In Niederösterreich sollen ab 2023 in einem Pilotprojekt offene Kassenarztstellen durch Vertretungsmediziner besetzt werden. Kritik kommt von SPÖ und FPÖ.
Mit dem Bereitstellungsdienst sollen in Niederösterreich durch den Einsatz von Vertreungsmedizinern Lücken geschlossen werden, bis ein Nachfolger gefunden ist. Ein Pilotprojekt in Mistelbach, Maissau (Bezirk Hollabrunn) und Gänserndorf soll im ersten Quartal 2023 starten, sagte ÖVP-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner in einer Pressekonferenz am Donnerstag.
Viele Kassenstellen in Niederösterreich derzeit unbesetzt
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Kassenarztstellen seien aktuell unbesetzt, davon 29 Allgemeinmediziner
und 14 Fachärzte, informierte Harald Schlögel, Präsident der Ärztekammer
für Niederösterreich. Norbert Fidler, Vorsitzender des
Landesstellenausschusses der ÖGK in NÖ, verwies auf eine vertragliche
Basis zwischen allen Krankenversicherungsträgern und der Ärztekammer.
Gestartet wird mit je einem Allgemeinmediziner in Mistelbach und Maissau
sowie einem Kinderarzt in Gänserndorf.
Der Bereitstellungsdienst soll auf einen Pool an Ärzten zurückgreifen. In Wien umfasse dieser 400 Mediziner. Es bestehe Interesse, auch in Niederösterreich tätig zu werden, sagte Schlögel. Ein ähnlicher Pool soll etabliert werden. Zu potenziellen Vertretern zählen etwa auch junge oder pensionierte Mediziner sowie jene, die flexibel arbeiten wollen, sagte Landesrat Martin Eichtinger (ÖVP).
Mikl-Leitner will mit Pilotprojekt Versorgung bei Facharztordinationen garantieren
"Die Ärzte haben keinen bürokratischen
Aufwand und kein unternehmerisches Risiko", so Fidler. Die Koordination
der Einsätze soll Notruf NÖ übernehmen. Die Kassenarztstelle werde
weiterhin ausgeschrieben, erklärte Eichtinger. Sobald die Planstelle
nachbesetzt werde, ende das System der Bereitstellung. "Wir wollen
ärztliche Versorgung nicht nur bei praktischen, sondern auch bei
Facharztordinationen garantieren", umriss Mikl-Leitner die "blau-gelbe
Gesundheitsoffensive".
Zur Anfang 2018 kurz vor der damaligen Landtagswahl präsentierten Landarztgarantie meinte Mikl-Leitner im Rückblick: "Ja, wir hätten uns mehr erwartet, aber dann kam Corona." Das Land Niederösterreich habe damals eine Übergangslösung bei praktischen Ärzten geschaffen. "Jetzt gibt es ein besseres System. Ich hätte mir dieses Modell schon vorher gewünscht", meinte die Landeshauptfrau.
Kritik von SPÖ und FPÖ an Pilotprojekt in NÖ
SPÖ und FPÖ übten in Aussendungen Kritik. Die Anzahl an offenen Kassenarztstellen sei seit 2018 stark gestiegen. "Mit leeren Wahlkampfversprechen versucht die ÖVP den fehlenden Plan für die beste Gesundheitsvorsorge zu verschleiern", meinte SPNÖ-Landesparteivorsitzender LHStv. Franz Schnabl. FPNÖ-Landespartei- und Klubobmann Udo Landbauer bezeichnete die Landarztgarantie in einer Aussendung als "gescheitert" und meinte: "Statt ehrlicher Lösungen präsentiert die ÖVP-Landesparteiobfrau kurz vor der das nächste Märchen." Er forderte die 100-prozentige Rückerstattung des Kassenarzttarifes bei Wahlärzten in jenen Regionen, wo eine akute Unterversorgung besteht - etwa im Weinviertel für die Kinder- und Jugendheilkunde. Weiters verlangte Landbauer die Einrichtung mobiler Kassenordinationen.