Bezüglich der Tiroler Fahrverbote verschärft der italienische Verkehrsminister Matteo Salvini nun seinen Ton und droht Österreich mit einem Vertragsverletzungsverfahren.
Bei einer Ansprache beim Frächterverband Confartigianato Trasporti am Samstag beklagte er "die völlig unzureichende Zusammenarbeit der österreichischen Behörden bei den äußerst restriktiven Verfahren für den grenzüberschreitenden Zugang von Lastkraftwagen". Er drohte Österreich mit einem Vertragsverletzungsverfahren in Brüssel. In Tirol zeigte man sich unbeeindruckt.
"Gibt es von österreichischer Seite kein Signal und
wird keine Einigung erzielt, werden wir ein
Vertragsverletzungsverfahren beantragen", sagte der Vizepremier und Chef
der rechten Regierungspartei Lega laut Medienangaben. "Der italienische
Staat verfügt über Instrumente, um deutlich zu machen, dass wir die
Geduld verloren haben, weil unlauterer Wettbewerb nicht mehr erduldet
werden kann", fügte er hinzu.
Salvini erklärte, er werden im
Jänner mit seinem deutschen Amtskollegen Volker Wissing das Thema
Fahrverbote diskutieren. Ziel sei, mit einer gemeinsamen Initiative die
Europäische Kommission unter Druck setzen. Italien sei bereit, alles
Erdenkliche zu unternehmen, um seine Interessen zu verteidigen. "Es ist
nicht tolerierbar, dass es in Europa Länder erster und zweiter Klasse
gibt." Der Italiener beklagte ungleiche Wettbewerbsbedingungen.
Tirols
Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) seinerseits betonte in einer
Reaktion, "dass die Tiroler Anti-Transitmaßnahmen nicht willkürlich
passieren, sondern dem Schutz von Mensch, Natur und Umwelt sowie der
Aufrechterhaltung der Luftgüte und der Verkehrssicherheit dienen". Man
werde an den Maßnahmen solange festhalten, bis es eine bessere Lösung
für die Tiroler gebe, und lasse sich nicht einschüchtern. "Wir wissen,
dass alle von uns gesetzten Maßnahmen EU-rechtskonform sind",
unterstrich Mattle. Tirol wolle gemeinsam mit Italien und Deutschland
konkrete Entlastungsmaßnahmen für den gesamten Brennerkorridor
entwickeln und die gemeinsamen Probleme entlang des Korridors auch
gemeinsam angehen. Ausschlaggebend sei, dass der Verkehr im Alpenraum
künftig fair auf die verschiedenen Übergänge verteilt werde.
Für Tirols Verkehrslandesrat René Zumtobel (SPÖ) war ein Abrücken von den Maßnahmen ebenfalls undenkbar. Beim Gesundheitsschutz dürfe es in Europa keine Länder erster oder zweiter Klasse geben, dazu brauche es eine Verkehrswende für alle Menschen dies- und jenseits des Brenners. Zumtobel lud den neuen italienischen Verkehrsminister ein, "dieselbe Energie, die er aktuell in die Forderung nach mehr Straßenverkehr steckt, in die Verlagerung auf die Schiene zu investieren".