Am Dienstag hat der Sozialausschuss weitere Teile der Pflegereform beschlossen. Darunter ist auch der Bonus für pflegende Angehörige und eine zusätzliche Urlaubswoche für Pflegepersonal ab 43 Jahren.
Kritik im Ausschuss kam laut Parlamentskorrespondenz von der SPÖ und den NEOS. Ihrer Meinung nach ändere sich am derzeitigen "Notstand" durch die Maßnahmen nichts. Lediglich den einheitlichen Zeitgutstunden für Nachtdienste in Pflegeheimen stimmten die roten Abgeordneten zu.
Unter anderem stimmten die Abgeordneten der Regierungsfraktionen ÖVP und Grünen gemeinsam mit der FPÖ für die Maßnahme, pflegenden Angehörigen einen jährlichen Bonus von 1.500 Euro zu gewähren. Der Bonus hätte eigentlich bereits vor dem Sommer beschlossen werden sollen und wurde nun im zweiten Anlauf auf Schiene gebracht. Anders als ursprünglich vorgesehen, wird er nun allerdings erst ab Mitte 2023 wirksam. Dafür werden auch Pensionisten und Pensionistinnen sowie Erwerbstätige mit niedrigem Einkommen diesen Bonus erhalten.
Voraussetzung
für den Bonus ist, dass die Angehörigen seit mindestens einem Jahr
einen im gemeinsamen Haushalt lebenden nahen Angehörigen pflegen und
dieser Anspruch auf Pflegegeld zumindest der Stufe 4 hat. Zudem darf ihr
eigenes monatliches Durchschnittseinkommen 1.500 Euro netto nicht
überschreiten. Ursprünglich hätte der Pflegebonus nur Personen gebühren
sollen, die für die Pflege eines oder einer nahen Angehörigen in
häuslicher Umgebung ihren Job aufgegeben haben oder als pflegende
Angehörige bzw. pflegender Angehöriger versichert sind.
Ausbezahlt
werden soll der Bonus in monatlichen Teilbeträgen, und zwar ab Mitte
2023. Sollten die technischen Voraussetzungen nicht zeitgerecht
vorliegen, ist laut Gesetzesantrag im kommenden Jahr auch eine
rückwirkende Auszahlung möglich. Die Höhe des Bonus ist grundsätzlich
mit 1.500 Euro jährlich festgelegt, 2023 werden allerdings nur 750 Euro
ausgezahlt. Der Bonus ist unpfändbar und darf nicht auf die Sozialhilfe
angerechnet werden, ab 2025 soll er valorisiert werden.
Den Anspruch auf die sechste Urlaubswoche werden laut Koalitionsantrag alle Beschäftigten im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege haben. Auch der Schweregrad der verrichteten Arbeiten soll keine Rolle spielen. Erstmals gewährt werden muss diese "Entlastungswoche" ab jenem Kalenderjahr, in dem die oder der betroffene Beschäftigte das 43. Lebensjahr vollendet. Durch die Umformulierung von zwei Passagen im Nachtschwerarbeitsgesetz wird darüber hinaus sichergestellt, dass künftig alle Pflegekräfte, die in Pflegeheimen Nachtdienste leisten, dafür ein Zeitguthaben von zwei Stunden erhalten.