Am 29. Jänner steht bei der niederösterreichischen Landtagswahl das Kernland der ÖVP und damit die Bundespartei auf dem Prüfstand.
Nicht nur, dass sie die größte Mitgliederzahl aller Landesorganisationen aufweist und regelmäßig einen erklecklichen Stimmenanteil bei Nationalratswahlen liefert, stellt die Landespartei das Personal für etliche Spitzenfunktionen in Staat und Partei. Dementsprechend heikel ist der Urnengang bei der NÖ-Wahl aus Parteisicht.
NÖ-Landespartei redet in Personalfragen mit
Seit Gründung der Volkspartei hat die niederösterreichische Landespartei in Personalfragen ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Bekanntermaßen waren bereits Bundeskanzler Leopold Figl wie auch sein Nachfolger Julius Raab Niederösterreicher. Was die Obmänner anbelangt, entsprangen (Karl Nehammer eingerechnet - der zwar aus Wien stammt, aber in der niederösterreichischen VP sozialisiert wurde) sieben der mittlerweile 18 aus der Landesorganisation. Und auf das Innenministerium hat die Landespartei - so scheint es - ohnedies eine Erbpacht, zumindest wenn man die jüngere Vergangenheit betrachtet. Mit Johanna Mikl-Leitner, dem nunmehrigen Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka, Nehammer und Gerhard Karner kamen in den vergangenen zehn Jahren vier Innenminister aus dem Stall der niederösterreichischen Volkspartei.
Vier schwarze Niederösterreicher in politischen Spitzenfunktionen
Aktuell sind mit Nehammer, Sobotka, Karner und Verteidigungsministerin Klaudia Tanner überhaupt gleich vier schwarze
Niederösterreicher in politischen Spitzenfunktionen. Aber auch in der
Bundespartei tummeln sich mit Generalsekretär Christian Stocker,
U-Ausschuss-Fraktionsführer Andreas Hanger oder Kommunikationschef
Gerald Fleischmann (der Burgenländer hatte seine Karriere in der
Kommunikationsabteilung der VP-Niederösterreich begonnen) etliche
Vertreter aus dem
flächenmäßig größten Bundesland an wichtigen Schaltstellen. Dass mit
Fleischmann, gegen den in der Umfragen-Affäre ermittelt wird, ein
Vertrauter von Ex-Kanzler Sebastian Kurz wieder das Steuer über die
Kommunikation der Bundespartei in Händen hält, ist selbst parteiintern
nicht unumstritten. Und last but not least übt mit Alexander Pröll, der
mit Stocker die Geschäfte der Volkspartei führt, nach Erwin und Josef
die dritte Generation aus der Familie Pröll eine zentrale Funktion in
der Partei aus.
NÖ-Wahl: Kernland der ÖVP auf dem Prüfstand
Aber nicht nur als Personalreserve, sondern auch
als gut geölte Wahlkampfmaschine ist die Landesorganisation bekannt.
Nicht zuletzt wegen ihrer großen Mitgliederzahl verfügt sie über die
dafür nötige finanzielle Wahlkampfmunition - ohne sie würden auch bei
Bundeswahlkämpfen die erforderlichen Mittel fehlen, was ihre
Machtposition den anderen schwarzen
Landesorganisationen gegenüber unterstreicht. Zuletzt hat sich die
Landespartei jedoch um Distanzierung zur derzeit in Umfragen nicht
gerade wohl gelittenen Mannschaft im Bund bemüht. Der Zuspruch für die
ÖVP wie für die türkis-grüne Koalition insgesamt ist beileibe nicht
berauschend. Die Bundespartei rangiert aktuell in Umfragen hinter SPÖ
und FPÖ.
Daher ist die Landespartei derzeit (mehr oder weniger
offensichtlich) um Abgrenzung bemüht. Etwa tritt man bei der
Landtagswahl am 29. Jänner als "LH Johanna Mikl-Leitner - VP
Niederösterreich" an, wie die Tiroler VP im September vorexerziert hat.
Zuvor ventilierte Spekulationen um einen möglichen offiziellen Antritt
mit dem Zusatz "Die
Niederösterreich Partei" haben sich dann letztlich nicht bewahrheitet.
Ob die Distanzierung zur Bundespartei trotz der personellen
Verflechtungen funktionieren wird, bleibt abzuwarten.
Türkiser Bonus wurde zu türkisem Malus
Fest steht jedenfalls, dass die bei der Landtagswahl im Jänner 2018 damals noch mit türkisem Rückenwind aus dem Bund erreichten 49,6 Prozent der Stimmen und die absolute Mandatsmehrheit in weiter Ferne liegen. Denn aus dem türkisen Bonus ist mittlerweile ein türkiser Malus geworden. Zwischenzeitlich lancierte Gerüchte, die niederösterreichische ÖVP dränge Kurz dazu, seine Parteimitgliedschaft ruhend zu stellen, zeugen von Nervosität. Da aber viele in der Wählerschaft der ÖVP die Rolle, die der Ex-Kanzler gespielt hat, differenziert sehen, könnte ein derartiger Schuss nach hinten losgehen. Ebenso könnte es sich mit dem Abnabelungsversuch der niederösterreichischen Landes- von der Bundespartei verhalten.