Gleich mit Wochenbeginn hat der Warnstreik der Eisenbahner in Österreich begonnen. Auch in den Brauereien wird gestreikt. Doch die Streikwoche könnte sich noch ausweiten.
Seit Mitternacht stehen in Österreich die Züge still. Zudem streiken auch die Brauereien. Grund sind die gescheiterten Kollektivvertragsverhandlungen in beiden Branchen. Auch im Handel stocken die KV-Verhandlungen. Hier könnte es am Freitag und Samstag Streiks geben.
Beim Feilschen um den Handels-KV geht es um höhere Gehälter für rund 430.000 Angestellte und Lehrlinge im Einzel-, Groß- und Kfz-Handel. Am Dienstag könnte es nochmals Verhandlungen geben, die Streiks abwenden könnten, doch der Termin ist noch nicht fix. Ein GPA-Sprecher erläuterte am Sonntagnachmittag gegenüber der APA, dass es in mehr als 300 Unternehmen Streikbeschlüsse aus dortigen Betriebsversammlungen gibt. Darunter sind große Handelsketten - auch aus der Lebensmittelbranche -, Textilketten, Großhändler und Baumärkte. Wo es keinen Betriebsrat gibt, gibt es auch keine entsprechenden Beschlüsse also drohen auch keine Streiks.
Bei den Verhandlungen für 50.000 Eisenbahnerinnen und Eisenbahner von 65 Unternehmen blieb indes die fünfte Verhandlungsrunde am Sonntag ergebnislos. Bei den Arbeitgebern herrschte "Schockstarre", nachdem die Gewerkschaft das ihren Angaben zufolge bisher beste Angebot der laufenden Herbstlohnrunde ausgeschlagen hatten. Die Gewerkschaft warf wiederum den Arbeitgebern vor, am Streik schuld zu sein. Dieser dauert am Montag von 00:00 bis 24:00 Uhr. Nur von den kommunalen Verkehrsbetrieben sind die meisten unterwegs. Dazu zählt die U-Bahn in Wien, nicht aber die S-Bahn. Postbusse fahren, Schienenersatzverkehr gibt es nicht - außer für den City-Airport-Train (CAT), der Wien mit dem Flughafen Wien-Schwechat verbindet.
Auch die Brauerinnen und Brauer legen am Montag die Arbeit nieder. Hier sind weitere Gespräche für 9. Dezember anberaumt. Bei den Eisenbahnern geht es frühestens ab Dienstag wieder darum, neue Termine für Gespräche zu finden, bei denen neue Anläufe zum Lösen der vertrackten Situation gesucht werden.
Allen
Verhandlungen ist gemein, dass die Arbeitnehmer die gebotenen
Lohnerhöhungen als zu niedrig ausschlagen und keine Einmalzahlungen
akzeptieren. Die Arbeitgeberseite wirft den Gewerkschaften vor, in einer
schwierigen Situation zu viel zu wollen. Die Arbeitnehmerseite wiederum
weißt auf die galoppierende Inflation hin - und das die Menschen nun
einmal genug verdienen müssten, um nicht unter die Räder zu kommen.
Einen mehrtägigen Eisenbahnerstreik gab es übrigens zuletzt 2003. Damals ging es um eine größere ÖBB-Reform unter schwarz-freiheitlicher Regierung.