Bei einer Pressekonzerenz wurde gefordert, dass Bundesländer, welche die Quote zur Unterbringung von Asylwerbern nicht erfüllen, Strafzahlungen leisten sollen.
Die Pressekonferenz fand gemeinsam mit der Asylkoordination, Traiskirchens Bürgermeister Andreas Babler (SPÖ), Schauspielerin Katharina Stemberger und Migrationsforscherin Judith Kohlenberger statt. Finanziert werden soll damit der angekündigte Teuerungsausgleich für Quartiergeber.
Asyl: Forderung nach Strafzahlungen für Bundesländer
Eine "nachhaltige Lösung der Unterbringungskrise" könne nur erreicht werden, wenn in den Bundesländern ausreichend Quartiere geschaffen werden, sagte Lukas Gahleitner-Gertz von der Asylkoordination. "Der Teuerungsausgleich wurde zwar angekündigt, aber gekommen ist noch nichts", kritisierte er. "Die Zeit drängt." Vielen privaten Quartiergebern gehe die Luft aus. "Es braucht hier Sanktionen, es braucht hier Strafzahlungen", forderte er.
Die
15a-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern über die Unterbringung von
Asylwerbern sei "am Papier richtig", sagte Babler. "Aber es ist eine
zahnlose Vereinbarung", sprach auch er sich für mehr Verbindlichkeit aus.
2.000 Menschen im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen
Seit
Monaten befänden sich an die 2.000 Menschen im Erstaufnahmezentrum
Traiskirchen, während in der gesamten Landesgrundversorgung in
Niederösterreich rund 1.300 Asylwerber untergebracht seien, kritisierte
Babler die "Massenlagerzustände". "Man versucht, künstlich das
abschreckende Bild Traiskirchen zu produzieren", sagte er. Erstmals habe
das System auch obdachlose Geflüchtete geschaffen. Politisch
Verantwortliche, die durch ihre Handlungen Menschen Schaden zufügten,
seien "das Allerletzte", fand Babler scharfe Worte.
Eine "eklatante Verantwortungsverweigerung seitens der Bundesländer
und des Bundes" ortete Migrationsexpertin Kohlenberger. Österreich sei
"sehenden Auges und mit sehr viel Anlauf" in die Unterbringungskrise
geraten. Auch sie übte Kritik daran, dass die Nichterfüllung der Quote
nicht sanktioniert werde. "Einzig und allein den Außengrenzschutz als
Antwort auf die Herausforderungen in der Asylpolitik zu geben, das ist
zu kurzfristig." Das Veto Österreichs gegen den Schengen-Beitritt von
Rumänien und Bulgarien bezeichnete sie als "Ablenkungsmanöver".
Quartiergeber Gollowitzer fühlt sich von Politik im Stich gelassen
Von
der Politik im Stich gelassen fühlt sich auch der private Quartiergeber
Hannes Gollowitzer, der gemeinsam mit seiner Familie in seinem
Einfamilienhaus im Burgenland vier Geflüchtete aus der Ukraine
untergebracht hat. Er beklagte, dass es mehr bürokratische Hürden als
Unterstützung von staatlicher Seite gebe. Auch mangelnde finanzielle
Unterstützung sei gerade angesichts der Teuerung ein Problem für viele private Quartiergeber.
"Jeder Mensch hat das Recht auf ein faires Asylverfahren und menschenwürdige Unterbringung", betonte Stemberger, Vorsitzende der Initiative "Courage - Mut zur Menschlichkeit". "Herbergsuche heute ist kein Gnadenakt, sondern ein Recht", so die Schauspielerin.