Vom 25. November, dem Tag gegen Gewalt an Frauen, bis zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember findet die Kampagne "16 Tage gegen Gewalt an Frauen" statt.
Zehn Frauen, zwei von ihnen schwarz bekleidet, stehen am Donnerstag auf dem Wiener Ballhausplatz vor dem Bundeskanzleramt. Denn jede fünfte Frau sei von Gewalt betroffen, sagte die Vorsitzende der Sozialistischen Jugend Wien, Rihab Toumi. Mehr Mittel für Gewaltschutz fordert derzeit nicht nur die SJ.
Gewalt gegen Frauen: Steigerung an Betretungsverboten in Österreich
Alle elf Minuten wird eine Frau oder ein Mädchen von einem Partner oder Familienmitglied getötet, teilten die Vereinten Nationen vor Beginn der internationalen Kampagne mit. Auch der Bundesverband der Gewaltschutzzentren Österreich berichtet von einer sukzessiven Steigerung von Klientinnen sowie Betretungs- und Annäherungsverboten. "Jedoch liegt das nicht daran, dass die Männer in Österreich gewaltbereiter sind, sondern daran, dass der Umgang mit Gewalt und auch das Verständnis dafür sensibler geworden ist", berichtet der Verband in einer Aussendung auch von positiven Entwicklungen. Die Reformen der Regierung, etwa verpflichtende Beratung für weggewiesene Personen, hätten den Opferschutz vorangebracht.
Für ÖVP-Frauen-Chefin Juliane Bogner-Strauß ist das Budget für das Jahr 2023 ein Lichtblick: "Für mehr Sicherheit und Schutz vor
Gewalt für alle Frauen und Mädchen in Österreich wird das Frauenbudget
um 5,9 Millionen Euro auf 24,3 Millionen Euro erhöht. Damit ist es
gelungen das höchste Frauenbudget aller Zeiten auf die Beine zu stellen
und dieses Geld fließt zum größten Teil in den Gewaltschutz", wird sie
in einer Aussendung zitiert.
Kritik von NEOS-Frauensprecherin Brandstötter
Wenig überzeugt von der
Regierungspolitik in dieser Thematik zeigt sich die Opposition. "Im
aktuellen Frauenbudget findet sich nichts zu Gewaltprävention und
Gesellschaftsarbeit", kritisierte NEOS-Frauensprecherin Henrike
Brandstötter. 28 Frauen seien in diesem Jahr bereits ermordet worden,
von Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) komme dazu "gar nichts", meinte
Toumi. Und auch die Vorsitzende der Wiener SPÖ-Frauen, Marina Hanke,
spricht in einer Aussendung von "reiner Symbolpolitik".
SPÖ-Frauen fordern ständigen Kristenstab bezüglich Gewalt gegen Frauen
Die
SPÖ-Frauen fordern etwa einen ständigen Krisenstab mit zuständigen
Ministerien und Gewaltschutzorganisationen sowie mehr Mittel und
Vollzeitstellen bei Gewaltschutzeinrichtungen. Außerdem schließt man
sich "den Forderungen nach 228 Millionen Euro mehr und nach 3.000 Vollzeitstellen an, die zahlreiche Frauen- und Gewaltschutzorganisationen stellen", so SPÖ-Wien-Landesparteisekretärin Barbara Novak.
SPÖ-Gleichbehandlungssprecher
Mario Lindner kritisiert, dass die Männer- und Burschenberatungsstellen
sich "von Projektförderung zu Projektförderung hanteln müssen" und
fordert eine bundesweite Basisfinanzierung solcher Angebote. Wie die
Grünen Frauen Wien sieht Lindner die Verantwortung bei den Männern.
"Viele Männer sind nicht in der Lage, Konflikte gewaltlos zu lösen", so
Sprecherin Viktoria Spielmann und nennt Anlaufstellen wie die
Männerberatung Wien und den Männernotruf (0800246247).
Grüne Frauen Wien fordern Umsetzung von Projekten
Im Zuge der
Kampagne fordern die Grünen Frauen Wien die Umsetzung dreier Projekte:
Die Einführung des Codes "Ich habe einen Termin bei Dr. Viola" in den
Krankenhäusern der Stadt Wien, der für "Ich bin Betroffene von Gewalt
und brauche dringend Hilfe" steht - mit dem Ziel, die Person an einen
sicheren Ort zu bringen und zu versorgen. Auch fordern sie mehr
opferschutzorientierte Täterarbeit in Wien sowie die Umsetzung des
Gewaltpräventionsprojekts "Stadtteile ohne Partnergewalt" in der ganzen
Stadt.
FPÖ-Gruber sieht Sicherheitsrisiko in der "Massenmigration"
Über 38 Prozent der Vergewaltigungen seien 2021 von
"fremden Tatverdächtigen" begangen worden, so
FPÖ-Oberösterreich-Landesparteisekretär Michael Gruber, der in der
"zügellosen Massenmigration" ein Sicherheitsrisiko sieht. Andere
Schlüsse zieht Brandstötter aus der Anzahl an Vergewaltigungen. Deren
Anzahl sei in Österreich zwischen 2017 und 2021 um 30 Prozentpunkte
gestiegen. "Allein im Jahr 2021 gab es insgesamt 1.060 Vergewaltigungen,
in einem Viertel der Fälle war das Opfer erst zwischen 14 und 17 Jahre
alt, so Brandstötter. Sie will beim Schutz von Kindern ansetzen. "Wir
müssen antiquierte Frauenbilder aktiv bekämpfen und dürfen sie nicht
länger im Bildungssystem, am Stammtisch und am Arbeitsplatz akzeptieren
oder gar aktiv vermitteln."
Frauen können auch im Arbeitsleben Opfer von Gewalt werden
Auch im Arbeitsleben können Frauen
Opfer von Gewalt werden. Laut ÖGB-Vizepräsidentin und
-Frauenvorsitzender Korinna Schumann erlebten über 50 Prozent der
Arbeitnehmerinnen in Österreich bereits sexuelle Belästigung am
Arbeitsplatz. Sie fordert Unternehmen auf, Maßnahmen zu setzen,
Betroffene sollen ihr "Schweigen durchbrechen".
Nicht nur die
Politik, auch Institutionen und Firmen beteiligen sich an der Kampagne.
Um auf mehr Beleuchtung von Gebäuden zu verzichten, gibt es heuer an der
Universität für angewandte Kunst zwar kein oranges Licht. Dennoch nimmt
die Hochschule - genauso wie etwa die Raiffeisenbank NÖ-Wien - an der
UN-Kampagne "Orange the World" teil, die die Verantwortung der Männer in
den Mittelpunkt rückt. Aufmerksam machen will man etwa mit Flaggen vor den Universitätsgebäuden und auf Social Media. Auch bekennt sich die Universität solidarisch mit den Frauen im Iran.
Gewalt gegen Frauen: Spar will informieren
Informieren
will indes Spar. Die Supermarktkette druckt Gewalt-Notrufnummern ab dem
25. November auf Kassabons in Wien. "Unterstützung bekommen Frauen, die
von Gewalt betroffen sind, beim 24-Stunden Frauennotruf (01/71719,
Anm.) und beim Frauenhaus-Notruf (05 77 22, Anm.) - und zwar rund um die
Uhr", so Wiens Vizebürgermeisterin und Frauenstadträtin Kathrin Gaál
(SPÖ).
In Wien geht man zum Beginn der "16 Tage" auch auf die Straße: Wegen der Demonstration "Gegen Gewalt an Frauen & LGBTQIA+", die sich vom Maria-Restituta-Platz zum Praterstern bewegt, muss man am Freitag, 25. November, ab 18 Uhr in Wien-Leopoldstadt und -Brigittenau Staus und Sperren erwarten, so der ÖAMTC.