Am Mittwoch muss sich ein 55-Jähriger wegen Mordes an seiner Ehefrau vor Geschworenen am Wiener Landesgericht verantworten.
Laut Anklage hat der Vater einer Tochter seine krebskranke Frau im vergangenen Februar mit den bloßen Händen erwürgt. Anschließend wollte er sich mit Tabletten, die seiner Frau verschrieben worden waren, umbringen. Der Tochter schrieb er via Mail einen Abschiedsbrief, die Frau verständigte die Einsatzkräfte. Der 55-Jährige überlebte.
Krebskranke Ehefrau mit bloßen Händen erwürgt: Prozess
Das Paar war seit 1991 standesamtlich verheiratet, 1992 kam die gemeinsame Tochter auf die Welt. Im Sommer 2021 klagte die Ehefrau erstmals über Bauch- und Magenschmerzen und nach etlichen Untersuchungen wurde im Dezember 2021 Bauchspeicheldrüsenkrebs mit multiplen Metastasen in der Leber und in der Lunge diagnostiziert und sofort mit der Chemotherapie begonnen. Der 55-Jährige hatte laut Anklageschrift im Dezember 2021 das erste Mal Suizidgedanken, erzählte davon aber nichts seiner immer schwächer werdenden Frau.
Frau hatte laut Anklage Hoffnung den Krebs zu besiegen
Am 15. Jänner 2022 holten
der Angeklagte und seine Frau zuhause die kirchliche Trauung nach, fünf
Tage später wurde ihre Enkeltochter geboren. Rund einen sollten die
Tochter mit dem Baby und später auch der Schwiegersohn für längere Zeit
zu ihnen in die Wohnung zu Besuch kommen sollen. Der Ehemann war von der
Einladung wenig begeistert, weil dies wegen der Krankheit seiner
Ehefrau und der beengten Raumsituation Stress und Belastung für ihn
bedeutete, geht aus der Anklage hervor. Die Tage vor der Tat am 24.
Februar ging es der Ehefrau ein bisschen besser, sie soll ihrem Mann
auch gesagt haben, er solle zwar derjenige sein, der ihr die letzte
Tablette geben solle, aber noch nicht zu diesem Zeitpunkt, weil sie
nämlich keine gröberen Schmerzen habe. Die Frau war laut Anklage positiv
gestimmt, hatte auch Hoffnung, den Krebs zu besiegen und machte Pläne
für die Zukunft, unter anderem organisierte sie eine Reise nach Hamburg
im Juni. Sie wollte nicht sterben, heißt es in der Anklageschrift. Das
bestätigten demnach auch ihre Kontaktpersonen, die Frau habe zuletzt
einen lebensbejahenden Eindruck gemacht.
Paar lag in der Nacht der Tat von Schlaflosigkeit der Frau lange wach
In der letzten Nacht lag
das Paar aufgrund von Schlaflosigkeit der Frau lange wach. Als sie um
4.00 Uhr eingeschlafen war, fasste der Mann laut Anklage den Entschluss,
Selbstmord zu begehen. Weil er seiner Darstellung zufolge die Ehefrau
nicht alleine lassen wollte, erwürgte er sie. Danach er die für die Frau
bestimmten Tabletten und trank eine halbe Flasche Whiskey. Rund sechs
Stunden nach der Tat hatte der Mann noch knapp ein Promille Alkohol im
Blut. Die Medikamenten-Konzentration in seinem Blut war laut Gutachten
akut toxisch und lag auch in einem Bereich, der unter Umständen schon
für sich genommen zu einem komatösen bis letalen Verlauf führen kann.
Vater schrieb Abschies-Mail an Tochter nach Mord an Frau
Nach
der Tötung schrieb der Angeklagte der Tochter ein Abschieds-Mail. Nach
mehreren Anrufen und Nachrichten telefonierte er mit der Frau rund fünf
Minuten, reagierte im Anschluss aber nicht mehr auf weitere
Kontaktversuche, woraufhin die Tochter die Einsatzkräfte verständigten.
Die Reanimation der Ehefrau blieb erfolglos. Der 55-Jährige wurde
festgenommen.
Frau starb laut Gutachten durch Würgen eines gewaltsamen Todes
Die Frau starb laut Gutachten in Folge eines
Angriffs gegen den Hals durch Würgen an Atem- und Hirnlähmung eines
gewaltsamen Todes. Der Angeklagte war zum Tatzeitpunkt zwar depressiv,
seine Zurechnungsfähigkeit war jedoch immer gegeben. Bei seiner
Einvernahme durch die Polizei verantwortete sich der Mann
tatsachengeständig.
Die Verhandlung ist für einen Tag anberaumt.
Für den 55-Jährigen geht es im Fall eines anklagekonformen Schuldspruchs
um zehn bis 20 Jahre oder lebenslange Haft. Verteidigerin Astrid Wagner
kündigte an, auf Totschlag plädieren zu wollen.