosesitzungen können Nikotinsucht beenden
Um Menschen dabei zu
unterstützen, das Rauchen einzustellen, sei es Stulik zufolge wichtig,
keinen Druck aufzubauen und unverbindliche Hilfsangebote anzubieten.
Sehr hilfreich sei es auch, sich bei akutem Nikotin-Verlangen als
Gesprächspartner anzubieten und für Ablenkung zu sorgen. Außerdem solle
man Örtlichkeiten meiden, wo viel geraucht wird und natürlich selbst
keine Nikotin- oder Tabakprodukte konsumieren. Binder-Krieglstein
zufolge sei es auch sehr effektiv, "gemeinsam aufzuhören", am besten in
Verbindung mit einer Art "Vertrag"zwischen allen Aufhörwilligen.
Ein
anderer Weg, seine Nikotinsucht hinter sich zu lassen, ist die
medizinische Hypnose. Ali Zoghlami arbeitet seit etwa 20 Jahren neben
seiner Tätigkeit als Oberarzt am Wiener
Anton Proksch Institut als Hypnotiseur und hilft Rauchenden, ihr Laster
loszuwerden. Mit Magiern, schwingenden Pendeln und willenlosen
Subjekten hat diese Therapie aber nichts zu tun: Vielmehr gehe es darum,
Entspannung und Distanz zum Suchtdruck zu schaffen. Außerdem solle die
negative Zielsetzung, nicht mehr rauchen zu wollen, durch eine positive
ersetzt werden, z.B. mehr Sport betreiben zu wollen.
Auf solche Art sollen die Betroffenen in Bewegung und abgelenkt bleiben, bis ihnen das Rauchen nicht mehr abgehe. Die Erfolgsquote dieser Therapie hängt aber wie auch bei der klassischen psychologischen Betreuung hauptsächlich vom Willen des Betroffenen ab. "Hypnosesitzungen sind kein Wundermittel, die Selbstverantwortung ist sehr wichtig", betont Zoghlami.
Erfolgreiche Rauchentwöhnung hängt vom eigenen Willen ab
"Rauchfrei.at" zufolge sei es auch sehr hilfreich, einen
Bezug zu den Erinnerungen und Gewohnheiten einer Zeit vor dem Rauchen
herzustellen, um alte Lebensfreuden auch ohne Nikotin und Zigaretten
wieder zu finden. Ob die Rauchentwöhnung funktioniert, hängt
nichtsdestotrotz hauptsächlich davon ab, ob genug Wille vorhanden ist.