Wegen der stockenden KV-Verhandlungen haben die Eisenbahner bei den ÖBB, der Westbahn und anderen Eisenbahnen einen Warnstreik für Montag angekündigt. Nun wird ein Gesprächstermin gesucht
Vor dem für Montag angekündigten Warnstreik bei den ÖBB, der Westbahn und den weiteren heimischen Eisenbahnen wegen der stockenden KV-Verhandlungen wird ein Gesprächstermin gesucht. In einem der APA vorliegenden Brief haben die Arbeitgebervertreter der Gewerkschaft neue Gesprächstermine in der kommenden Woche angeboten. "Diese Möglichkeit wollen wir natürlich nicht ausschlagen", hieß es auf APA-Anfrage dazu von der Gewerkschaft. Der Termin müsse aber vor Montag liegen.
Forderung nach einem Entgeltplus von 400 Euro bleibt aufrecht
"Wir sind in Abstimmung, ob wir schon vorher, bis zum Wochenende,
also vor Sonntag Mitternacht, einen Verhandlungstermin zustande
bekommen, um ein vertretbares Ergebnis zu erreichen - das ist
Voraussetzung, um einen Warnstreik zu vermeiden", so ein vida-Sprecher
weiter. "Die Forderung nach einem Entgeltplus von 400 Euro für alle
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleibt aufrecht", sagte vida-Verhandler
Gerhard Tauchner. Diese sei ursprünglich bei 500 Euro gelegen, man sei
den Arbeitgebern also schon um 20 Prozent entgegengekommen.
Ringen um Gespräch vor Eisenbahner-Warnstreik am Montag
Dass
man sich noch am Wochenende treffe, sei wahrscheinlich, so Tauchner.
Jedenfalls würden letzten Beschlüssen folgend die
Gewerkschaftsmitglieder zum Ergebnis befragt, auch wenn auf die
400-Euro-Forderung eingegangen werde, was einen Warnstreik noch
verhindern könne. Liege ein mögliches Ergebnis nahe an der Forderung
könne man die Gewerkschaftsmitglieder auch im Zuge des Warnstreiks
befragen. Dass es auch bei einer Einigung in letzter Minute zu gar
keinen Verkehrsbehinderungen komme, sei aufgrund der Vorlaufzeiten eher
unwahrscheinlich, erläuterte der Gewerkschafter im Gespräch mit der APA.
"Wir sind in Abstimmung, ob wir schon vorher, bis zum Wochenende, also vor Sonntag Mitternacht, einen Verhandlungstermin zustande bekommen, um ein vertretbares Ergebnis zu erreichen - das ist Voraussetzung, um einen Warnstreik zu vermeiden", so ein vida-Sprecher weiter. Die Forderung nach einem Entgeltplus von 400 Euro für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleibe aufrecht. Diese sei ursprünglich bei 500 Euro gelegen, man sei den Arbeitgebern also schon um 20 Prozent entgegengekommen.
400 Euro mehr sind den Unternehmervertretern zu viel
Die 400 Euro sind den Unternehmensvertretern
aber viel zu viel. Sie bieten laut eigenen Angaben aber das beste
Angebot in der bisherigen Herbstlohnrunde, das auch den Abschluss bei
den Metallern überbiete. Konkret bedeute dies ein durchschnittliches
Gehaltsplus über alle Gehaltsklassen von 8 Prozent ab 1. Dezember und
ebenso im Dezember einen Einmalbetrag von 1.000 Euro. "Das ergibt eine
durchschnittliche Erhöhung der KV-Löhne und -Gehälter um mindestens 9
Prozent", schreiben die Arbeitgebervertreter der Wirtschaftskammer an
die Arbeitnehmervertreter der Gewerkschaft.
Gewerkschafter lehnen Einmalzahlungen 2022 ab
Die Gewerkschaft lehnt
in allen Lohnrunden bisher heuer konsequent Einmalzahlungsangebote ab.
Das habe man zur Kenntnis genommen, schreiben die
Eisenbahner-Arbeitgeber. "Wir ersuchen Sie aber auch um Ihre
Kenntnisnahme, dass dieser Vorstoß - nicht mehr über durchschnittliche
Prozentbeträge zu verhandeln, sondern über monatliche
Euro-Mindestbeträge auf alle Gehälter - die Spielregeln der
Sozialpartnerschaft und KV-Verhandlungen komplett ändert." Die 400 Euro
würden eine durchschnittliche Gehaltssteigerung von gut 13 Prozent
bedeuten, in den unteren Gehaltsklassen bis zu 24 Prozent.
Man
wolle aber "aufeinander zugehen", so die Arbeitgebervertreter. "Wie
können wir den Kuchen anders aufteilen? Dafür braucht es weitere
Gespräche." Vorgeschlagen werden der 28. oder 29. November.
Arbeitgeber rufen zur am Dienstag zur Mitgliederversammlung
Die
Arbeitgeber rufen zudem am Dienstag, 29.11. um 15 Uhr eine
Mitgliederversammlung ein, hieß es zur APA. Dann werde über die weitere
Vorgehensweise bei den stockenden KV-Verhandlungen beraten und das
Verhandlungsteam erweitert. Neben dem bereits bestehenden Kreis um
Personenverkehr, Privatbahnen und Innerstädtische Verkehrsbetriebe
sollen weitere Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen im
Schienenpersonenverkehr, Schienengüterverkehr, Gastronomie am Zug und
Schlafwagenvermietung auf Arbeitgeberseite dazukommen.
"Eisenbahnbranche agiert nicht unabhängig vom Markt"
"Die
Eisenbahnbranche agiert nicht unabhängig vom Markt und als Sozialpartner
müssen wir alle von uns vertretenen Unternehmen mitnehmen", sagte
Fachverbandsobmann Thomas Scheiber am Donnerstag zur APA. Er nannte als
Beispiele den Schienengüterverkehr mit seinem sehr kompetitiven Umfeld
und die Problematik der hohen Energiekosten. "Wie sollen die Forderungen
der Gewerkschaft in dieser Höhe für die Unternehmen stemmbar sein, ohne
Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen Branchen sowie der Straße zu
erleiden und Arbeitsplätze massiv zu gefährden?", fragte Scheiber.
Arbeitgeber seien Gewerkschaft immer entgegengekommen
Man
sei der Gewerkschaft in den vergangenen Runden immer wieder
entgegengekommen. Nun brauche es ein konstruktives Signal ihrerseits,
forderte Scheiber. Die vida hat sich aber grad erst vom Österreichischen
Gewerkschaftsbund (ÖGB) eine Streikfreigabe für einen österreichweiten
24-stündigen Warnstreik im Eisenbahnbereich geholt. Der Streik wurde für
Montag, 28.11.2022, im Zeitraum von 0.00 bis 24.00 Uhr festgelegt, geht
aus einer Mitteilung der vida hervor. Der Grund: "Ein unzureichendes
Angebot der Arbeitgeberseite unter der durchschnittlichen rollierenden
Inflation sowie der abrupte Abbruch der Verhandlungen durch die
Arbeitgeber nach der fünften KV-Verhandlungsrunde am Sonntag (...)."