Am Dienstag hat der Nationalrat die Gewinnabschöpfung von Energieunternehmen beschlossen.
Die entsprechenden Gesetze erhielten die Zustimmung von ÖVP, Grünen und NEOS, ebenso eines für die - freiwillige - Stromverbrauchsreduktion. Den Rahmen für die Gesetzesanträge bildet die im Oktober beschlossene EU-Notfallmaßnahmenverordnung. Der SPÖ gingen die Maßnahmen zu wenig weit, die FPÖ ortete die Symptombekämpfung und Marketingschmähs.
Gewinne werden mit Energiekrisebeitrag besteuert
Mit dem Energiekrisenbeitrag für fossile Energieträger werden die krisenbedingten Gewinne von Öl- und Gasfirmen im zweiten Halbjahr 2022 sowie 2023 besteuert. Als Vergleichszeitraum wird der Durchschnittsgewinn der Jahre 2018 bis 2021 herangezogen. Liegt der aktuelle Gewinn um mehr als 20 Prozent über diesem Durchschnitt, werden 40 Prozent davon abgeschöpft. Um Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu unterstützen, wurde jedoch ein Absetzbetrag vorgesehen, der den Beitragssatz auf 33 Prozent reduziert. Die Investitionen müssen grundsätzlich zwischen dem 1. Jänner diesen Jahres und dem 31. Dezember kommenden Jahres getätigt werden.
Mit dem
Energiekrisenbeitrag Strom wiederum wird der Erlös von Stromerzeugern
mit einer installierten Kapazität von mehr als 1 MW mit 140 Euro pro MWh
gedeckelt. Dies betrifft die Veräußerung von im Inland erzeugtem Strom
aus Windenergie, Solarenergie, Erdwärme, Wasserkraft, Abfall,
Braunkohle, Steinkohle, Erdölerzeugnissen, Torf und
Biomasse-Brennstoffen mit Ausnahme von Biomethan. Der maximale Erlös
steigt auf 180 Euro pro MWh, wenn in den Jahren 2022 und 2023
Investitionen in erneuerbare Energien geltend gemacht werden können.
Stromverbrauchsreduktionsgesetz als Maßnahme
Dritte
Maßnahme ist das Stromverbrauchsreduktionsgesetz. Es hat zum Ziel, den
Stromverbrauch in "Spitzenzeiten" (8 bis 12 Uhr sowie 17 bis 19 Uhr) um
durchschnittlich mindestens fünf Prozent zu reduzieren, um die
Strompreise zu senken, den Verbrauch von fossilen Brennstoffen zu
minimieren und das Risiko von Versorgungsengpässen herabzusetzen. Die
Maßnahmen sollen auf Freiwilligkeit basieren. Sollten Maßnahmen wie
Aufrufe nicht zum Ziel führen, könnten Ausschreibungen über
Stromverbrauchsreduktionen kommen.
Von der SPÖ kam Kritik, denn
statt 6 bis 8 Mrd. Euro abzuschöpfen, wie von den Sozialdemokraten
vorgeschlagen, hole die Koalition nur 1 bis 2 Mrd. an Übergewinnen. Was
man hier liegen lasse, werde ein - dann wohl mit neuen Schulden
finanzierter - Gaspreisdeckel für die Industrie kosten, prophezeite
SP-Mandatar Kai Jan Krainer. Hubert Fuchs (FPÖ) warf der Koalition vor,
sich mit Symptombekämpfung zufriedenzugeben, statt sich für eine
Änderung des Merit Order Prinzips am Strommarkt einzusetzen. Das
Stromverbrauchsreduktionsgesetz wiederum sei ein "reiner
Marketingschmäh", von dem nur das Werbebudget von Umweltministerin
Leonore Gewessler (Grüne) profitiere.
Magnus Brunner verteidigte die Gesetze
Finanzminister Magnus
Brunner (ÖVP) hingegen verteidigte die Gesetze. Er sprach von
"außergewöhnlichen Zeiten, die außergewöhnliche Maßnahmen erfordern". In
Folge der Krise, speziell wegen des Kriegs in der Ukraine, gebe es ein
Ungleichgewicht an den Energiemärkten und Zufallsgewinne. Einen Teil
davon über einen begrenzten Zeitraum abzuschöpfen, sei durchaus
sinnvoll. Ein Markteingriff auf europäischer Ebene wäre durchaus
sinnvoll gewesen, konzedierte er, dafür habe es aber keine Mehrheit
gegeben.
Nationalrat beschloss Gewinnabschöpfung von Energieunternehmen
Jakob Schwarz (Grüne) sprach von einem "Haufen Geld", über den einige Konzerne aufgrund der Teuerungskrise gestolpert seien. Diese gelte es zu begrenzen. Auf die nunmehrigen Beschlüsse sei er stolz, denn man beschließe eine Zufallsgewinnbesteuerung auf effektive und nachhaltige Weise, die in anderen Ländern als vorbildlich gelte. Investitionsmöglichkeiten in erneuerbare Energie bleiben nämlich erhalten. Karlheinz Kopf (ÖVP) unterstrich, dass man weit schneller reagiere als etwa Deutschland. Auch von den NEOS kam Zustimmung. Karin Doppelbauer forderte aber, die Einnahmen nicht "über die berühmte Gießkanne" zu verteilen.