Am Dienstag ist der neue Wettersatellit "Meteosat Third Generation Imager-1" (MTG-I1) ins All gestartet. Um die Daten richtig zu interpretieren, werden Meteorologen aus ganz Europa in NÖ trainiert.
Der Satellit startete vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou (Französisch-Guyana). Die Sonde soll u.a. schwere Unwetter besser erkennen und voraussagen. Die Meteorologen werden vom Europäischen Unwetterforschungsinstitut ESSL in Wiener Neustadt trainiert.
Meteorologen aus ganz Europa in Wiener Neustadt trainiert
MTG-I1 ist der erste Vertreter der dritten Generation der Meteosat-Wettersatelliten. Insgesamt sind sechs Sonden in dieser Serie geplant, die in den nächsten 20 Jahren aus einer geostationären Umlaufbahn verbesserte Daten für Wetterprognosen liefern sollen. Um Meteorologen auf die zusätzlichen Möglichkeiten, die diese Daten bieten, vorzubereiten, hat der europäische Wettersatelliten-Betreiber Eumetsat mit ESSL eine mehrjährige Kooperation abgeschlossen. ESSL (European Severe Storms Laboratory - Science and Training) ist nach eigenen Angaben eine gemeinnützige Forschungseinrichtung.
Training zur Interpretation der Daten des neuen Satelliten in NÖ
Das Institut wird jährlich mehr als 100 Meteorologen mittels simulierter Daten trainieren. Zudem sollen neue Produkte getestet werden, die den Meteorologen bisher nicht verfügbare Werkzeuge an die Hand geben. So wird es mit dem neuen
Wettersatelliten etwa möglich sein, Blitze vom Weltall aus zu erkennen
und die Feuchtigkeit der untersten Atmosphärenschicht zu messen.
Die
Feuchtigkeit in dieser Luftschicht sei speziell für sommerliche
Hagelunwetter entscheidend: "Aus dieser Schicht kommt das Wasser für das
Wachstum der Gewittertürme", erklärte ESSL-Chef Alois Holzer in einer
Aussendung. Von MTG-I1 erhalten die Meteorologen künftig im Abstand von
nur 2,5 Minuten neueste Daten darüber. Möglich wird dies durch eine
Kombination aus zwei Messkanälen im Nahen Infrarot- sowie im Thermischen
Infrarot-Bereich.
Neuer Wettersatellit zur besseren Vorhersage von Unwettern
Diese hohe zeitliche Abtastrate spielt gerade
bei der Entstehung von Unwettern eine entscheidende Rolle für
rechtzeitige Warnungen. "Wir können in Zukunft mit sogenannten
rapid-Scan Bildern im Abstand von wenigen Minuten sehen, wie heftige
Gewitter geboren werden", so Holzer. Erstmals werde es auch möglich
sein, Blitze vom Satelliten aus zu erfassen. Besonders für Gebiete ohne
gutes Blitzortungssystem, also etwa Meeresgebiete oder weniger
entwickelte Staaten, würden die innovativen Blitzdaten deutlich
verbesserte Warnmöglichkeiten bieten.
Bis der neue Satellit erste Daten an die Wetterdienste liefert, dürfte noch etwas Zeit vergehen: Eumetsat geht davon aus, dass es etwa ein Jahr dauern wird, bis der Satellit im Orbit ausreichend getestet und eingestellt ist.