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Corona und Teuerung: Handelsangestellte doppelt betroffen

15-12-2022, 11:29

Die AK und GPA haben die Arbeitszufriedenheit im Handel erhoben. Corona und die Teuerung haben laut der Auswertung besonders starke Auswirkungen auf die Handeslangestellten.

Denn nach der Hochphase der Pandemie leiden die Handelsmitarbeiter unter der Teuerung - neuerlich im doppelten Sinne, denn neben der eigenen Betroffenheit kriege man immer öfter Kunden-Unmut zu spüren. Dazu kämen oft schwer planbare Arbeitszeiten. Also wird für mehr Respekt plädiert - seitens Kunden und Arbeitgebern.

Handelsangestellte von Corona und Teuerung betroffen

"Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen und mögen es, für die Kundinnen und Kunden da zu sein", betonte GPA-Chefin Barbara Teibe am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien. "Aber die Beschäftigten erwarten sich mehr Respekt." Dabei gehe es nicht nur um "Fakten, wie höhere Gehälter, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Arbeitszeitqualität. Wir fordern auch ein, dass die Arbeitgeber hinter den Mitarbeitern stehen, wenn es zu Situationen kommt, in denen Kunden aggressiv werden", forderte die Gewerkschafterin. Es gebe immer mehr Rückmeldungen über "wirklich aggressive Kunden".

Es komme zu Beschimpfungen bis hin zu Handgreiflichkeiten. Waren es vor kurzer Zeit noch Coronamaßnahmen wie die Maskenpflicht, die manch Einkäufer in Rage brachten, so sind es jetzt die enorm gestiegenen Preise. "Wir appellieren an die Kunden, den Handelsangestellten respektvoll gegenüber zu treten."

AK und GPA: Ergebnisse sind wenig überraschend

"Die Ergebnisse sind wenig überraschend", sagte AK-Chefin Renate Anderl. "Sie zeigen den enormen Druck, den Stress den es in der Branche gibt. Oft gibt es unbezahlte Überstunden und Arbeitszeitgesetzverletzungen. Die KV-Anwendung ist für manche Arbeitgeber im Handel offenbar manchmal ein Fremdwort."

Eigentlich ist die Zufriedenheit im Handel bei etwa drei Viertel der Mitarbeitenden gegeben, erläuterte Eva Zeglovits vom IFES-Institut. "Dann kommen aber große Aber", sagte die für die Erhebung verantwortliche. "Die Rahmenbedingungen stimmen oft nicht." Die Branche ist stark von Teilzeit geprägt und hierbei gibt es mit drei Monaten aus der Sicht von AK und GPA zu lange Durchrechnungszeiträume, um Überstunden ausbezahlt zu bekommen. "Allzu oft haben die meist weiblichen Teilzeitmitarbeiterinnen gar keine Chance aufs Geld, sondern müssen die Freizeit nehmen." Das sorge wie andere Punkte wie etwa der große Personalmangel für schwer planbare Arbeitszeiten, worunter viele Mitarbeiter litten, so Anderl und Teiber.

Arbeitsdruck im Handel ist besonders hoch

Die Teilzeitquote im Einzelhandel beträgt 39 Prozent. Sie liegt damit um 11 Punkte über dem Gesamtdurchschnitt. Derzeit gibt es 20.000 offene Stellen.

Dass der Arbeitsdruck hoch sei zeigt sich laut Zeglovits, dass in der Branche mehr Mitarbeiter auch krank zur Arbeit gingen als in anderen Wirtschaftsbereichen. "Üblicherweise machen das Mitarbeiter, um Kolleginnen nicht hängen zu lassen. Sie haben das Gefühl, es geht nicht, wenn sie ausfallen." Das bestätige auch einen hohen Zeitdruck in der Branche.

AK und GPA fordern planbarere Arbeitszeiten im Handel

Als Forderungen stellen die AK und GPA etwa, dass es für Samstagsarbeit künftig nicht mehr zwei Halbtage in der Folgewoche geben dürfe sondern einen ganzen Tag. So könne es öfter eine Fünftagewoche auch im Handel geben. Insgesamt müssten die Arbeitszeiten für die Beschäftigten planbarer werden. "Dafür können die Betriebe viel tun, unter anderem mit Öffnungszeiten, die so angepasst werden, dass die Beschäftigten ihre Arbeit mit Betreuungspflichten besser vereinbaren können."

Vorankündigungszeiten von 14 Tagen bei der Diensteinteilung sind gesetzlich vorgeschrieben, würden aber oft nicht eingehalten. Hier brauche es wirksame Strafen.

Häufig würden Beschäftigte im Handel auch nach ein paar Stunden Arbeit eine unbezahlte Pause machen. Danach müsse nochmals für ein paar Stunden gearbeitet werden. Das verhindere ein Familienleben.

(APA/Red)

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