Für viele Migranten in Österreich ist die Selbstständigkeit ein wichtiger Weg zu einem Arbeitsplatz. Das zeigt eine Studie des IHS im Auftrag des Integrationsfonds (OeIF).
Zwar sind Migranten weniger häufig selbstständig als Österreicherinnen und Österreicher. Aber da sie im Schnitt wieder drei bis vier Menschen, oft Bekannte und Familienmitglieder, beschäftigen, gebe es dank "Domino-Effekt" einen großen Beitrag zum Arbeitsmarkt, sagt Julia Rothbauer vom OeIF.
Ein Wermutstropfen ist allerdings, dass diese "migrantische Ökonomie" sich überdurchschnittlich oft in Branchen mit prekären Arbeitsverhältnissen abspielt, sagte Rothbauer, Leiterin des Teams Wissensmanagement im OeIF, im Gespräch mit der APA. Bei der Unternehmensgründung greifen Migranten oft auf informelle Netzwerke von Menschen gleicher Herkunft zurück. Das offizielle Angebot, etwa von der Wirtschaftskammer, wurde von vielen nicht in Anspruch genommen. Zugleich zeigt sich klar, dass Migration und somit migrantische Ökonomie vornehmlich in Ballungsräumen stattfindet - 40 Prozent der im Ausland geborenen Selbstständigen in Österreich (inklusive mithelfenden Familienmitgliedern) sind in Wien tätig.
Die IHS Studie hat sich
auf im Ausland geborene Menschen konzentriert. Sie zeigt, dass es
Häufungen je nach Herkunft in bestimmten Branchen gibt. So sind etwa
Menschen aus China in der Gastronomie stark vertreten, aber auch für
Gruppen mit türkischen, syrischen, thailändischen oder maghrebinischem
Herkunftsbezug hat die Gastronomie deutlich höhere Relevanz. Menschen
aus dem ehemaligen Jugoslawien und Osteuropa, aber auch aus der Türkei
arbeiten gehäuft selbstständig im Bau. Post- und Kurierdienste werden
stark von Menschen wahrgenommen, die aus Asien oder Afrika, insbesondere
aus Indien, Ägypten oder Afghanistan stammen. "Vor dem Hintergrund des
geringen Bildungsniveaus dieser Gruppen ist anzunehmen, dass es sich
hierbei tendenziell um prekäre Scheinselbstständigkeiten handelt",
vermerkt das IHS. Es sei davon auszugehen, dass diese Menschen kaum
andere legale Erwerbsoptionen haben. Als Taxifahrer sind hingegen
überdurchschnittlich oft Menschen aus der Türkei und Ex-Jugoslawien
unterwegs. Manche Branchen, etwa Hotellerie oder Landwirtschaft, spielen
hingegen praktisch keine Rolle für Migranten.
Die Ergebnisse der
Studie werden in die operative Arbeit des OeIF einfließen, sagt
Rothbauer. Etwa wenn man die Nutzung offizieller Unterstützungsangebote
verstärken könne. Aber man müsse bei einer solchen Studie immer "gewisse
Unschärfen" in Kauf nehmen. So sind etwa 16 Prozent der unselbstständig
Tätigen in Österreich außerhalb des Landes geboren, etwas mehr als
80.000 Menschen fallen in diese Kategorie. Die Hälfte von ihnen stammt
dabei aus EU- und EFTA-Staaten, die größte Einzelgruppe sind deutsche
Staatsbürger. Auch haben zwar unter den Migranten ein höherer Anteil als
unter den Österreichern einen niedrigen Schulabschluss, aber es gebe
auch am anderen Ende die Gruppe der überdurchschnittlich gut
Ausgebildeten. Alles in einen Topf werfen funktioniere nicht.