Verfassungsministerin Karoline Edtstadler geht davon aus, dass das Informationsfreiheitsgesetz in dieser Legislaturperiode umgesetzt wird. Sie kündigt außerdem Änderungen dazu an.
Edtstadler kündigt Anpassungen des Entwurfs des Informationsfreiheitsgesetzes zur Abschaffung des Amtsgeheimnisses an. Die Änderung der Weisungsspitze in der Justiz wird es indes nur geben, wenn gleichzeitig die Beschuldigtenrechte ausgebaut werden. "Besorgt" ist Edtstadler über den Umfragenerfolg der "extremen" FPÖ.
Edtstadler kündigt Änderungen zu Informationsfreiheit an
Dass jüngst in einer Umfrage mehr als ein Viertel der Unter-30-Jährigen an der Demokratie als bester Regierungsform zweifelt, ist für die Verfassungsministerin "eine dramatische Entwicklung, bei der man gegensteuern muss". Legislative, Exekutive, Judikative und auch die Medien als vierte Gewalt seien hier gefordert. Gerade habe erst der Angriff Russlands auf die Ukraine gezeigt, dass weder Demokratie noch Menschenrechte gottgegeben seien.
Klar sei, dass
Korruptionsskandale, Chat-Affären und Leaks nicht gerade förderlich
seien. Aber man müsse jetzt versuchen, durch harte Arbeit - etwa im
Kampf gegen die Teuerung - Vertrauen zu schaffen. Auch sollte man die
Augen einmal auf die Dinge richten, die gut laufen, wandte sich
Edtstadler gegen eine "Aufgeregtheitskultur, die immer nur das Schlechte
sieht".
Edtstadler zu Umfrage-Gewinnen der FPÖ
Aktuell sei es aber offenbar "ein Zug unserer Zeit", dass
extremere Bewegungen und Ränder stärker auffallen und Zuspruch
erhalten, meinte die Ministerin zu den Umfrage-Gewinnen der
Freiheitlichen. Dabei sei die FPÖ in ihrer jetzigen Verfasstheit mit
sehr radikalen Ansagen als extrem einzuordnen. Eine Zusammenarbeit mit
den Freiheitlichen sei daher "überhaupt kein Thema", abgesehen davon,
dass Edstadler ohnehin davon ausgeht, die Legislaturperiode mit den
Grünen als Koalitionspartner abzuschließen.
Die Situation der auch
in Umfragen gebeutelten ÖVP will die Ministerin nicht näher erläutern,
wendet sich aber dagegen, "den eigenen Zustand zu bejammern" und
plädiert dafür zu arbeiten. Schon relativ nahe scheint eine Einigung
beim Anti-Korruptionspaket. Hier sei "bald mit Ergebnissen zu rechnen".
Ob es sich bis zur Regierungsklausur ausgeht, ließ Edtstadler offen,
auch weil hier die Klubs der Regierungsparteien verhandeln. Ebenfalls
schon früh im Jahr sollte es etwa mit der Schaffung einer neuen
Möglichkeit zur Aberkennung von Ehrenzeichen werde. In dieser Frage ist
man in enger Abstimmung mit der Präsidentschaftskanzlei.
Justizministerium tritt für Dreier-Senat ein
Länger
wird es noch mit den zwei Dauerbrennern im Justizbereich dauern. Sie
müsse die Hoffnung nehmen, dass es beim Bundesstaatsanwalt schon bei der
Regierungsklausur zu einer Einigung kommen könnte, auch wenn das Thema
dort auf die Agenda kommen werde. Die Positionen waren da ja zuletzt
weit auseinander. So tritt das Justizministerium für einen Dreier-Senat
ein, Edtstadler für eine Einzelperson und auch bei der parlamentarischen
Kontrolle schienen die Vorstellungen noch deutlich entfernt. Doch die
Verfassungsministerin meint, dass es auch schon Annäherungen gegeben
hat.
Ins Detail wollte sie diesbezüglich nicht gehen. Allerdings
stellt Edtstadler klar, dass es eine Reform nur mit einer gleichzeitigen
Reform der Beschuldigtenrechte - kürzere Verfahren, angemessener
Kostenersatz - geben könne: "Ich sehe das als Paket. So wurde es auch im
Ministerratsvortrag im Februar 2021 festgehalten."
Ädnerungen beim Informationsfreiheitsgesetz
Änderungen
wird es auch beim Informationsfreiheitsgesetz geben, das die Abschaffung
des Amtsgeheimnisses nach sich ziehen soll, avisiert die Ministerin
nach ihrer gemeinsamen Herbstrunde mit Vizekanzler Werner Kogler (Grüne)
bei den Stakeholdern: "Es wird nach diesen vielen Gesprächsrunden da
und dort selbstverständlich Nachjustierungen geben müssen."
Edtstadler deutet an, dass man jenen Stellen, die einen zu großen Bürokratieaufwand befürchten - etwa die Gemeinden - entgegenkommen könnte: "Es ist wichtig, dass sich diejenigen, die Auskunft geben müssen, auch wiederfinden im Gesetz." Stoßrichtung sei, möglichst wenig individuelle Anfragen zu erzeugen, weil Informationen proaktiv in eine eigene Datenbank gestellt werden. In der Regierung besprochen werden sollen allfällige Verbesserungen Anfang des Jahres, dazu muss auch die Opposition eingebunden werden, da es für den Beschluss einer Zwei-Drittel-Mehrheit bedarf.