Vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs will Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) den Fokus auf den Westbalkan nicht verlieren.
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) will vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs den Fokus auf den Westbalkan nicht verlieren. Österreich, das heuer den Vorsitz der Zentraleuropäischen Verteidigungskooperation (Central European Defence Cooperation/CEDC) inne hat, sei durch den russischen Angriff vor besondere Herausforderungen gestellt worden. Niemand habe mit einem "derartigen Wandel der Sicherheits- und Verteidigungslandschaft auf europäischem Boden gerechnet".
Klaudia Tanner: Fokus auf den Westbalkan nicht verlieren
Der stellvertretende tschechische
Verteidigungsminister Daniel Blažkovec sagte bei einer gemeinsamen
Pressekonferenz mit Tanner im Audimax der Universität Krems am Freitag,
dass der Westbalkan "ein Garant für unsere Sicherheit" sei. Denn auch im
Hinblick auf den Krieg in der Ukraine sei evident, dass Russland durch
hybride Kriegsführung auch in dieser Region für Zwietracht sorgen wolle.
Dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sei klar, dass Europa und der
Westen nur dann stark seien, wenn sie gemeinsam agierten. Deshalb sei
es wichtig, die Westbalkanländer an die EU und die westliche
Sicherheitsarchitektur heranzuführen. Die CEDC sei eine Plattform,
welche die Länder auf diesem Weg unterstütze, betonte Blažkovec, der in
Vertretung von Tanners tschechischer Amtskollegin Jana Černochová nach
Krems gekommen war.
"Widerstandsfähigkeit und Fortschritt in der Balkan-Region"
Wie Tanner anlässlich eines Treffens der
CEDC-Verteidigungsminister gemeinsam mit ihren Kollegen aus den
Westbalkanstaaten Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Montenegro und
Nordmazedonien in der Wachaustadt fortfuhr, müsse weiterhin für
"Widerstandsfähigkeit und Fortschritt in der Westbalkan-Region" gesorgt
und weiter an "unserer Westbalkan-Initiative" festgehalten werden. Im
Rahmen des Meetings sei auch über Migration gesprochen worden,
insbesondere mit "Blick auf die Westbalkanroute und die damit
betroffenen Staaten", sagte Tanner. "Österreich ist nicht das
Eintrittstor für Migration, sondern die uns umliegenden Länder", betonte
die Ministerin. Hier solle künftig noch enger zusammengearbeitet und es
sollten gemeinsame Lösungen gefunden werden, um illegale Migration zu
stoppen. Blažkovec ergänzte, dass die Region vor allem das Einfallstor
für Migranten aus dem Mittleren Osten nach Europa sei.
Trainingsbasis in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung schaffen
Unter
anderem solle mit dem "Western Balkan Defence College" eine
Trainingsbasis in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung geschaffen
werden, welche auf den "Grundsätzen der Europäischen Union fußt", so
Tanner. Ziel sei es, dieses Projekt, "welches sich nur durch die
Finanzierung der Europäischen Friedensfazilität umsetzen lässt", auf
EU-Ebene zu heben, so die Ministerin weiter. Dadurch solle der
Westbalkan weiter gestärkt und die Heranführung an die EU unterstützt
werden, sagte sie.
CEDC-Verteidigungsminister unterzeichneten "Joint Declaration"
Am Donnerstagabend unterzeichneten die
CEDC-Verteidigungsminister die "Joint Declaration", welche klare Ziele
definiert. Etwa ist darin die Unterstützung der von Russland
angegriffenen Ukraine festgehalten. Zudem soll die Zusammenarbeit mit
den Westbalkanstaaten auch im Hinblick auf einen EU-Beitritt weiter
ausgebaut werden.
CEDC ist eine Kooperation mitteleuropäischer Staaten
Die CEDC ist eine Kooperation der
mitteleuropäischen Staaten Tschechien, Slowakei, Ungarn, Österreich,
Slowenien und Kroatien. Gegründet wurde sie 2010. Polen, das ebenfalls
einen Vertreter nach Krems geschickt hatte, hat Beobachterstatus. Die
Präsidentschaft wechselt jährlich, nächstes Jahr ist die Tschechische
Republik an der Reihe. Österreich übernimmt den CEDC-Vorsitz wieder
2028.