Bundeskanzler Karl Nehammer hat sich im Vorfeld des EU-Gipfels am Donnerstag aufgrund der hohen Asylzahlen für mehr Grenzbarrieren an EU-Außengrenzen ausgesprochen.
"Wir müssen endlich das Tabu Zäune brechen", sagte Nehammer im Vorfeld des EU-Gipfels am Donnerstag in Brüssel. Es brauche in Bulgarien einen Zaun, der mit finanziellen Mitteln der Europäischen Union unterstützt werde. Österreich hatte aufgrund der gestiegenen irregulären Migration den Schengen-Beitritt Bulgariens und Rumäniens blockiert.
Nehammer fordert mehr Zäune an EU-Außengrenzen
Er sei im
"engen Austausch" mit den Staatsoberhäuptern der beiden Länder, so
Nehammer. "Der bulgarische Präsident führt selbst an, dass es notwendig
ist, den Zaun gegenüber der Türkei" zu verstärken, sagte der Kanzler.
Sofia brauche dafür nach eigenen Angaben rund zwei Milliarden Euro.
"Zäune
an sich sind nichts Neues", erklärte Nehammer weiter in Hinblick auf
die Barrieren an der griechisch-türkischen Grenze. "Nur bis jetzt werden
die Nationalstaaten alleine gelassen, die EU-Kommission gibt die Gelder
nicht frei."
Nehammer: Großteil der Migranten kommt nicht über Bulgarien
Bulgarien habe alle notwendigen technischen
Kriterien im Jahr 2011 erfüllt, reagierte der bulgarische Präsident
Rumen Radew zu Österreichs Schengen-Veto. Jeder Einspruch der
betroffenen Länder sei innenpolitisch motiviert. Er sei überzeugt, dass
der Großteil der Migranten nicht über Bulgarien komme. "Wir sind hoch
motiviert unsere Grenzen zu schützen", betonte der bulgarische Präsident
und verwies darauf, dass drei bulgarische Polizisten an der Grenze
gestorben seien. "Sie wurden an der Grenze erschossen, während sie die
Außengrenze der EU schützten", so Radew. Er verlange daher, dass
Bulgarien wie ein solidarisches Land angesehen werde.
Radew sagte
weiters, er sei in engem Austausch mit Nehammer und Bundespräsident
Alexander Van der Bellen und er denke, dass man "gemeinsam sehr schnell
eine Lösung finden" werde. "Ich kann garantieren, dass Bulgarien sein
Bestes tun wird, aber bitte lasst uns nicht allein, denn alleine kann
kein Land an der Frontlinie damit fertig werden."
Kritik von Johannsson am Schengen-Veto Österreichs
Ebenfalls Kritik
am Schengen-Veto Österreichs kam von EU-Innenkommissarin Ylva
Johansson: Das helfe nur Russland. Er halte es für "untauglich", den
Konflikt Russland-Ukraine mit einer Sicherheitsfrage für Unionsbürger in
Verbindung zu bringen, so Nehammer. Es müssten "Lösungen gefunden
werden und nicht untaugliche Vergleiche".
Der deutsche
Bundeskanzler Olaf Scholz betonte, dass Deutschland zur Erweiterung des
Schengen-Raums eine "klare Haltung" habe, dass neben Kroatien, auch
Bulgarien und Rumänien in den Schengenraum einbezogen werden. "Wir
werden weiter daran arbeiten, dass möglich zu machen, als gemeinsame
Entscheidung", so Scholz.
Michel verstehe Position in Bulgarien und Rumänien
EU-Ratschef Charles Michel unterstrich,
dass er voll und ganz die Position in Bulgarien und Rumänien verstehe.
Er hoffe, dass es ein paar Signale gebe, in den kommenden Monaten
Fortschritte zu erzielen. Es werde beim Gipfel keine formelle Debatte zu
Schengen geben, dennoch erwarte er, dass das Thema besprochen werden,
so der EU-Ratschef.
Bei ihrem voraussichtlich letzten Gipfel 2022
in Brüssel beraten die EU-Staats- und Regierungschef eine breite Palette
an Themen. Im Fokus stehen der russische Angriffskrieg in der Ukraine
sowie die hohen Energiepreise. Im Streit um einen EU-Gaspreisdeckel sind
die Fronten verhärtet.
Anders als sonst ist der Gipfel nur für einen Tag angesetzt. Diplomaten rechnen aber laut dpa damit, dass er bis tief in die Nacht zum Freitag andauern könnte.
Edtstadler spricht sich für "physische Barrieren" aus
Europaministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) spricht sich für die Errichtung "physischer Barrieren" im Außengrenzschutz Europas aus. "Diese physischen Barrieren wird es brauchen, um diesen Außengrenzschutz tatsächlich zu etablieren", sagte sie in einer Diskussionsrunde von krone.tv am Mittwochabend. Auf Nachfrage der Moderatorin präzisierte sie, es handle sich um "ein(en) Zaun, eine Mauer - Sie können es nennen, wie Sie wollen".
"Ich glaube, wir müssen irgendwann zur Kenntnis nehmen, dass es ohne physische Barrieren nicht gehen wird, dass wir einen ordentlichen Außengrenzschutz haben", betonte die Europaministerin weiter. In der Vorwoche hatte Österreich mit einem Veto im EU-Innenministerrat den Beitritt Rumäniens und Bulgariens zum grenzkontrollfreien Schengen-Raum verhindert. In den vergangenen Jahren haben mehrere EU-Länder zur Eindämmung der illegalen Migration Grenzzäune errichtet.