Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) sieht die Vorwürfe, die gegen ihn in der Wirtschaftsbund- bzw. Inseratenaffäre gegen ihn erhoben wurden, in sich zusammenbrechen.
Seine persönliche Akteneinsicht sei ein paar Tage alt, sagte Wallner am Sonntag in der ORF-"Pressestunde". "Ich weiß, dass eine Person befragt wurde und ich kann sagen: Die Vorwürfe brechen in sich zusammen." Das durch die Chat-Affäre zerstörte Vertrauen solle durch Transparenz zurückgewonnen werden.
Wallner wurde durch Unternehmen anonym belastet
Mitte Oktober war bekannt geworden, dass der Wirtschafts-und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) nun offenbar die Identität jenes Unternehmers bekannt ist, der Wallner anonym belastet hatte. Der Manager hatte im April in einer eidesstattlichen Erklärung gegenüber den "Vorarlberger Nachrichten" sinngemäß erklärt, dass Wallner Gegenleistungen für Inserate in der mittlerweile eingestellten Zeitung des Wirtschaftsbunds ("Vorarlberger Wirtschaft") angeboten habe: Wallner habe bei einem Betriebsbesuch "klar deponiert", dass er wünsche, dass man sich bei der Wirtschaftsbund-Zeitung mit Inseraten engagiere. Im Mai war bekannt geworden, dass die WKStA gegen den Landeshauptmann (und weitere Personen) wegen Vorwürfen der Vorteilsannahme nach § 305 StGB ermittelt.
Wallner bestritt die Vorwürfe in der Inseratenaffäre
Der Landeshauptmann bestritt die Vorwürfe bereits
damals vehement, auch in einem APA-Interview sprach er zuletzt von einer
"glatten Lüge". Diese Position vertrat der Vorarlberger Landeshauptmann
am Sonntag in der "Pressestunde" neuerlich mit Nachdruck: "Ich habe
gesagt, das ist eine glatte Lüge und ich bleibe dabei." Er wolle zwar
die Arbeit der WKStA nicht von außen kommentieren, "aber es haben sich
meiner Ansicht nach keine der Vorwürfe erhärtet".
Wallner, der
sich nach Aufkommen der Vorwürfe am 22. Juni eine krankheitsbedingte
Auszeit genommen hatte und erst im September wieder in den Dienst
zurückgekehrt war, sagte, die Vorwürfe hätten mit dem Rückzug auch etwas
zu tun gehabt. Man höre ständig, verdächtig zu sein - dies aber
aufgrund von Anschuldigungen von Unbekannten. "Lustig ist die ganze
Sache nicht, es gibt keinen einzigen Beweis." Die Akteneinsicht der
letzten Tage habe seine Position bestätigt, sagte er, ohne konkret zu
werden - denn: er gehöre "nicht zu jenen, die aus irgendwelchen
Untersuchungsakten zitieren".
Laut Wallner wurden Konsequenzen nach Steuernachzahlung gezogen
Zur Causa der Steuernachzahlung des
Wirtschaftsbund Vorarlberg (für die Jahre 2016 bis 2021 knapp über
770.000 Euro) sagte Wallner, natürlich mache es "ein denkbar schlechtes
Bild, wenn eine Steuernachzahlung ins Haus geflattert ist". Es seien
aber Konsequenzen gezogen worden, verwies er auf die Rücktritte von
Wirtschaftsbund-Direktor Jürgen Kessler und Wirtschaftsbund-Obmann Hans
Peter Metzler. Er habe persönlich insofern Verantwortung übernommen, als
er dafür gesorgt habe, dass (mit dem ehemaligen
Landeshauptmann-Stellvertreter Karlheinz Rüdisser) ein Interims-Obmann
eingesetzt wurde. "Aber Sie werden verstehen: Ich hatte keinen direkten
Einblick in die Finanzen des Wirtschaftsbundes", sagte er auf Fragen zu
weiteren allfälligen persönlichen Konsequenzen.
Chats mit Thomas Schmid
Seine bekannt
gewordenen Chats mit Ex-Finanzministeriums-Generalsekretär Thomas
Schmid, in denen sich der Landeshauptmann offenbar über eine
Steuernachzahlung des landeseigenen Energieversorgers Illwerke/VKW
erkundigt hatte, verteidigte Wallner: "Da ging es nie um irgendeinen
persönlichen Vorteil", sondern immer um die Interessen des Landes
Vorarlberg.
Zur Bundes-ÖVP und der Chat-Affäre insgesamt sagte
Wallner, "das Bild nach außen ist kein Gutes". Es sei gut, dass sich
ÖVP-Chef und Bundeskanzler Karl Nehammer Anfang November öffentlich
entschuldigt habe. Nehammer habe gesagt, dass kein Platz für Korruption
in Österreich ist - "ich teile diese Meinung zu 100 Prozent". Die
Antwort könne nur noch mehr Transparenz sein. Wer das Vertrauen der
Bevölkerung zurückgewinnen will, der müsse auf Transparenz setzen.
Gefragt, ob das Amtsgeheimnis abgeschafft werden sollte, sagte Wallner:
"Aus meiner Sicht kann man das machen, ja." Dazu, dass gegen die ÖVP
wegen Korruption ermittelt wird, meinte er, "das ist ein Bild, das
korrigiert werden muss". Die richtigen Antworten seien "Regeln,
Compliance, Transparenz".
Wallner hält Parteiausschluss von Schmid für richtig
Den zuletzt erfolgten Parteiausschluss
von Schmid hält Wallner für richtig - wenn auch für zu spät. "Aus meiner
Sicht war es schon richtig, eine Grenze zu ziehen. Weil es nicht nur um
die Frage geht, ob irgendein strafrechtlicher Rahmen überschritte
wurde." Man müsse auch den Umgang miteinander betrachten, den
"Wertekatalog", die Grundhaltung und die Compliance.
Asyl: Wallner hält Zelte für keine geeignete Unterkunft
In Sachen
Flüchtlingsunterbringung betonte Wallner, er halte Zelte für keine
geeignete Unterkunft: "In Vorarlberg wird kein einziger Flüchtling in
Zelten untergebracht werden." Er wolle jedenfalls die
Unterbringungsquote im Ländle deutlich verbessern, versprach er.
Kritik an den Ausführungen Wallners übte die FPÖ: Es habe sich erneut gezeigt, "dass das moralisch verwahrloste Verhalten in der DNA der ÖVP sehr tief verankert ist und es dieser Partei völlig an jeglicher Kraft für eine notwendige Selbstreinigung fehlt", meinte Generalsekretär Michael Schnedlitz in einer Aussendung. "Wallner spielte einmal mehr das Unschuldslamm und Reue sowie Einsicht scheinen für den Vorarlberger Landeshauptmann nach wie vor echte Fremdwörter zu sein."